Höhepunkte der Filmgeschichte

„Das Gewand“ - Filmklassiker für Christen

„Das Gewand“ (1953) von Henry Koster – Teil 2 der Serie Höhepunkte der Filmgeschichte. Von José García
Filmszene aus „Das Gewand“
Foto: IN | Nachdem er Christ geworden ist, offenbart sich der Militärtribun Marcellus Gallio (Richard Burton) Diana (Jean Simmons). Aus Liebe folgt sie ihm in den Tod, nachdem der neue Kaiser Caligula Marcellus verurteilt hat.

Monumentale Bibelverfilmungen waren in den fünfziger und sechziger Jahren ein beliebtes Filmgenre. Zusammen mit „Quo Vadis?“ (Mervyn LeRoy, 1951) ist „Das Gewand“ des deutsch-amerikanischen Regisseurs Henry Koster wohl einer der bekanntesten Bibelfilme aus den beginnenden 1950er Jahren.

Mit den Augen eines skeptischen Römers gesehen

Koster folgt einem Ansatz, den viele Jahre später die Filmemacher von „Auferstanden“ („Risen“, DT vom 26.3.2016) ebenfalls einsetzen: Er lässt Kreuzigung und Auferstehung Jesu durch die Augen eines skeptischen Römers betrachten. In „Das Gewand“ handelt es sich dabei um den Militärtribun Marcellus Gallio (Richard Burton), der im Jahre 33 aus persönlichen Rivalitätsgründen vom späteren Kaiser Caligula nach Palästina verbannt wird. Zusammen mit seinem Sklaven, dem Griechen Demetrius (Victor Mature) trifft er in Jerusalem auf Jesus, der ihn sehr beeindruckt.

Als Pontius Pilatus den Militärtribun mit der Hinrichtung von Jesus und zwei anderen Männern beauftragt, ignoriert Marcellus die eindringlichen Bitten Demetrius', der inzwischen ein Anhänger des Galiläers geworden ist, den Propheten zu verschonen. Beim Würfelspiel gewinnt der Tribun nach der Kreuzigung die einzige Habe Jesu am Mittelkreuz – dessen Gewand. Während er Jesu Sterbeworte hört, bringen Marcellus Angst und Schuldgefühle fast um den Verstand. Als er Demetrius befiehlt, ihn mit dem Gewand vor einem aufkommenden Sturm zu schützen, verfällt der Militärtribun bei der Berührung des Gewandes in eine Art Todeskampf, denn er glaubt, das Gewand sei verhext.

Demetrius entwendet seinem ehemaligen Herrn, von dem er flüchtet, das Gewand. Von Visionen und Albträumen geplagt, fährt Marcellus nach Capri zum Kaiser Tiberius. Am Hof wird er für wahnsinnig gehalten. In der Hoffnung, das „verhexte“ Gewand ausfindig zu machen und sich damit heilen zu können, bittet er Tiberius, nach Judäa zurückreisen zu dürfen. Marcellus hat sich außerdem vorgenommen, mehr über jene Person herausfinden, die er gekreuzigt hat, und dem Kaiser Bericht über frühe Christengemeinden zu erstatten. In Jerusalem findet er nicht nur Demetrius und das Gewand. Er lernt darüber hinaus auch Petrus (Michael Rennie) kennen. Im Christentum, dem er sich anschließt, findet Marcellus Gallio endlich Vergebung. Nach seiner Rückkehr nach Rom offenbart er sich Diana (Jean Simmons), die sich aus Liebe ihm anschließt und freiwillig dem durch den neuen Kaiser Caligula verurteilten Marcellus in den Tod folgt. Das Gewand lassen sie vorher zu Demetrius schicken.

Der 1905 in Berlin geborene Regisseur Henry Koster feierte mit seinem Film einen weltweiten Erfolg, der auch bei Kritikern Zuspruch fand. „Das Gewand“ war der erste abendfüllende Spielfilm im Cinemascope-Format. Hauptdarsteller Richard Burton erhielt für die Darstellung des Marcellus Gallio eine Oscarnominierung als Bester Hauptdarsteller. „Das Gewand“ gewann einen Golden Globe für den Besten Film sowie zwei Oscars in den Kategorien Kostüm und Szenenbild.

Für die Darstellung Jesu folgte Henry Koster der Tradition, nach der die Person Jesu im Film nicht darstellbar sei. Deshalb wird er entweder in der Rückenansicht gezeigt, oder es sind nur seine Füße sichtbar. Mit dieser Tradition wurde erst in den 1960er Jahren gebrochen, etwa in Nicholas Rays „König der Könige“ („King of Kings“, 1961), dem ersten Farb- und Tonfilm über das Leben Jesu, in Pier Paolo Pasolinis „Das 1. Evangelium – Matthäus“ („Il Vangelo secondo Matteo“, 1964) sowie etwas später in Franco Zeffirellis „Jesus von Nazareth“ („Gesu di Nazareth“, 1977), die dann Jesu Gesicht zeigen.

„Das Gewand“ („The Robe“), USA 1953, Regie: Henry Koster, 135 Min., EAN: 4-01023206-327-4, EUR 8,99

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen. Kostenlos erhalten Sie die aktuelle Ausgabe

Themen & Autoren
Christen Gaius Caesar Augustus Germanicus Jesus Christus Kaiser Tiberius Marcellus Pier Paolo Pasolini

Weitere Artikel

Der homogenisierenden Macht der Algorithmen widerstehen: Kardinal Matteo Maria Zuppi von Bologna hielt das Schlüsselreferat beim diesjährigen „Meeting“ von „Comunione e Liberazione“ in Rimini.
28.08.2022, 09 Uhr
Guido Horst

Kirche

Kiew diskutiert ein Verbot der mit Moskau verbundenen Orthodoxie in der Ukraine. Ein gezieltes Vorgehen gegen Kollaborateure in ihren Reihen wäre dem Rechtsstaat angemessener.
09.12.2022, 19 Uhr
Stephan Baier
Bernardo Silvestrelli war von 1878 bis 1907 Generaloberer der Kongregation vom Leiden Jesu Christi.
09.12.2022, 05 Uhr
Claudia Kock