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Die Mutter, die loslässt: Maria in Michelangelos Pietà

Für diejenigen, die nach Meisterschaft streben und Angst vor dem Verlust haben, bleibt Michelangelos Pietà eine stille, kompromisslose Schule des Vertrauens, ein für alle Mal in Stein gemeißelt.
Michelangelos Pietà im Petersdom
Foto: IMAGO/Michel Christophe/ABACA (www.imago-images.de) | Technisch gesehen ist die Pietà erstaunlich. Fleisch und Stoff sind mit unheimlicher Präzision voneinander unterschieden. Das Gewicht von Christi Körper ist spürbar; die Schwerkraft selbst scheint in den Marmor gemeißelt zu sein. Dennoch ist die Skulptur anatomisch nicht perfekt.

Betritt man den Petersdom, erscheint die schwer fassbare Pietà fast sofort auf der rechten Seite, still in einer Seitenkapelle gegenüber dem Taufbecken der Basilika. Sie verkündet sich nicht mit theatralischer Kraft. Vielmehr hüllt sie den umgebenden Raum in Stille. Die Platzierung selbst dient als Katechese: Bevor ein Wort gesprochen wird, bevor eine Theologie erklärt wird, wird der Pilger in eine sakramentale Logik hineingezogen, die von der Mutter Gottes verkörpert wird. Michelangelos Pietà will nicht bloß Kunst sein, sie ist Teil der liturgischen und theologischen Entfaltung der gesamten Heilsgeschichte in der großartigen Ausführung durch den Meister Michelangelo.

Hinweis: Dieser Artikel ist vor Abschluss des Probeabos erschienen, weswegen er in diesem nicht enthalten ist.
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