Jüdische Geschichte

Der Stillstand wird auf jeden Fall teuer

Vertrag gekündigt: Schwerer Rückschlag für das Jüdische Museum in Köln.
Neubau "Museum im Quartier" in Köln
Foto: Oliver Berg (dpa) | Ein Kran hievt eine Dach-Pyramide aus Stahl auf den Neubau des Jüdischen Museums. Wenn alles nach Plan gegangen wäre, hätte es schon 2021 eröffnet sein sollen.

Köln als Karrierestation?“, lautet einer der plakativen Hinweise auf dem ebenso informativ wie bildlich ansprechend gestalteten Bauzaun in der Kölner Innenstadt. Dahinter verbirgt sich ein seit 2015 wachsendes und weit über die Rheinmetropole hinaus beachtetes Vorhaben: die Errichtung eines jüdischen Museums genau über jenem Areal, an dem sich nachweislich erstmals vor 1700 Jahren die älteste jüdische Gemeinde nördlich der Alpen befand (DT berichtete). Doch für das „MiQua“ genannte „LVR – Jüdisches Museum im Archäologischen Quartier“, zu dem auch eine weitläufig begehbare unterirdische archäologische Zone mit Relikten aus 2 000 Jahren Stadtgeschichte gehören wird, hat einen schweren Rückschlag erhalten. Wieder einmal.

Der Landschaftsverband Rheinland (LVR) als künftiger Betreiber des Museums
will sich nicht zu den Vorgängen äußern
und erklärte auf Nachfrage der DT lediglich: ‚Das ist eine Angelegenheit der Bauherrin‘“

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Denn einen Tag nach Weihnachten verbreitete die Stadt Köln unter dem Titel „Stadt Köln muss sich von Stahlbauunternehmen trennen“ eine Pressemitteilung, die es in sich hat. Die Stadt Köln als Bauherrin des Museumsvorhabens sieht sich zu „neuerlichem Eingreifen“ gezwungen und mache von ihrem Kündigungsrecht Gebrauch. Die Vorwürfe wiegen schwer: stetige Unzuverlässigkeit, maßlos überzogene Nachforderungen, unlauteres Verhalten, maßlose Forderungen des Unternehmens nach finanziellen und terminlichen Zugeständnissen. „Sein nachhaltig grob vertragswidriges Verhalten machte der Stadt Köln ein Festhalten am Vertrag unzumutbar, sodass die jetzt ausgesprochene außerordentliche Kündigung des Vertrags alternativlos war.“

Die Stadt betont, dass mit dieser Entscheidung „finanzieller Schaden von der Stadt Köln und allen Steuerzahlerinnen und -zahlern abgewendet“ werde. Bei vielen mit den Vorgängen vertrauten Personen störte die Nachricht von der Kündigung die besinnliche und friedvolle Stimmung der Weihnachtszeit empfindlich. Man habe zwar von Schwierigkeiten gewusst, sei aber von der Kündigung sehr unangenehm überrascht, zumal es noch im März 2020 zu einem Kompromiss zwischen Stadt und Unternehmen gekommen sei, äußert ein auf Anonymität bedachter Förderer des Projekts gegenüber der DT.

In der Begründung: die üblichen Probleme öffentlicher Planungen

 

Mit der Kündigung droht dem Museum eine erneute Verschiebung des zuletzt für das Jahr 2025 avisierten Eröffnungstermins. Denn das Gewerk Stahlbau ist eines der drei Schlüsselgewerke, an dem beispielsweise die ohnehin schon sehr eng gefassten Terminvorgaben für fünf weitere Gewerke hängen. 18 Firmen sind betroffen; und die Ausschreibungen für weitere Auftragnehmer können nicht erfolgen, solange keine Terminsicherheit gewährleistet ist. Die Beauftragung eines anderen Unternehmens für den Stahlbau erfordert gemäß der gesetzlichen Regelwerke eine zeitintensive Ausschreibung. Es ist offenkundig, dass der Termin 2025 kaum zu halten sein wird.

Zudem hat das gekündigte Stahlbau-Unternehmen bereits deutlich gemacht, sich gegen die Kündigung zu wehren und Klage zu erheben. Dies würde wiederum ein langwieriges Gerichtsverfahren nach sich ziehen. Die Folge: monatelanger Stillstand auf der seit 2015 bestehenden Baustelle einerseits, weitere Kostensteigerungen andererseits. Aktuell werden die Baukosten mit 127 Millionen Euro ausgewiesen. Ursprünglich waren knapp 50 Millionen Euro veranschlagt. Bereits zweimal musste die Fertigstellung und Inbetriebnahme verschoben werden. Gründe dafür waren Kampfmittelfunde im Baugrund, Anpassungen an die Sicherheit sowie Verzögerungen im Rohbau. Außerdem haben immer wieder neue archäologische Funde den Baufortschritt gehemmt.

Es war - leider - erwartbar, die Folgen sind aber nicht absehbar

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Nebenbei bemerkt, stellt sich zudem eine weitere Frage: Werden nach einem langen Stillstand bei einer Wiederaufnahme der Bauarbeiten die bereits zwei von vier errichteten Stahlbau-Abschnitte dann überhaupt noch tragfähig sein? Diese Frage könnte einer der Aspekte eines möglichen Mediationsverfahrens sein. Der Landschaftsverband Rheinland (LVR) als künftiger Betreiber des Museums will sich nicht zu den Vorgängen äußern und erklärte auf Nachfrage der DT lediglich: „Das ist eine Angelegenheit der Bauherrin.“

Der zuständige Baudezernent vermied es bei einer Ausschusssitzung des Rats der Stadt, einen genauen Zeitraum zu quantifizieren. Er rechtfertigte das Verhalten der Stadt und ergänzte, dass allen durchaus bewusst sei, dass es nun „bei diesem Projekt einen absoluten Zeitverzug geben wird“.

Das Desaster sollte ein „Leuchtturmprojekt“ sein

Dabei handelt es sich bei diesem Projekt, das eigentlich als einer der Leuchttürme im vergangenen Jahr unter den vielen Veranstaltungen und Orten anlässlich des Festjahres „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ herausragen sollte, um ein wirklich herausragendes Vorhaben. Mit der „Stadt unter der Stadt“ ist auf und unter dem Kölner Rathausplatz und nur wenige Meter vom Dom entfernt jener Bereich gemeint, in dem Menschen seit zwei Jahrtausenden miteinander gelebt, gehandelt, gearbeitet, aber auch gegeneinander gekämpft und sich ausgegrenzt haben.

Neben den Architekturfunden und teils beeindruckend gut erhaltenen Relikten und Bauten aus römischer Zeit sind es die Bauten und Funde des aus dem im Mittelalter hier beheimateten jüdischen Viertels, die das Quartier zu einem der bedeutendsten archäologischen Orte in Köln und im Rheinland machen, dessen Freilegung und Erhaltung weit darüber hinaus mit großem Interesse verfolgt wird. Der grafisch so anschaulich und unterhaltsam gestaltete Bauzaun gibt einen viel versprechenden Ausblick, um diesen Ort mit seiner langen Geschichte zu betrachten, daraus zu lernen und nach vorne zu schauen. Nur wann?

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