Bonn

Verantwortung für Kirche und Gesellschaft

Prof. Lothar Roos feiert sein 60-jähriges Weihejubiläum.
Prof. Lothar Roos
Foto: Bernhard Raspels | Prof. Lothar Roos

Der Freiburger Priester und Bonner Sozialethiker Prälat Professor Dr. Dr. h. c. Lothar Roos feiert sein Diamantenes Priesterjubiläum. Vor 60 Jahren hat er am 12. Juni 1960 vom Freiburger Erzbischof Hermann Schäufele die Priesterweihe empfangen. Den längsten Teil seines priesterlichen Wirkens verbringt er seit 41 Jahren jedoch im Erzbistum Köln als Professor für Christliche Soziallehre und Pastoralsoziologie an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Bonn.

Seit vielen Jahren lebt er im Theologenkonvikt des Erzbistums Köln Collegium Albertinum. Von hier aus versieht er auch nach seiner Emeritierung noch viele Aufgaben als Seelsorger, Wissenschaftler, Berater und vor allem als wacher Zeitgenosse. „Das Schönste an all meinen Einsatzstellen seit meiner Kaplanszeit in Wiesloch ist, dass ich immer wieder Menschen begegnet bin, die den Glauben an das Evangelium Jesu Christi mit mir geteilt haben und mit denen ich in nicht wenigen Fällen bis heute freundschaftlich verbunden bin“, sagt der energievolle 84-Jährige.

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Lehrer für Generationen

Zahlreiche Generationen von Priestern, Laientheologen und Religionslehrern haben in seinen lebendigen Vorlesungen und Seminaren das Rüstzeug für ihre Arbeit in Kirche und Welt erhalten. Das oft gebrauchte Wort, ein Studium müsse auch dazu verhelfen, „über den Tellerrand des eigenen Fachs herausblicken zu können“, setzt der in Moosbach am Neckar aufgewachsene Theologe für sich selbst um und gibt es an seine Studentinnen und Studenten weiter.

Dass „Seelsorge generell auch mit Verantwortung der Christen für Staat und Gesellschaft“ zu tun hat, sei ihm schon als junger Mann aufgegangen und hätte auch zu seiner Entscheidung geführt, „als Hochschullehrer das Fach Christliche Gesellschaftslehre“ zu vertreten. 
Roos hat sein Fach stets theologisch mit seinen biblischen Grundlagen der Anthropologie und des Volkes Gottes sowie in seinem historischen Kontext und mit Blick auf alle verwandten weiteren Fächern gelehrt. Er selbst fragt jedoch: „Während das Sachwissen zunimmt, vermindert sich das Orientierungswissen.“ Hier steht er in enger intellektueller Verbindung mit Papst emeritus Benedikt XVI. und dessen Zeitanalyse von „erkenntnistheoretischem Relativismus“ und „biologistischem Materialismus“ und macht sich den Grundsatz aus der Enzyklika „Deus caritas est“ zu eigen: „Die Soziallehre der Kirche argumentiert von der Vernunft und dem Naturrecht her.“ 

Enge Verbindung nach Polen

Als langjähriger Vorsitzender der Joseph-Höffner-Gesellschaft hat er es für das Erzbistum Köln übernommen, das wissenschaftliche Erbe des früheren Kölner Erzbischofs zu pflegen und weiterzuentwickeln. Daraus sind bis heute viele fremdsprachliche Übersetzungen des Standardwerks Kardinal Höffners, „Christliche Gesellschaftslehre“, entstanden, die in der Fachwelt international verbreitet sind. Im Bund katholischer Unternehmer hat er lange Jahre als Geistlicher Berater gewirkt, was ihn zu vielen wirtschaftsethischen Publikationen führte. Eng war auch seine Zusammenarbeit mit der Katholischen Sozialwissenschaftlichen Zentralstelle Mönchengladbach und deren langjährigem Leiter Professor Dr. Anton Rauscher SJ. Beide Institutionen stehen ihrerseits in der Tradition der Soziallehre, wie sie von Kardinal Joseph Höffner in den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts grundgelegt wurde.

Die Verbindung nach Polen war Roos immer wichtig. So ist er Ehrendoktor der Universität Lublin, an der schon Papst Johannes Paul II. lehrte, wie er auch nach seiner Emeritierung an der Schlesischen Universität Kattowitz als ordentlicher Professor weiter dozierte. Mit dem afrikanischen Kontinent verbinden ihn sein erster Doktorschüler Obiora Ike, der nigerianischer Menschenrechtler und Generalvikar der Diözese Enugu ist, sowie weitere Geistliche, die bei ihm für eine „missionarische Pastoral“ lernten. Für die Deutsche Bischofskonferenz hat er weltweit viele Berateraufgaben übernommen.

Primat der Evangelisierung

Als aufmerksamer Begleiter seiner Zeit wünscht er, dass sich die „katholische Kirche in Deutschland auf dem begonnenen Synodalen Weg nicht über die Themen ‚Macht‘, ‚Lebensform der Priester‘, ‚Sexualität‘ und ‚Frau in der Kirche‘ heillos zerstreitet“. Sie solle sich, wie es Papst Franziskus wünscht, „mit dem Primat der Evangelisierung“ befassen. Er hält die Entscheidung des Papstes in seinem Schreiben „Querida Amazonia“ für sehr wichtig, „an der Identität des priesterlichen Amtes, einschließlich der Lebensform der Ehelosigkeit um des Himmelsreiches willen, festzuhalten“. 

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