„Ein Schritt in die richtige Richtung“

Der Verband der Kinderreichen (KRFD) begrüßt die Pläne zur Kindergelderhöhung und andere Maßnahmen des Koalitionsvertrags, ist jedoch nicht ganz ohne Kritik.
Die wilde 13: Erneuter Zuwachs bei Leipziger Großfamilie
Foto: dpa | Und noch eins: Eine Familie in Leipzig mit dreizehn Kindern. Eine Ausnahmeerscheinung.

Frau Müller, der Koalitionsvertrag sieht eine Reihe von familienpolitisch relevanten Einzelmaßnahmen vor. Sie begrüßen die geplante Kindergelderhöhung. Ist jetzt alles gut?

Wir sehen den Koalitionsvertrag eher positiv. Er sieht eine Kindergelderhöhung von 25 Euro pro Kind und Monat vor – schon lange haben wir eine solche gefordert. Für eine Familie mit drei Kindern sind zusätzliche 75 Euro im Monat eine spürbare Unterstützung und Wertschätzung.

Allerdings soll die Erhöhung laut Koalitionsvertrag nur stufenweise eingeführt werden, ab 2019 zehn Euro zusätzlich und erst 2021 die gesamten 25 Euro. Diese zeitliche Verzögerung ist für uns unverständlich. Schließlich treffen die derzeit steigenden Lebenshaltungskosten gerade Familien mit vielen Kindern – mit 1,8 Prozent haben sich die Preise 2017 stärker als in den letzten vier Jahren erhöht, besonders bei Lebensmitteln und Energie sind die kinderreichen Familien betroffen. Die zeitliche Verzögerung bremst die unterstützende Wirkung für Familien. Deshalb sind wir für ein klares „Jetzt“ an Stelle eines „Klein anfangen und später durchstarten“.

Selbst wenn die Erhöhung nur in einer Stufe und das schon im nächsten Jahr erfolgen sollte: Die Kindergeldforderungen Ihres Verbandes gehen weiter.

Das ist richtig. Nachweislich möchten viele Familien ein drittes Kind haben. Viele wagen diesen Schritt jedoch nicht, weil er gerade am Anfang größere Investitionen erfordert wie etwa ein größeres Auto oder mehr Wohnraum. Ein ergänzendes Kindergeld ab dem dritten Kind würde Familien über diese Schwelle helfen, wäre familienpolitisch nachhaltig und sogar in seiner Wirkung messbar. Frankreich hat mit einer Familienpolitik, die den Akzent auf das dritte Kind setzt, sehr gute Erfahrungen gemacht.

Und die anderen Maßnahmen?

Die Lockerung der harten Abbruchkante beim Kinderzuschlag wird einkommensschwache kinderreiche Familien entlasten. Das ist gut. Dann sehen wir andere Verbesserungen, zum Beispiel die flexiblen und familienkompatiblen Betreuungsmöglichkeiten statt starrer Ganztagsschulzeiten, die Mütterrente II und vor allem die vorgesehenen Erleichterungen bei Wohnungsbau und Miete. Das ist für Mehrkindfamilien in ihrer jeweiligen Lebenslage wertvoll.

Über das Baukindergeld freut sich vor allem die Baubranche…

Nicht nur die. Auch wir begrüßen die erzielte Einigung, ein „Baukindergeld“ – also 100 Euro Eigenkapitalzuschuss pro Kind und Monat über einen Zeitraum von zehn Jahren – einzuführen. Das Baukindergeld zählt zu den zentralen Forderungen unseres Verbandes und wir freuen uns, dass wir durch unsere politische Arbeit mit zu seiner Verwirklichung beitragen konnten. Für uns wichtig ist, dass das Baukindergeld wirklich für jedes Kind ist. Wenn eine Familie sieben Kinder hat, sind das 700 Euro monatlich – über zehn Jahre.

Für kinderreiche Familien ist das Baukindergeld eine wertvolle Alternative zu Wohnraumknappheit und hohen Mieten. Viele junge Familien wünschen sich ein drittes Kind, die Verwirklichung wird vom Wohnraum entscheidend mitgeprägt. Außerdem ist Wohneigentum gerade für kinderreiche Familien ein wichtiger Pfeiler der Alterssicherung, denn sie können sich wegen höherer Konsum- und Bildungskosten nicht so viel ansparen. Wir wünschen uns, dass diese überfällige Regelung zügig umgesetzt wird und Familien, die das Baukindergeld nicht in Anspruch nehmen, durch Maßnahmen beim sozialen Wohnungsbau und Miethöhe unterstützt werden.

Ihr Verband vertritt 1,2 Millionen kinderreiche Familien (ab drei Kindern). Geht es den Familien jetzt besser?

Wir sind sehr zufrieden, dass unser Verband die Erhöhung des Kindergelds, die Wahrnehmung der großen finanziellen Herausforderungen kinderreicher Familien und das Baukindergeld in der letzten Legislaturperiode angeschoben hat. Gleichzeitig vermissen wir nach wie vor eine eigenständige Familienpolitik für kinderreiche Familien. Aber die geplanten Maßnahmen der GroKo gehen in die richtige Richtung. Das sind keine Almosen, sondern ein Zeichen der Wertschätzung der Familien – denn Kinder sind die Zukunft unserer Gesellschaft. Wir werden uns nun einsetzen, dass alle diese Maßnahmen tatsächlich umgesetzt werden.

Themen & Autoren
Stefan Rehder Elisabeth Müller

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