Ausstellung

Die Kunst der Herrschaft

„Das ganze Antlitz ist fröhlich und heiter“: Eine glanzvolle Schau in Münster feiert Kaiser Friedrich I. Barbarossa.
Armspange Friedrichs I.
Foto: Veit-Mario Thiede | Armspange Friedrichs mit der Auferstehung Christi, um 1170/80, Kupfer, Grubenschmelz, vergoldet.

Ende Dezember 1122 hob Graf Otto von Cappenberg den späteren Kaiser Friedrich I. Barbarossa aus der Taufe. Münsters Museum für Kunst und Kultur feiert den vor 900 Jahren zur Welt gekommenen Staufer, dessen exaktes Geburtsdatum nicht überliefert ist, mit einer glanzvollen Ausstellung. Sie stellt uns anhand hochrangiger Kunstwerke den Kaiser und seine wichtigsten Unterstützer vor.

Bilder und Beschreibungen machen uns zum Auftakt der Schau mit Friedrich I. Barbarossa bekannt (1122–1190). Er war seit 1152 römisch-deutscher König. Drei Jahre später krönte ihn der Papst in Rom zum Kaiser. Das Mittelalter kannte keine „Bildnisse“ mit individuellen Zügen. Und so werden auch die Bilder Kaiser Friedrichs I. nur dann als solche kenntlich, wenn sein Name hinzugeschrieben steht. Ein besonders prunkvolles Beispiel ist das Armreliquiar für Karl den Großen.

„Im schreienden Kontrast zu den würdevollen Darstellungen des Kaisers
steht die Miniatur, die in der „Sächsischen Weltchronik“ (14. Jahrhundert)
sein klägliches Ende auf dem Kreuzzug im Jahre 1190 zeigt“

Barbarossa hatte sich für dessen Heiligsprechung stark gemacht und war bei der Erhebung von Karls Gebeinen anno 1165 in der Aachener Pfalzkapelle anwesend. Die Mitte der Vorderseite des aus Silber und Gold angefertigten kastenförmigen Armreliquiars ist der Abbildung Marias mit dem Kind vorbehalten, flankiert von den Erzengeln Michael und Gabriel. Barbarossa ist links außen, seine Gemahlin Beatrix rechts außen dargestellt.

Der Kleriker Rahewin, der die vom Bischof Otto von Freising begonnene Handschrift „Die Taten Kaiser Friedrichs I.“ fortsetzte, beschreibt den Herrscher so: „Seine Augen sind scharf und durchdringend, die Nase schön, der Bart rötlich und das ganze Antlitz ist fröhlich und heiter.“ Den Beinamen „Barbarossa“ haben ihm die Italiener übrigens erst im 13. Jahrhundert wegen seines rötlichen Bartes verpasst. Im schreienden Kontrast zu den würdevollen Darstellungen des Kaisers steht die Miniatur, die in der „Sächsischen Weltchronik“ (14. Jahrhundert) sein klägliches Ende auf dem Kreuzzug im Jahre 1190 zeigt. Er geriet beim morgendlichen Bad im Fluss Saleph in einen Strudel und ertrank.

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Der kleine Friedrich am Taufbecken zu erkennen

Lange galt der so genannte „Cappenberger Kopf“ (um 1160) als Bildnis Kaiser Friedrichs I. Das aus vergoldeter Bronze geschaffene Prunkstück weist drei kniende kleine Engel auf. Sie schultern einen reich gelockten und bärtigen Männerkopf, der übergroße Augen hat. Eine lateinische Inschrift verkündet, dass im Kopf „Haar vom heiligen Johannes“ deponiert ist. Eine im Vorfeld der Ausstellung vorgenommene Öffnung des Kopfes ergab, dass er sowohl Reliquien des Evangelisten Johannes als auch anderer Heiliger enthält. Einige sind ausgestellt. Eine weitere Inschrift des Kopfreliquiars nennt Barbarossas Taufpaten Graf Otto von Cappenberg als Stifter. Er stand als Propst dem Prämonstratenserstift Cappenberg vor. Otto und sein Bruder Gottfried waren 1121 an der Eroberung der Stadt Münster beteiligt, bei der der Dom in Flammen aufging. Um Buße zu tun, übergaben sie ihren Familienbesitz Norbert von Xanten. Der Gründer des Prämonstratenserordens wurde 1126 zum Erzbischof von Magdeburg gewählt und 1582 heiliggesprochen.

Auch die so genannte „Taufschale Kaiser Friedrichs I. Barbarossa“ (Mitte 12. Jahrhundert) vermachte Propst Otto den Cappenberger Prämonstratensern. Die teilvergoldete Silberschale war ein Geschenk des Kaisers an seinen Taufpaten. Die eingravierte Darstellung zeigt Otto und einen Bischof, die im Beisein dreier Zeugen den kleinen Friedrich aus dem Taufbecken heben. Das zur Schale gehörende Aquamanile (Wassergefäß) in Kopfform ist verloren. Wie solche Gefäße aussehen, vermittelt uns das ausgestellte „Büsten-Aquamanile“ (um 1180). Es zeigt einen vollbärtigen älteren Mann mit Tülle im Haar. Ihn umkränzt ein mit Blättern und Blüten versehenes Diadem, was ihm im 1848 angefertigten Verzeichnis der Aachener Domschatzkammer die Eintragung als „Reben umlaubter Bacchus“ einbrachte.

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Die Gebeine aus dem Morgenland in Bergkristall

Mit prachtvollen Exponaten weist die Schau auf bedeutende Unterstützer Barbarossas hin. Wichtige Leihgaben verdankt die Schau dabei dem Dommuseum Hildesheim. Zu ihnen gehört das Reliquiar des heiligen Oswald (um 1185). Es besteht aus einem Zentralbau, auf dem ein vergoldeter Kopf mit Krone sitzt. Heinrich der Löwe stiftete es dem Hildesheimer Dom. Der Herzog war viele Jahre der wichtigste Verbündete des Kaisers. Als Heinrich jedoch wiederholt die Ladung vor das kaiserliche Gericht ignorierte, entzog ihm Barbarossa 1180 die Lehnsherrschaft über Sachsen und Bayern.

Rainald von Dassel, Reichskanzler für Italien und Erzbischof von Köln, war lange Zeit Friedrichs engster Vertrauter. Nach der Unterwerfung Mailands nahm Rainald von dort mit kaiserlicher Erlaubnis die Gebeine der Heiligen Drei Könige mit nach Köln. Für sie schuf der bedeutende Goldschmied Nikolaus von Verdun mit seinen Gehilfen den größten und eindrucksvollsten Reliquienschrein des Abendlandes. Zum Figurenpersonal des Kölner Dreikönigsschreins gehört Erzbischof Rainald. Die Ausstellung präsentiert eine Kopie der Figur. Rainald war von 1149 bis 1159 Propst des Hildesheimer Domstifts.

Eine Armspange könnte direkten Bezug zu Barbarossa haben

Aus alter Verbundenheit soll er diesem drei Fingerknochen der Heiligen Drei Könige geschenkt haben. Eine äußerst hochherzige Gabe, wenn man sic h vorstellt, dass es sich möglicherweise um die Finger handelt, mit denen die drei Weisen aus dem Morgenland auf den Stern von Bethlehem gezeigt haben. Aufbewahrt werden sie in einem Bergkristallzylinder, der das Zentrum des von Hildesheim nach Münster ausgeliehenen Schaugefäßes (Mitte des 14. Jahrhundert) in Gestalt einer gotischen Miniaturarchitektur bildet.

Einem Meister aus dem Umfeld des Nikolaus von Verdun wird eines der schönsten Stücke der Schau zugeordnet: eine Armspange aus vergoldetem Kupfer (1170/80). Ihre emailierte Darstellung zeigt Christus, der einem von zwei Engeln flankierten Sarkophag entsteigt. Neben dieser aus dem Louvre entliehenen Armspange ist nur ein weiteres Stück dieser Art überliefert. Es befindet sich im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg. Solche Armspangen gehörten zum Krönungsornat. Ausstellungskuratorin Petra Marx beurteilt das kostbare Stück als eines der wenigen erhaltenen Werke der Schatzkunst, „die möglicherweise in einem direkten Bezug zu Kaiser Friedrich I. Barbarossa stehen“.


Barbarossa. Die Kunst der Herrschaft
Bis 5.2.2023 im LWL-Museum für Kunst und Kultur, Domplatz, Münster.
Informationen: www.lwl-museum-kunst-kultur.de. Der Katalog aus dem Imhof Verlag kostet 32,– Euro.

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