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Das Schweigen ist das Schlimmste

Es wird Zeit, zu reden: Suizid ist ein Thema, das in der Gesellschaft oft verschwiegen wird. Menschen, die sich mit Suizidgedanken tragen, finden oft keine Ansprechpartner oder vielen Menschen fehlt die Sensibilität, die besondere Notlage des Gegenübers zu erkennen.
Aktion gegen Suizid
Foto: Jörg Carstensen (dpa) | Junge Menschen lassen sich am Welttag der Suizidprävention (10. September) vor dem Brandenburger Tor in Berlin zu Boden fallen.

Vor wenigen Wochen nahm sich ein Mädchen aus der Schule meines Sohnes das Leben. Sie war 14. Die Luftballons, Blumen und Kerzen ihrer Klassenkameraden schmücken die Stellen an der Autobahnbrücke, von der sie sich stürzte. Seit es Menschen gibt, gibt es wohl auch den Suizid. Bereits die ältesten Heldenepen berichten davon. Dass aber so junge Menschen und sogar Kinder mit dem Selbstmord flirten oder ihn ausführen, kann nicht anderes als Entsetzen verbreiten. Die Zahlen sind wohl noch nicht final, doch die Annahme ist begründet, dass Suizidalität gerade bei Jüngeren während der Corona-Lockdowns signifikant gestiegen ist.

„Sehr vielen sieht man es nicht an und die meisten sprechen nicht darüber.
Ein Großteil der Zuschriften, die mich erreichten,
enthielten Dank, dass über das Thema gesprochen wird“

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Doch auch völlig unabhängig von der Coronapolitik ist das Thema viel präsenter als man vielleicht denkt. Für ein Video darüber begann ich mit der Suche nach persönlichen Berichten. Auf meine Nachfrage auf Instagram hin bekam ich buchstäblich hunderte von Zuschriften, darunter extrem bewegende. Es gibt viel mehr Menschen, die Selbstmordgedanken haben, als man meint. Sehr vielen sieht man es nicht an und die meisten sprechen nicht darüber. Ein Großteil der Zuschriften, die mich erreichten, enthielten Dank, dass über das Thema gesprochen wird. Denn das Schweigen ist das Schlimmste.

Mein persönliches und noch vorläufiges Fazit: wir sollten Menschen bewusster und häufiger fragen, wie es ihnen auf seelischer Ebene geht. Andeutungen von Verzweiflung und Todessehnsucht sehr ernst nehmen. Sie ermutigen, kompetente Hilfe zu suchen. Außerdem: für sie beten und bleibend für sie da sein. Denn Todesgedanken sind nicht vom Guten und können sich wie eine böse Wolke um den menschlichen Geist legen. Emotionale und psychische Gesundheit bei anderen und bei uns selbst überaus ernst nehmen. Nicht nur unser Körper, sondern auch das seelische Leben brauchen Beachtung, Sorge und manchmal professionelle Hilfe.

Wir glauben an den Sieg des Lebens über den Tod

Weder ein Mensch, der mit Suizidgedanken kämpft, noch jemand, der einen nahen Menschen durch Suizid verloren hat, sollte dafür Schuldgefühle haben. Es ist verständlich, nicht mehr leben zu wollen, wenn man chronische Schmerzen an Körper oder Seele leidet. Im Letzten sind wir für keinen Menschen so letztverantwortlich, dass der von ihm gewählte Tod „auf unser Konto“ geht. Dennoch ist Suizid nichts Gutes. Er ist kein Akt der Freiheit; beendet er doch die Freiheit mit dem Leben. Thomas von Aquin bezeichnet ihn als Vergehen gegen das Liebesgebot. Die Liebe zu sich selbst verbietet es, sich selbst zu vernichten.

Die Liebe zum Mitmenschen verbietet es, ihm durch das eigene Sterben-Wollen eine Bürde von Trauer und Vorwürfen aufzubürden. Die Liebe zu Gott schließlich gebietet, das von ihm geschenkte Leben selbst da noch als gute Gabe anzunehmen, wo es voll Leiden ist. Ob uns, ob mir die Gnade geschenkt sein wird, dem Leben treu zu bleiben? Niemand von uns möge sich vorschnell davor gefeit wähnen. Die Tapferkeit dem Sein gegenüber jedenfalls ist ein manchmal sogar heroischer Akt. Als Christen sind wir Ostermenschen. Solche, die an den Sieg des Lebens über den Tod glauben, solche, die ihre Hoffnung auf den Sieger gesetzt haben.


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