Bonn

Die Welt im Zeichen Beethovens

Was das Jubiläums-Jahr zum 250. Geburtstag des Komponisten in Bonn bietet.
Ludwig van Beethoven auf einer zeitgenössischen Darstellung
Foto: dpa

Der eine geht, der andere kommt: Das musikalische Jahr 2019 stand ganz im Zeichen des gebürtigen Kölners Jacques Offenbach. Im kommenden Jahr steht mit Ludwig van Beethoven ein anderer Rheinländer im Fokus des Interesses. Der eine, in Köln geboren, hat in Paris Karriere gemacht; der andere, vor 250 Jahren in Bonn zur Welt gekommen, hat sich in Wien einen unsterblichen Namen erworben. Am kommenden Wochenende, 14./15. Dezember, startet die Reihe der Veranstaltungen, mit denen Beethoven im kommenden Jahr „neu entdeckt“ werden soll.

Wobei die Frage erlaubt sein muss, inwieweit der mutmaßlich weltweit am häufigsten gespielte klassische Komponist überhaupt eines Medien- und Veranstaltungshypes bedarf, um in der Gegenwart präsent zu sein. Die 2016 gegründete Beethoven Jubiläums GmbH jedenfalls hat sich unter dem von Kritik begleiteten Label „BTHVN 2020“ zum Ziel gesetzt, „das Beethoven-Jubiläumsjahr als nationales Ereignis mit internationaler Strahlkraft in regionaler Verankerung zu gestalten, zu fördern, zu koordinieren und zu verantworten“.

Das Jubiläums-Unternehmen ist eine Tochtergesellschaft der Stiftung Beethoven-Haus in Bonn, errichtet von potenten Förderern: der Bundesrepublik Deutschland, dem Land Nordrhein-Westfalen, dem Rhein-Sieg-Kreis und der Bundesstadt Bonn.

„Neu entdeckt“ werden soll Beethoven durch eine Vielfalt von Veranstaltungsformaten, von Ausstellungen über Tanz- und Theateraufführungen bis hin zu Kunst-Aktionen und wissenschaftlichen Symposien, vor allem aber über Konzerte und Opernproduktionen, bei denen nicht nur seine einzige Oper „Fidelio“ – und ihre Urfassung „Leonore“ – auf Interesse stoßen dürfte. So hat das Beethoven-Fest Bonn bereits angekündigt, alle „Leonoren“-Opern der Beethovenzeit im September 2020 aufzuführen: Ferdinando Paërs „Leonora ossia l'amor coniugale“ wird – als Koproduktion mit den Innsbrucker Festwochen der Alten Musik – szenisch zu sehen sein (Innsbruck ab 7. August, Bonn 22. September). Konzertant sind die Vertonungen des Librettos des französischen Schriftstellers Jean-Nicolas Bouilly von Johann Simon Mayr und Pierre Gaveaux zu hören.

Die Bundeskunsthalle zeigt wichtigste Lebensstationen

Zum Start ins Beethoven-Jahr bringt das Wochenende 14./15. Dezember Beethoven zurück zu seinen Ursprüngen: In ganz Deutschland erklingt Beethoven in privaten Räumen, vom „Hauskonzert“ im Salon bis hinein in Clubs und Kirchen. Die Palette reicht von konventionellen Klaviersonaten-Konzerten über Medienpräsentationen in Bibliotheken bis hin zu einem Beethoven-Flashmob in Kiel. Unter www.beethovenbeiuns.de ist die Liste der Veranstaltungen, nach Bundesländern geordnet, einsehbar. In Bonn setzt das Finalkonzert der Internationalen Telekom Beethoven Competition am 14. Dezember ein erstes musikalisches Ausrufezeichen: Die drei Pianisten, die das Finale des Wettbewerbs erreichen, spielen mit dem Beethoven-Orchester Bonn im Telekom Forum.

In der Stadt wird bis 22. Dezember Lichtkunst zum Beethoven-Jahr gezeigt. Und ein Festakt am 16. Dezember eröffnet das Jubiläumsjahr. Die Festrede im Opernhaus Bonn hält Staatsministerin Monika Grütters. Das Beethoven-Orchester Bonn leitet Dirk Kaftan. Er wird auch am Pult stehen, wenn sich am ersten Tag des neuen Jahres der Vorhang zur Premiere von „Fidelio“ hebt, in Szene gesetzt von Volker Lösch, der für seine explizit politischen Inszenierungen bekannt ist. Bis 27. März sind weitere acht Vorstellungen vorgesehen.

Die zentrale Ausstellung zum Beethoven-Jubiläumsjahr 2020 öffnet ab 17. Dezember ihre Pforten: Unter dem Motto „Welt.Bürger.Musik“ zeichnet die Bundeskunsthalle in Kooperation mit dem Beethoven-Haus Bonn die wichtigsten Lebensstationen Ludwig van Beethovens vor dem Hintergrund historischer Ereignisse nach und verschränkt diese mit seinem musikalischen Schaffen. Angekündigt sind „einzigartige Originalwerke“; außerdem sollen die Besucher an Hörstationen einen Eindruck von historischen Klangwelten bekommen.

Das seit September neu gestaltete Beethoven-Haus Bonn, in dem der Komponist im Dezember 1770 zur Welt gekommen und bis 1774 aufgewachsen ist, lädt am 17. Dezember zu einem „Tag der offenen Tür“ ein. Gleichzeitig eröffnet eine Sonderausstellung, die dem berühmten Porträt von Joseph Karl Stieler gewidmet ist. Dieses Bild hat die Vorstellung von Beethoven als „Titan“ und „schöpferisches Genie“ wie kein zweites geprägt und so zum „Mythos“ Beethoven beigetragen. Die Schau thematisiert unter anderem diese Wirkungsgeschichte des Gemäldes.

Staffelübergabe zwischen zwei musikalischen Jahren

Das „neue“ Beethoven-Haus will mit einem umfassenden musealen Konzept mehr sein als die bloße Vergegenwärtigung des historischen Ambientes um 1770 oder die Präsentation der über 200 originalen Objekte. Es stellt in zwölf Räumen, darunter einem „Musikzimmer“ und einer „Schatzkammer“ mit authentischen Manuskripten die Sammlungsgegenstände in den Kontext von Leben und Denken, Arbeiten und Wirken Beethovens. Die Musik – in einer Ausstellung stets schwierig zu präsentieren – wird an Hörstationen erlebbar. Bemerkenswert: Der Klick auf www.beethoven.de öffnet ein riesiges Internet-Angebot zu allen Aspekten des Beethoven-Hauses von der Bibliothek bis zum digitalen Archiv. Unter den neun abrufbaren Online-Ausstellungen findet sich auch eine zur Geschichte des Hauses.

Über die schier unendliche Fülle von Veranstaltungen allein in Deutschland gibt die Internetplattform www.bthvn2020.de einen stets aktuell ergänzten Überblick. Auch Wien, wo Beethoven 35 Jahre lang gelebt hat, bietet nun ein umfassendes Programm mit den Konzerten und Besuchen originaler Beethoven-Stätten wie dem Museum in Heiligenstadt, das unter der Internetseite www.musik2020.wien.info zu erreichen ist.

Bevor der Ernst des Beethoven-Jahres beginnt, heißt es freilich erst einmal Abschied nehmen – und das auf typisch rheinisch-humorvolle Weise: Bei einem Fest auf dem Rhein verabschiedet sich das Offenbach-Jahr mit einer „Staffelübergabe“: Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker übergibt vor geladenen Gästen den Staffelstab der rheinischen Komponisten-Jubiläen an den Bonner Oberbürgermeister Ashok-Alexander Sridharan im Beisein vom Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen, Armin Laschet. Dazu erklingt als Uraufführung eine von Moritz Eggert und Patrick Hahn eigens zu diesem Anlass adaptierte Fassung des Offenbach-Einakters „Die zwei Blinden“, wobei der Titel der Bouffonerie wohl ausdrücklich und ausnahmsweise gegen den satirischen Grundansatz Offenbachs nicht als Einladung zu Assoziationen aufzufassen ist.

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