Feste Feiern

„Afrika? Schlabberlook in der Kirche gibt es dort nicht!“

Die katholische Party: Ein Gespräch mit Gloria von Thurn und Taxis über die prickelnden Feste des Kirchenjahres.
Fürstin Gloria von Thurn und Taxis im Gespräch mit der Tagespost
Foto: Privat | Nach Verzicht und Vorbereitung freut sich Fürstin Gloria von Thurn und Taxis am meisten über ein gelungenes Fest.

Durchlaucht, welches christliche Fest im Kirchenjahr steht auf Ihrer persönlichen Favoritenliste ganz oben?

Natürlich Weihnachten, weil der Winter eine traumhafte Atmosphäre herbeizaubert. Es ist kalt draußen, und alle versammeln sich in einem warmen Salon.

Was brauchen Sie, um in weihnachtliche Feststimmung zu kommen?

Natürlich fängt alles mit einem dicken Adventskranz an. Der muss einfach sein: ohne Schnick Schnack und mit dicken roten Kerzen. Dazu müssen Nüsse und Mandarinen dekoriert werden. Das ist sozusagen der dramaturgische Einschnitt in die Adventszeit. Mit meiner Nichte singe ich fast täglich Weihnachtslieder, das stimmt uns ein. Auf dem Esstisch werden auch Teile der Krippenfiguren aufgestellt. Also Hirten und fahrendes Volk, über die vier Wochen werden es immer mehr. Am dritten Advent kommt dann die Heilige Familie und erst am Heiligabend das Christkind dazu.

Wieviel Genuss verträgt sich mit katholischem Lifestyle?

Genießen darf man an Feiertagen so viel man will. Denn man hat ja vorher gefastet. Schließlich ist der Advent ja auch die kleine Fastenzeit. Also darf man über die Feiertage ruhig ein bisschen über die Stränge schlagen, auch wenn das in Richtung Völlerei geht.

Christen sollen zumindest sporadisch abstinent leben, die Stille suchen und Abstand vom weltlichen Treiben nehmen. Wie lässt sich das mit Partylaune vereinbaren?

Party ist ja am schönsten, wenn man sich durch vorherigen Verzicht und Vorfreude darauf vorbereitet. Was ziehe ich an, was gibt es zu essen? Habe ich für jeden ein passendes Geschenk und so weiter? Das alles erhöht die Spannung.

Bekehrung wird im katholischen Narrativ eher mit Anspruchslosigkeit gleichgesetzt, denken wir nur an Franz von Assisi und die Krippe in Grecchio. Wie glanzvoll darf es an Festen bei Kirchens zugehen?

Das schöne am Katholischsein ist, dass es eben verschiedenste Charismen gibt. Es gibt diejenigen, die etwas puritanisch angehaucht sind und die, die eher barock leben. In Nordrhein-Westfalen, in Westfalen und in Bayern ist eher die barocke Variante zu Hause. Das sieht man ja schon an den Kirchen. Es darf bei Festen immer üppig zugehen, mit Musik, Speis und Trank, the more the merrier (je mehr, desto besser, A.d.R.).

Sie verbringen einen Teil des Jahres in Kenia: Können Europäer sich in puncto christliche Festkultur von den Afrikanern etwas abschauen?

Die Afrikaner können auch feiern, das steht außer Frage, aber sie haben ihren eigenen Stil und ihre eigenen Bräuche. Abschauen können wir uns von den Afrikanern die festliche Kleidung, die sie sonntags und an Feiertagen tragen. Da werden die schönsten Kleider angezogen. Schlabberlook in der Kirche gibt es dort nicht.

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Traditionell gesinnte Katholiken messen ihrem Namenstag mehr Gewicht bei als ihrem Geburtstag. Wie halten Sie es damit?

Natürlich ist der Namenstag bedeutender, weil der Namenspatron ja auch für alle besonderen Fälle und Notfälle eingesetzt und zur Hilfe gerufen werden kann. Wer es noch nicht tut, unbedingt ausprobieren! Es funktioniert.

Sie galten in Ihren jungen Jahren als Partyqueen. Durften Ihre Kinder es auch mal richtig krachen lassen?

Natürlich, meine Kinder haben es sicherlich auch krachen lassen. Wir haben ja auch viele Feste gemeinsam gefeiert. An Neujahr wurde und wird oft bis morgens getanzt.

Der Schriftsteller Martin Mosebach hat Sie einmal dafür gelobt, dass Sie auf Festen Menschen zusammenbringen. Worum geht es Ihnen bei Ihrer Rolle als Gastgeberin?

Mir geht es als Gastgeberin in erster Linie darum, dass die Gäste einen tollen Abend mit guten Gesprächen verbringen. Dafür ist eben eine Mischung wichtig.

Und was ist dafür ideal?

Unerwartete Exoten sind ideal, weil alles, was unerwartet ist, Spannung in jede Gesellschaft bringt. Eben nicht nur „die üblichen Verdächtigen“.

Haben Sie auf einem Fest schon mal ein missionarisches Erlebnis gehabt?

Nein nicht bewusst, aber dadurch, dass bei uns oft über den Sinn des Lebens gesprochen wird, könnte das wohl doch vorkommen.

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