Film & Kino

„Es wird der größte Film aller Zeiten“

Regisseur Mel Gibson plant den Film „Die Auferstehung“. Über die Quellen für das Drehbuch lässt sich jetzt schon einiges vorhersagen. Von José García
Mel Gibson -  "Die Passion Christi"
Foto: dpa | Jim Caviezel (links) wird wieder die Hauptrolle in „Die Auferstehung“ spielen. Hier ist er im Gespräch mit Mel Gibson bei „Die Passion Christi“ (2004).

Mel Gibson arbeitet zurzeit an einer Fortsetzung seines Welterfolgs „Die Passion Christi“ (2004) mit dem Titel „Die Auferstehung“. Am 29. Januar bestätigte Jim Caviezel, der in Mel Gibsons Film die Hauptrolle spielte, in einem bei „USA Today“ erschienenen Interview, dass er in „Die Auferstehung“ erneut Jesus darstellen werde.

„Die Passion Christi“ (DT vom 18.3.2004) handelte von den letzten Stunden im irdischen Leben Jesu – vom Gebet im Ölgarten bis zum Tod am Kreuz. In diese „Rahmenhandlung“ bauten Gibson und sein Mit-Drehbuchautor Benedict Fitzgerald etwa ein Dutzend Rückblenden aus dem Leben Jesu ein, die eine theologische Erklärung für Christi Qualen vermitteln sollen. Obwohl der Film mit einem Budget von etwa 30 Millionen Dollar weltweit mehr als 611 Millionen Dollar einspielte, wodurch er einer der erfolgreichsten Bibelverfilmungen überhaupt wurde, und darüber hinaus für drei Oscars nominiert und weitere Filmpreise gewinnen konnte, stand „Die Passion Christi“ wegen angeblicher antisemitischer Tendenzen sowie wegen der kruden Gewaltdarstellung in der Kritik.

Eine Kritik, die etwa auch dazu führte, dass Caviezel nach „Die Passion Christi“ keine großen Rollen mehr in Hollywood bekam. In einem „Daily Mail“-Interview äußerte er sich dazu: „Mit dieser Rolle wurde meine Karriere in Hollywood zerstört. Bereits während der Dreharbeiten sagte Mel Gibson zu mir: ,Du wirst niemals mehr in dieser Stadt arbeiten‘.“ Die Antisemitismus-Vorwürfe hätten dazu geführt, dass „mich meine eigene Industrie ablehnte“. Damit habe er freilich schon gerechnet: „Jesus ist heute genauso umstritten wie er es immer gewesen ist. In den letzten 2 000 Jahren hat sich in der Beziehung nicht viel geändert.“ Zuletzt übernahm Caviezel die Rolle des Evangelisten Lukas in dem Film „Paul, Apostle of Christ“, der Ende März in den Vereinigten Staaten in den Kinos startet.

Auch für Mel Gibsons Arbeit als Regisseur bedeutete „Die Passion Christi“ keinen Karriereschub. Zwar drehte er 2006 „Apocalypto“ (DT vom 19.12.2016), aber bis zum nächsten Film „Hacksaw Ridge – Die Entscheidung“ (DT vom 26.1.2017) brauchte es zehn Jahre. Im Rahmen der Vorstellung dieses Filmes sprach Gibson im Oktober 2016 mit „USA Today“ von seinem neuen Projekt. Genauere Angaben machte er etwas später in der TV-Sendung „The Late Show“ von Stephen Colbert: An dem Drehbuch arbeite bereits Randall Wallace, der als Autor für Gibsons „Braveheart“ (1995) für den Oscar nominiert wurde, und zuletzt bei „Den Himmel gibt's echt“ (DT vom 8.11.2014) selbst Regie führte.

Zum Inhalt sagte damals Gibson lediglich, er sei dabei, die biblischen Texte in ein filmisches Konzept umzusetzen: „Wir versuchen, es in einer filmisch überzeugenden und einleuchtenden Weise zu tun, damit es in einem neuen Licht erscheint, möglichst ohne etwas Eigenartiges zu machen.“ Im erwähnten „USA Today“-Interview sprach Jim Caviezel zwar von einem vorläufigen Drehplan. Wann die Dreharbeiten beginnen sollen, gab er jedoch nicht preis, denn sie sollen geheim gehalten werden. Ebenso rätselhaft äußerte sich Caviezel über den Filminhalt: „Es gibt Dinge, die das Publikum schockieren werden und über die ich nicht sprechen kann.“

Von dem Film sind tiefe Wahrheiten zu erwarten

Selbstverständlich bleibt es Spekulation, aber: Worauf könnten Caviezels Worte anders hinweisen als auf die Inszenierung der Zeit zwischen Tod und Auferstehung Christi? Denn in „Die Passion Christi“ folgte auf die Kreuzabnahme und auf das fast unbewegliche „Pieta“-Tableau – Maria (Maia Morgenstern) hält den toten Jesus in den Armen. Mit schmerzerfüllten, aber gefassten Augen scheint sie ins Jenseitige zu blicken, während Johannes (Christo Jivkov) und Maria Magdalena (Monica Bellucci) jeweils Knie und Füße Jesu haltend auf seinen zurückgeworfenen Kopf mitsamt dem entstellten Antlitz schauen – eine zehn Sekunden lange Schwarzblende, an deren Ende erst das typische Geräusch zu vernehmen ist, wenn Steine gerückt und aneinandergerieben werden, und dann ins Grab einfallendes Licht sichtbar wird. Zur einsetzenden Musik bewegt sich die Kamera auf die Steinplatte zu, auf der der in weiße Leinen eingehüllte Leib Jesu (noch) liegt. Das Licht fällt darauf, und die weißen Leinen fallen in sich zusammen – die Hülle ist leer. Die Kamerabewegung geht indes weiter, und fokussiert auf das verklärte Gesicht des offenbar sitzenden Jesus, der nun aufsteht, wobei die Kamera auf das Wundmal in der rechten Hand zoomt. Auf eine weitere Schwarzblende folgt der Nachspann.

Auf diese Weise endet „Die Passion Christi“ mit Jesu Auferstehung. Was aber in der Zeit zwischen Jesu Tod und seiner Auferstehung geschah, bleibt hier ausgespart. Es liegt also nahe, dass Gibson in seinem neuen Film gerade die Lücke schließen möchte, die im Glaubensbekenntnis mit dem Halbsatz „hinabgestiegen in das Reich des Todes“ ausgedrückt wird. Es ist anzunehmen, dass der 1956 geborene, gläubige Katholik Mel Gibson und der nach seiner Regiearbeit in „Den Himmel gibt's echt“ („Heaven is for real“) als gläubiger Christ einzustufende Mit-Drehbuchautor Randall Wallace den Katechismus der Katholischen Kirche als wichtige Quelle in Betracht ziehen, der in seinen Nummern 632–635 die Credo-Aussage „Christus ist hinabgestiegen zu den Toten“ behandelt. „Die häufigen Aussagen des Neuen Testamentes, wonach Jesus ,von den Toten auferweckt‘ worden ist (Apg 3,15; Röm 8,11; 1 Kor 15,20), setzen voraus, dass er vor der Auferstehung am Aufenthaltsort der Toten geweilt hat“, stellt der Katechismus lapidar fest. Allerdings folgt eine Einschränkung: „Aber er stieg in diesen hinab als Retter und verkündete den Seelen, die dort festgehalten wurden, die Frohbotschaft.“

Zwar stellt der Katechismus fest, dass Jesus als „Urheber des Lebens“ gekommen sei, „um den zu entmachten, der die Gewalt über den Tod hat, nämlich den Teufel“. Dies bedeute jedoch nicht, dass Jesus in die Unterwelt hinabgestiegen sei, „um die Verdammten daraus zu befreien, und auch nicht, um die Hölle, den Ort der Verdammung, aufzuheben“. Obwohl es in der lateinischen Fassung des Apostolischen Glaubensbekenntnisses heißt: „descendit ad inferos; tertia die resurrexit a mortuis“, ist „inferos“ nicht mit „Hölle“ im weitläufigen Sinne gleichzusetzen. Aus diesem Grund wird sich Gibson wohl kaum der Bildmächtigkeit etwa von Dantes „Inferno“ mit seinem „Höllentrichter“ noch von dessen Visualisierung in Botticellis „Mappa dell' Inferno“ bedienen können.

Nicht weniger bildmächtig sollte jedoch eine Inszenierung der Befreiung aus dem „Schoß Abrahams“ ausfallen dürfen, in dem der christlichen Tradition nach die Gerechten der Ankunft Jesu harrten: „Die Seelen der Gerechten, die in Abrahams Schoß den Heiland erwarteten, hat Christus der Herr bei seinem Abstieg in die Hölle befreit“, heißt ebenfalls im Katechismus.

Es wird verschiedene Inspirationsquellen geben

Als bildliche Inspiration für seinen neuen Spielfilm über die Auferstehung Jesu könnte der in den Vereinigten Staaten geborene, teilweise aber in Australien aufgewachsene Regisseur auf die Ikonografie der Ostkirche zurückgreifen. Auf Oster-Ikonen steht Jesus auf dem zerbrochenen Tor zur Unterwelt als Sieger über den Tod, der Adam und Eva als erste der Erlösten aus der Unterwelt herausführt. Als literarische Inspirationsquelle für „Die Auferstehung“ könnte ebenfalls das sogenannte „Evangelium Nicodemi“ („Pilatusakten“) dienen, das Jesu Abstieg in die Unterwelt mit etlichen anschaulichen Handlungselementen anreichert. Sie wurden von mittelalterlichen Passionsspielen aufgenommen, die den Streit Jesu mit den Teufel thematisieren. Darauf könnte sich Gibsons kryptische Antwort auf Stephen Colberts Frage in der bereits erwähnten TV-Sendung „The Late Show“ beziehen, ob es auch „Bösewichte“ in seinem neuen Film geben würde. Mel Gibson: „Die gibt es. Sie befinden sich aber in einer anderen Welt.“

Ganz gleich, welche Quellen Gibson in Betracht zieht – für Hauptdarsteller Jim Caviezel steht eines fest: „Eines kann ich auf jeden Fall sagen: Der Film, den er machen wird, wird der größte Film aller Zeiten.“

Branchenmedien rechnen mit einem Kinostart für „Die Auferstehung“ frühestens im Jahre 2019, wahrscheinlicher aber zu Ostern 2020.

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