Gesellschaft

Diskriminierungen hinterfragen

Eine Gegenstimme zur Diversität: Die Prager University untersucht den Mainstream.
Prager University untersucht den Mainstream.
Foto: Prager University | In kurzen Videoclips mit prominenten Experten behandelt die PragerU die aktuellen Fragen der Gesellschaft rund um die Themen Geschlechtervielfalt, Diversität, Gleichheit, Inklusion oder Waffenbesitz.

In der vergangenen Woche ging eine beunruhigende Nachricht durch die deutsche Presselandschaft. Die Berliner Humboldt-Universität hatte bei einer Stellenausschreibung für einen Studentenvertreter eine Formulierung verwendet, die darauf schließen ließ, „weiße“ Bewerber von vornherein nicht berücksichtigen und demnach eine Auswahl nach Hautfarbe treffen zu wollen. Im umgekehrten Fall wäre dies wohl als „Rassismus“ durchgegangen. Der nach heftiger Kritik auf Twitter abgewandelte Anzeigentext machte die Sache indes nicht besser.

Kritik an „progressiven“ Tendenzen der Gesellschaft

Nun ist – wie der Vorfall an einer deutschen Universität zeigt – die sogenannte „Critical Race Theory“, die „Kritische Rassentheorie“, der zufolge dem „Weißsein“ per se imperialistische Eigenschaften vorgeworfen werden, aus den Vereinigten Staaten in Europa und in Deutschland angekommen. Was Präsident Obama seinerzeit als „affirmative action“ – als „positive Diskriminierung“ – eingeführt hatte, soll nun auch hierzulande in Bezug auf eine unterschiedliche Bewertung von Hautfarben Anwendung finden.

Nicht der linken Propaganda überlassen

Allerdings regt sich in den Vereinigten Staaten nicht nur defensive Kritik gegenüber „progressiven“ Tendenzen in der Gesellschaft. Verschiedene Initiativen sind zur Aktion übergegangen und wollen Schulen und Universitäten linker Propaganda und gesellschaftsverändernden Bestrebungen nicht kampflos überlassen. Ein rühriges und jetzt schon erfolgreiches Beispiel für den Versuch, auch anderen als progressiven Stimmen sowie einer Darlegung konservativer Sichtweisen zu relevanten Themen ein Podium zu bieten, ist die „Prager University“ – abgekürzt PragerU –, eine Online-Plattform, deren Beliebtheit aufhorchen lässt. Mit ihren bereits 5,5 Milliarden Klicks, die sich tagtäglich um weitere drei Millionen erhöhen, ist sie der Stachel im Fleisch der „GAFAM“-Akteure – GAFAM ist das Akronym für die großen US-amerikanischen Technikunternehmen Google, Amazon, Facebook, Apple und Microsoft –, die alles dafür tun, Inhalte der Prager University zu zensieren. Gegründet wurde die Non-Profit-Organisation explizit als konservatives Gegenprogramm zu dem, was jungen Amerikanern derzeit in Schule und Universität an Ideologie – unter dem Stichwort „diversity, equity and inclusion“ – geboten wird.

Unterricht in kurzen Videoclips

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Durch die „kreative Nutzung digitaler Medien“ will man aufklären über aktuelle Themen und Bewusstsein schaffen für konservative Werte. Ins Leben gerufen wurde die Prager University im Jahr 2009 von Radiotalkmaster Dennis Prager und Drehbuchautor Allen Estrin. Ihr Ziel: die vom amerikanischen Universitätssystem verursachten ideologischen Schäden wieder rückgängig zu machen. Jeder der etwa fünfminütigen Videoclips, der auf der Webseite der PragerU kostenlos abrufbar ist, behandelt auf auch für Kinder und Jugendliche anziehende Weise ein Thema, das von Fachleuten auf ihrem jeweiligen Gebiet mithilfe von kurzweiligen Animationen erläutert wird. Dabei kommen ebenso Experten von der Harvard-Universität oder vom Massachusetts Institute for Technology (MIT) wie auch ein ehemaliger Premierminister oder auch renommierte Journalisten zu Wort.

So etwa erzählt die in den USA bekannte Politik-Kommentatorin Candace Owens eine „Kurze Geschichte der Sklaverei“, der Psychologe Jordan Peterson stellt sich der Frage „Wer unterrichtet Ihre Kinder?“, die Islamkritikerin somalischer Herkunft, Ayaan Hirsi Ali, fragt „Warum kämpfen Feministen nicht für muslimische Frauen?“ und – in einem anderen Clip – „Ist der Islam eine Religion des Friedens?“, der schwarze Schauspieler Siaka Massaquoi erläutert den „New Age Rassismus in Hollywood“ und die Psychoanalytikerin Erica Komisar legt dar, „Warum sogar Atheisten ihre Kinder über Gott unterrichten sollten“.

Wissensvermittlung in kurzen Clips

Kann man gesellschaftliche, politische, historische, religiöse, ja sogar philosophische Themen in so kurzen Videosequenzen abhandeln? Und warum dauern die Clips überhaupt fünf Minuten? „Drei Minuten sind zu kurz, um ein Thema zu vermitteln. Sieben Minuten sind zu lang. Fünf Minuten sind ein guter Mittelwert“, meint Mitbegründer Allen Estrin. Und natürlich können diese Häppchen nur einen ersten Appetit stillen und keine umfassende Abhandlung einer komplexen Fragestellung bieten. Aber sie regen an, sich mit dem Gegenstand tiefergehend zu befassen. Hilfreich dafür ist auch der jedem Video beigefügte Menüpunkt „Facts and Sources“, also „Fakten und Quellen“, bei dem auf einschlägige Studien und weiterführende Lektüre zu dem jeweiligen Thema verwiesen wird.

Kritik durch Vertreter gesellschaftlicher Gleichheit

Dies alles bleibt nicht ohne Resonanz, auch bei linken Medien. So kritisiert die „Los Angeles Times“, „Die Prager University ist keine echte Universität, sie hat keinen Campus“, und vermutet dahinter eine „Kampagne zur Indoktrinierung junger Menschen“. Doch die Organisation verteidigt sich und fragt, wie man es wohl anstelle, innerhalb von fünf Minuten Menschen zu indoktrinieren? Es handle sich bei ihr vielmehr – wie sie auf ihrer Webseite klarstellt, „um einen Ort, an dem man frei lernen kann“. Dennoch ist die Prager University auf den sozialen Netzwerken von Zensur und Restriktionen bedroht, aber auch von Manipulation und Sabotage. Im vergangenen Mai hat die Plattform JW Player, die die Videos der digitalen Universität beherbergt hatte, ihren Vertrag aufgekündigt - auf Druck von NewsGuard, einem amerikanischen Unternehmen, das in Verbindung mit der von Bill Gates gegründeten Firma Microsoft steht und als selbst ernannter Medienwächter agiert.

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