Hochschulwesen

„Brücke zwischen technischem Spezialwissen und Management“

Die IESE Business School will Führungskräfte ausbilden, denen man die Zukunft von Wirtschaft und Gesellschaft anvertrauen kann. Die Tagespost im Gespräch mit dem Campusleiter Professor Franz Heukamp.
Franz Heukamp, Dekan des Münchner Campus der IESE
| Franz Heukamp, Dekan des Münchner Campus der IESE, unterstreicht, dass der Mensch im Mittelpunkt des Unternehmens stehen soll.

Jedes Jahr befasst sich die „Financial Times“ mit der Frage, aus welchen Kaderschmieden die Führungskräfte für morgen kommen. Kürzlich erschienen die „Top Ten“ des Jahres 2021. Auf Platz vier der Bestenliste der europäischen Wirtschaftshochschulen steht in diesem Jahr die IESE Business School in Barcelona, deren Träger die Opus-Dei-Universität Navarra ist. Sie hat einen Campus in München. Ein Gespräch mit dem Münchner Dean Professor Franz Heukamp.

Herr Professor Heukamp, Sie leiten den deutschen Campus der IESE Business School in München. Worauf legen Sie Wert?

Wir bieten eine breite Vielfalt von Programmen an, die sich an Führungskräfte in verschiedenen Stadien ihrer Laufbahn richten, von Hochschulabsolventen bis hin zu leitenden Vorstandsmitgliedern.

Eines haben alle Programme gemeinsam, eine tiefgreifende Erfahrung. Wir legen Wert auf kleine Gruppen und Fallstudiendiskussionen, auf das Big Picture durch unterschiedliche Sichtweisen, die einen immer wieder aus Neue herausfordern. IESE weitet den Blick, öffnet die Augen für neue Perspektiven und Arbeitsweisen. IESE will Führungskräfte ausbilden, denen wir die Zukunft von Wirtschaft und Gesellschaft anvertrauen können. Unsere Programme sind an drei Managementleitlinien ausgerichtet: die Entwicklung eines Global Mindset, eines globalen Bewusstseins, verbunden mit einem General-Management-Ansatz, der an die Verantwortung der Führungskräfte appelliert. Und eine Vision, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt. Wir glauben, dass Unternehmen vor allem Gemeinschaften von Menschen sind, die am besten in einer Atmosphäre von Respekt und Vertrauen arbeiten.

Inwieweit prägen die christlichen Wurzeln der Hochschule den Standort?

Wir arbeiten vor dem Hintergrund des christlichen Menschenbildes. Wir wollen Führungskräfte ausbilden, die den Anspruch an sich selbst haben, durch die Kombination aus fachlicher Exzellenz, Integrität und dem Willen, anderen Menschen wirklich zu helfen, einen positiven und tiefgreifenden Einfluss auf Menschen, Unternehmen und die Gesellschaft auszuüben.

Wie würden Sie das Alleinstellungsmerkmal der Schule beschreiben?

Zu lehren, wie gesellschaftliche Verantwortung und ethisches Handeln im Unternehmen gelebt werden kann, ist ein Alleinstellungsmerkmal der IESE Business School. IESE geht es nicht nur um den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens, es geht darum, wie der Erfolg erzielt wird. Wie wirken sich meine unternehmerischen Entscheidungen auf Mitarbeiter, Gesellschaft und Umwelt aus? Denken Manager diese Dimension mit, machen sie die Welt ein bisschen besser.

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Mit 1 500 Studierenden ist die IESE eine der überschaubareren Hochschulen auf der Bestenliste. Was ist attraktiv am Studienort München?

München ist ein europäisches Wirtschaftszentrum mit einer langen Tradition in Technologie und Innovation und hat eine günstige Lage im Herzen Mitteleuropas. Die Stadt ist eben ein nahezu perfektes Umfeld für hochwertige Managementausbildung. Außerdem ist das wissenschafts- und forschungspolitische Umfeld in München sehr vielfältig, hier sind die Exzellenzuniversitäten LMU und TUM, die Max-Planck-Gesellschaft und die Fraunhofer-Gesellschaft. In den Attraktivitätsrankings liegt München immer sehr weit vorne. München ist der Standort verschiedener DAX Unternehmen und so genannter Hidden Champions aus Mittelstand und Start-Up-Szene. Wir waren der Meinung, dazu etwas Einzigartiges beitragen zu können. IESEs Expertise besteht darin, zu helfen, die Brücke zwischen technischem Spezialwissen und Management-Knowhow zu schlagen.

Wie nützlich sind Auslandsstudien? Oder kann man in Zeiten der dualen Studiengänge stattdessen nicht besser gleich im Ausland arbeiten gehen?

Ob ein Auslandsaufenthalt sinnvoll ist, hängt von den Zielen ab, die man persönlich mit einem Studium im Ausland verbindet. Bei IESE ermutigen wir alle unsere Studierenden, eine globale Denkweise zu entwickeln. Dazu gehört viel mehr als nur eine Reise ins Ausland. Nur wer im Ausland studiert oder arbeitet, und die Kultur im Gastland erforscht, darin eintaucht, mit den Menschen interagiert und offen ist für alles Neue, wird sich persönlich weiterentwickeln. In den IESE-Programmen finden sich Menschen verschiedenster Nationalitäten und Backgrounds. Verbunden mit Auslandsaufenthalten ist es eine wirklich beeindruckende Erfahrung, zu erkennen, wie unterschiedlich man die Welt sehen kann.

Viele Studenten fürchten Praktikantenschleifen. Wie begründet ist die Sorge?

Dieses Phänomen ist eher vor dem Berufseinstieg zu finden, das betrifft IESE-Programmteilnehmer nicht. Unsere MBA-Absolventen, die im Schnitt zu den Jüngsten unserer Programmteilnehmer gehören, haben bereits eine mindestens dreijährige berufliche Erfahrung hinter sich, bevor sie sich für einen Fulltime-MBA entscheiden. Nach dem MBA haben sie so gute Karrierechancen, dass sich das Problem nicht stellt.

Welche Karrierechancen haben Ihre Absolventen?

IESE-Absolventen sind bei Recruitern auf der ganzen Welt sehr begehrt. Der Report für die Absolventen unseres MBA-Programms im Jahr 2020 zeigt beispielsweise, dass trotz des massiven Einbruchs im Recruitement durch COVID-19 innerhalb von drei Monaten nach ihrem Abschluss 87 Prozent der MBA-Klasse eine bezahlte Beschäftigung gefunden haben. Ein nennenswerter Teil der Absolventen nutzte die MBA-Erfahrung, um sich in ihrer Karriere grundlegend neu zu orientieren. Ein Drittel des Jahrgangs vollzog gleichzeitig einen Wechsel der Branche, der Funktion und des Ortes. Diese Zahlen zeigen, wie wichtig ein IESE-MBA für diejenigen ist, die ihren Karriereweg neu gehen wollen. Programmteilnehmer haben bei IESE Zugang zu einem speziellen Karrierezentrum mit Expertise zu verschiedenen Branchen und Regionen.

Auf der kürzlich veröffentlichten Liste der zehn besten Wirtschaftshochschulen der Financial Times stehen die Franzosen ganz oben, die bestplatzierte deutsche Hochschule steht auf Platz 7. Warum schneidet die größte europäische Volkswirtschaft nicht besser ab?

Kein Ranking allein kann die Leistungen einer Business School vollständig erfassen. Jedes Jahr wird eine Vielzahl verschiedener Rankings veröffentlicht, die sich auf unterschiedliche Dinge konzentrieren. Anstatt sich zu sehr auf ein einzelnes Ranking zu konzentrieren, wirft man besser einen Blick darauf, wie die Schule in den wichtigsten Rankings insgesamt abschneidet. Und welche der Kriterien für einen selbst wichtig erscheinen. Das von Ihnen erwähnte aktuelle Financial Times Ranking of European Business Schools ist ein „Ranking der Rankings“ für europäische Business Schools. Es kombiniert die Ergebnisse der Schulen in fünf einzelnen Rankings der Financial Times: MBA (Master of Business Administration), Executive MBA (GEMBA), Master in Management (MiM), und Executive Education (Custom und Open). Was die relative Leistung Deutschlands angeht, kann ich nicht für andere Hochschulen sprechen. Andere europäische Länder haben eine längere Tradition im Bereich der Business Schools, da gehören wir auch mit dazu. Wir hoffen, auch in Deutschland einen positiven Beitrag zu leisten.

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