Erlangen

Komplexe Quellenlage im arianischen Streit

Der arianische Streit gilt als einer der folgenreichsten theologischen Dispute der Antike. Im Gespräch mit der Tagespost erläutert die Forscherin Annette von Stockhausen, was die Quellenarbeit erschwert.
Arianischer Streit
Foto: Marcus Simaitis (dpa) | Ein Besucher schaut sich den Brief des Paulus an die Römer im Diözesanmuseum Paderborn (Nordrhein-Westfalen) an.

Einer der folgenreichsten theologischen Dispute der Antike, der arianische Streit, wird in Deutschland bearbeitet und dokumentiert. Dass Christen im Credo bis heute Jesus als „wahren Mensch und wahren Gott“ bekennen, geht auf diese Auseinandersetzung zu Beginn des vierten Jahrhunderts zurück. Deren Gegenstand war die aus einer Debatte über die Trinität hervorgegangene Frage, ob Christus göttlich, gottähnlich, oder geschöpflich sei.

Keine Originale von spätantiken christlichen Autoren

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Die langjährige Mitarbeiterin der Forschungsprojektes der Universität Erlangen-Nürnberg, Annette von Stockhausen, Leiterin der Arbeitsstelle „Die alexandrinische und antiochenische Bibelexegese in der Spätantike“ der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften erläutert gegenüber dieser Zeitung, wie komplex sich die Quellenlage darstellt, da es nie Originale von spätantiken christlichen Autoren gebe.

Die Überlieferung des lateinischen Westens stelle mit Augustinus eine Ausnahme dar: Von ihm hätten schon Kopisten derselben Generation Texte überliefert. Im griechischen Bereich stünden in der Regel keine Dokumente aus der Zeit vor dem neunten Jahrhundert zur Verfügung. In dieser Zeit wurde die Art zu schreiben geändert und vieles daher neu abgeschrieben, wodurch die vorherige Überlieferung mehr oder weniger verloren ging. Der Forschung zugänglich sind Quellen, die in der Überlieferung immer einen Abstand von 500 bis 600 Jahren zum Autor enthalten.

"Doppelt gebrochene" Überlieferung

Wörtlich erklärt von Stockhausen: "Im Fall der Dokumente haben wir es mit einer doppelt gebrochenen Überlieferung zu tun, weil diese Dokumente nie als solche als Papyrus oder Handschrift aufgetaucht sind, sondern es sind Texte, die von anderen Autoren mit bestimmten Absichten zitiert worden sind.“

Ziel des Projektes sei es, ein Arbeitsinstrument für die weitere Forschung zu bieten. Ein Gewinn sei es aus ihrer Sicht immer, wenn Texte von mehreren Autoren überliefert worden sind, weil man dadurch eine größere Chance habe, auf die ursprüngliche Überlieferung des vierten Jahrhunderts zurückzugreifen. Im Prinzip arbeite man aber mit Hypothesen: „Die Texte, die wir veröffentlichen, sind aus verschiedenen Überlieferungen rekonstruiert, und mit Hilfe eines Variantenapparates für die Leser werden die Überlieferung und unsere Entscheidungen möglichst nachvollziehbar. Aber in der Form, in der wir sie präsentieren, liegen sie nicht überliefert vor.“  DT/reg

Lesen Sie weitere Hintergründe in der kommenden Ausgabe der Tagespost.

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Redaktion Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg Jesus Christus Religionswissenschaft Überlieferungen

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