Die Aliens greifen die Erde wieder an

Mit „Independence Day 2: Wiederkehr“ versucht Roland Emmerich Nostalgie und neue Technik zu verbinden – Doch das Ergebnis enttäuscht. Von José García
Filmtipp: „Independence Day 2: Wiederkehr“  - Flimszene mit Jeff Goldblum und Bill Pullman
Foto: Fox | Wie vor zwanzig Jahren machen sich Wissenschaftler David Levinson (Jeff Goldblum, links) und der damalige US-Präsident Thomas Whitmore (Bill Pullman) gemeinsam daran, den erneuten Angriff der Aliens abzuwehren.

Vor zwanzig Jahre landete der schwäbische Regisseur Roland Emmerich mit „Independence Day“ (1996) einen Riesenerfolg in Hollywood. Eine Invasion aus dem All ausgerechnet kurz vor dem 4. Juli, an dem die Vereinigten Staaten ihren Unabhängigkeitstag feiern, bot nicht nur eine ganze Menge mit Humor gespickter Action, sondern auch einen Gutteil US-Patriotismus. Der Film spielte bei Produktionskosten von 75 Millionen Dollar mehr als 817 Millionen ein, davon 511 Millionen außerhalb der Vereinigten Staaten. Zwanzig Jahre später liefert Emmerich mit „Independence Day 2: Wiederkehr“ („Independence Day 2: Resurgence”) eine Fortsetzung des Invasionsspektakels. Dass auch in der Handlungszeit genau zwei Jahrzehnte vergangen sind, wird in der ersten halben Stunden des neuen „Independence Day“-Films mindestens ein Dutzend Mal wiederholt, damit es auch der letzte Zuschauer kapiert.

In eben dieser ersten halben Stunde werden die alten und neuen Helden eingeführt. Der inzwischen leicht demente, damalige US-Präsident Thomas Whitmore (Bill Pullman) wird von dunklen Vorahnungen heimgesucht, dass die Aliens zurückkommen könnten. Wissenschaftler David Levinson (Jeff Goldblum) untersucht derweil in Afrika die Überreste eines Alien-Raumschiffes, um Näheres über sie zu erfahren. Dazu kommen noch weitere Figuren aus dem Vorgängerfilm, etwa Julius Levinson (Judd Hirsch), der Vater des Wissenschaftlers. Nur der große Held aus dem Jahre 1996, Captain Steven „Steve“ Hiller (Will Smith), ist diesmal nicht dabei. Offensichtlich für tot erklärt, hängt sein Porträt im Weißen Haus, wo „Madam President“ Landford (Sela Ward) Hillers Stiefsohn Dylan Dubrow-Hiller (Jessie Usher) empfängt. Mit ihm verbinden Roland Emmerich und seine vier Mit-Drehbuchautoren einen menschlichen Konflikt: Dylan hat sich mit seinem ehemals besten Freund Jake Morrison (Liam Hemsworth) überworfen, der mit der Tochter des ehemaligen Präsidenten Patricia Whitmore (Maika Monroe) verlobt ist.

Dieser Pilot Jake Morrison übernimmt eigentlich die Rolle, die Will Smith im Vorgängerfilm spielte. Anhand dieser Figur führen die Filmemacher denn auch die Neuerungen ein, die seit 1996 in der „Independence Day-Welt“ stattgefunden haben. Laut einer Schrifttafel wurden seit 1996 keine Kriege mehr auf der Erde geführt. Stattdessen haben die vereinten Erdbewohner unter der Führung der Vereinigten Staaten – wie könnte es in einem US-amerikanischen Film anders sein? – eine gemeinsame Strategie mit Frühwarnsystem und Abwehrsatelliten aufgebaut. Zum Abwehrsystem gehört eben auch eine hochtechnisierte Basis auf dem Mond, in der Jake Morrison als Pilot Dienst tut.

Bald wird er deren Abwehrkraft messen können. Denn ausgerechnet am 20. Jahrestag des Sieges über die Aliens steht der Angriff durch ein noch viel größeres Raumschiff als im ersten „Independence Day“-Film ins Haus. Die alten und neuen Filmfiguren, zu denen etwa auch Psychologin Catherine Marceau (Charlotte Gainsbourg) gehört, die die Sprache der Aliens teilweise entziffert hat, versuchen aus unterschiedlichen Perspektiven, Mittel und Wege zu finden, um den Angriff abzuwehren und die wie eine Mischung aus Kraken und Insekten aussehenden Außerirdischen zu besiegen.

Dramaturgisch bedeutet dies aber, dass die zahlreichen Figuren jeweils im Mittelpunkt der verschiedenen Handlungsstränge von „Independence Day 2: Wiederkehr“ stehen. Spannung erzeugt Regisseur Roland Emmerich insbesondere dadurch, dass der Film sehr schnell von einem zum nächsten Handlungsstrang springt, wobei immer wieder „Cliffhanger“ eingesetzt werden: Die jeweilige Handlung bricht in einem besonders spannenden Augenblick ab, um sich einem anderen Handlungsstrang zuzuwenden. Der Nachteil: Dem Betrachter bietet er kaum einen Charakter, für den er sich besonders interessieren könnte.

Durch die aus dem ersten „Independence Day“-Film bekannten Figuren stellt sich in der Fortsetzung eine gewisse Nostalgie ein, die auch durch andere Elemente unterstrichen wird. Beispielsweise wird ein Fliegerangriff genauso inszeniert wie die Flugattacke auf den „Todesstern“ in „Krieg der Sterne“ („Star Wars IV: Eine neue Hoffnung“, George Lucas, 1977). Dennoch verknüpft „Independence Day 2: Wiederkehr“ Altbekanntes mit raffinierter Tricktechnik, die sich nicht nur in der Zerstörung bekannter Städte, sondern etwa auch in den Alien-Raumschiffen oder auch in der Mondstation manifestiert. Für den Humor sorgt etwa der Zivilist, der eher zufällig in die Kampfhandlungen verwickelt wird, oder auch Julius Levinson mit seiner Autorenlesung vor einem eingeschlafenen Seniorenpublikum. Allerdings zünden nicht alle Witze etwa des Wissenschaftlers Brakish Okun.

Trotz der visuellen Kraft einiger Bilder, die aber nichts wirklich Neues, auf der Kinoleinwand noch nie Gesehenes bieten, trotz der interessanten Vater-Tochter- sowie Vater-Sohn-Beziehung, überzeugt „Independence Day 2: Wiederkehr“ kaum. Das mag daran liegen, dass die Mischung zwischen den alten Charakteren aus dem Vorgängerfilm und den neuen Figuren eigentlich nicht gelingt. Es liegt aber größtenteils darin, dass die Vielzahl an Handlungssträngen lediglich eine unausgegorene Geschichte ergibt. Wohl weil einfach zu viele Drehbuchautoren an der Story gearbeitet haben, gibt es keine einheitliche Erzählung. Die – an sich ohnehin dünne – Handlung verliert sich in ihren Nebensträngen, ohne eine wirklich emotionale Kraft zu entwickeln. Obwohl Emmerichs Film durchaus unterhaltsam ist, verschenkt er einfach sein Potenzial.

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