Die DNA eines Museums

Der neue Berliner Gropius Bau verspricht größere Transparenz. Von Andrea Schultz

Seit Februar hat der traditionsreiche Berliner Gropius Bau mit seiner mehr als 130-jährigen Geschichte eine neue Direktorin. Auf Gereon Sievernich, der 2001 Direktor des Hauses wurde und mit 70 Jahren in Rente gegangen ist, folgt die 1971 gebürtige Münchnerin Stephanie Rosenthal. In einem Pressegespräch erläuterte die neue Direktorin, wie sie sich die nächste Zukunft des Hauses vorstellt. Sie sei in der seltenen Lage, eine bereits gut funktionierende Einrichtung zu übernehmen, die aber eine Veränderung braucht. Dies fasst sie mit den Worten Offenheit und Internationalisierung zusammen. Wohl aus letzterem Grunde wurde aus dem „Martin-Gropius-Bau“ der „Gropius Bau“ – ohne Bindestrich.

Die Themen: Archäologie bis zum Zeitgenössischen

Das Haus wurde 1881 als Kunstgewerbemuseum und -schule eröffnet. Der Entwurf von Martin Gropius – Großonkel des Bauhaus-Gründers Walter Gropius – in enger Zusammenarbeit mit Heino Schmieden lehnt sich an die Grundprinzipien des preußischen Architekten Karl Friedrich Schinkel im Stil der italienischen Renaissance an. Es war die „Gründerzeit“, eine Zeit des Aufbruchs, die Theodor Fontane mit den Spruch „Seit wir Kaiser und Reich sind“ charakterisierte. Die erste Ausstellung, die im Martin-Gropius-Bau stattfand, war „Der Schatz des Priamos“, den Heinrich Schliemann in Troja entdeckt hatte. Obwohl „das Gold von Troja“ ursprünglich hier ständig ausgestellt werden sollte, übersiedelte Schliemann ihn 1885 in die prähistorische Abteilung des Museums für Völkerkunde. Im „DNA des Gebäudes“, so Stephanie Rosenthal, sei seine bewegte Geschichte abgebildet. Neben dem Bau befanden sich von 1933 bis 1945 das Geheime Staatspolizeiamt mit eigenem „Hausgefängnis”, die Reichsführung-SS, der Sicherheitsdienst (SD) der SS und während des Zweiten Weltkriegs auch das Reichssicherheitshauptamt. Bis 1945 beherbergte der Bau neben Kunstgewerbemuseum und -schule auch das Museum für Vor- und Frühgeschichte, die Ostasiatische Kunstsammlung des Völkerkundemuseums und die Kunstbibliothek. Bei einem der letzten Bombenangriffe auf Berlin 1945 wurde das Gebäude schwer beschädigt. Als 1966 der Martin-Gropius-Bau unter Denkmalschutz gestellt wurde, stand bereits kaum ein paar Meter von ihm entfernt die Berliner Mauer, was eine Verlegung des Zugangs vom Hauptportal auf die Südseite notwendig machte, als 1981 die Einweihung nach dem Wiederaufbau erfolgte. Zehn Jahre nach dem Mauerfall konnte der Haupteingang an der Niederkirchnerstraße wieder geöffnet werden.

Für Stephanie Rosenthal erlaubt gerade die Raumanordnung und der zentrale Lichthof, „unterschiedliche Ausstellungsformate zu erforschen“. Bei den acht bis zehn Ausstellungen pro Jahr, die im Gropius Bau stattfinden, sollen laut Rosenthal die sich aus dessen „DNA“ entwickelnden „Programmlinien“ prägend sein: Sie umfassen sowohl die Archäologie als auch das Zeitgenössische. Seit dem 29. März wird die Ausstellung „ISM Hexadome“ präsentiert (bis zum 22. April). Für die „immersive Ausstellung“ sind neun Installationen und Performances internationaler Klang- und Videokünstler entwickelt worden.

„Suche nach Verwurzelung und Zugehörigkeit“

Vom 20. April bis 22. Juli ist die Ausstellung „Covered in Time and History: Die Filme von Ana Mendieta“ zu sehen. Mendieta wurde als Tochter einer politisch engagierten Familie in Kuba in jungen Jahren in die Vereinigten Staaten geschickt. Obwohl ihre Werke in den 1970er und 1980er Jahren entstanden, besitzen sie vor dem Hintergrund gegenwärtiger Migrationsströme eine neue Aktualität. Mendietas Werk stelle „eine Auseinandersetzung mit der fortdauernden Suche nach Verwurzelung und dem Gefühl von Zugehörigkeit“ dar, so Rosenthal. Zur anderen „Programmlinie“ gehört die Ausstellung „Bewegte Zeiten. Archäologie in Deutschland“, die vom 21. September 2018 bis 6. Januar 2019 im Gropius Bau stattfinden wird. Mit Neufunden aus den letzten zwanzig Jahren soll die Ausstellung ein Netzwerk kultureller Interaktion in Europa seit frühester Zeit in vier großen Themenfeldern: Mobilität, Konflikt, Austausch und Innovation zeigen.

Mit ihrem Programm möchte Stephanie Rosenthal „die einzigartige Geschichte und den Standort des Gebäudes“ erforschen, um einen Raum zu schaffen, „der lokale und internationale Besucher durch innovative Ausstellungsformate inspirieren kann“.

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