Rom

Umfrage zur Alten Messe: Viel Lärm um nichts

Eine Umfrage der Glaubenskongregation wird zum Anlass für Spekulationen. Der Kirchenrechtler Markus Graulich ordnet den Vorgang ein.
Naht das Ende der "alten Messe"?
Foto: KNA | Die Diskussion um die „alte Messe“ – hier eine Aufnahme mit Leo Kardinal Burke in Herzogenrath – geht weiter.

Auch 13 Jahre nach dem Motu proprio „Summorum pontificum“ reißen Diskussionen um die „außerordentliche Form“ des römischen Ritus nicht ab. Obwohl Papst Benedikt XVI. 2007 mit dem Motu proprio Frieden schaffen wollte, sind Jahre nach der allgemeinen Wiederzulassung der „alten Messe“ die Gräben tief, wie nun die Reaktionen auf die Wiederholung einer Umfrage zu den Auswirkungen des Dokumentes zeigen.

Zuletzt hatte die Kongregation für die Glaubenslehre für Aufsehen gesorgt, da sie im Auftrag des Papstes die Feier neuer Heiligenfeste in der außerordentlichen Form und weitere Präfationen in das letzte vor den Reformen erschienene Missale Romanum von 1962 erlaubte. Diese Eingriffe haben bereits für radikale Reaktionen aus den gegenüberliegenden Gräben geführt. Der italienische Liturgiewissenschaftler Andrea Grillo sah mit den Dekreten vom 25. März die ganze nachkonziliare Reform in Gefahr und forderte das totale Verbot der „Messe aller Zeiten“, während manche Anhänger der alten Liturgie eine Angleichung an die Reformen der 60er Jahre drohen sahen.

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Naht das Ende der „alten Messe?“

Nun sorgt eine Umfrage der Glaubenskongregation für Aufsehen, die wiederum auf Papst Franziskus zurückgehen soll. Ein Leak in den Vereinigten Staaten brachte ein Schreiben des Präfekten der Glaubenskongregation an die Bischöfe zum Vorschein, in dem Kardinal Luis Ladaria Ferrer SJ um die Beantwortung von neun Fragen zur Umsetzung von „Summorum pontificum“ bittet. Anhänger und Gegner der „alten Messe“ sahen nach der Meldung auf dem Blog „Rorate caeli“ gleichermaßen das Ende des Motu proprio heraufziehen. Andrea Grillo war sich sicher: Mit der Toleranz des Papstes für die „Regiden“ ist es bald vorbei, in den Blogs der „Tradis“ titelte es mitunter: „Mehr als eine Gefahr – ein Angriff“.

Der Fragebogen erhebt die Situation an den Gottesdienstorten für die „außerordentliche Form“, die Einhaltungen der in „Summorum pontificum“ erlassenen Normen und die Beeinflussung des liturgischen Lebens in der ordentlichen Form. Aber auch die private Praxis des Bischofs, ob er selbst zu den alten Büchern greift, interessiert die Kongregation. Daneben ist die Feier der Sakramente, des österlichen Triduums und die Situation in den Priesterausbildungshäusern Thema. Darüber hinaus erbittet die Kongregation von den Bischöfen einen Rat, welche Rückschlüsse aus der Erfahrung der letzten 13 Jahre zu ziehen sind.

„Hermeneutik des Verdachts“ gegen Franziskus

Damit sind für Kritiker und Befürworter der „außerordentlichen Form“ gleichermaßen neuralgische Punkte angefragt. Der Bonner Liturgiewissenschaftler Albert Gerhards bekundet gegenüber der „Tagespost“ denn auch, dass es schon eigentümlich anmute, „wenn die sonst so kirchentreuen Katholiken den Feind nun nicht mehr nur bei den bösen Theologen und den progressiven Bischöfen, sondern selbst schon in der römischen Zentrale wittern“.Der römische Kirchenrechtler Markus Graulich, der mit den Vorgängen um die Umfrage vertraut ist, sieht daher gegenüber der „Tagespost“ eine „Hermeneutik des Verdachts auf all das“ am Werk, was im Auftrag von Papst Franziskus geschähe. So sind auch Falschmeldungen im Umlauf, wie die angebliche Tatsache, die zuständige IV. Sektion der Glaubenskongregation, die sich um die Belange der „Tradis“ kümmert, sei vom Papst übergangen worden, um das Ende von „Summorum pontificum“ voranzutreiben. Graulich stellt klar: Die Sektion „war in die Vorbereitung der Fragen mit einbezogen. Etwas anderes ist auch von der Arbeitsweise der Kongregation her nicht vorstellbar.“

Gerhards weist aber auch auf die Notwendigkeit neuer Umfragen hin. So hat sich die „außerordentliche Form“ in den letzten Jahren auch weiterentwickelt, wie es – so Gerhards – aber der Intention des Dokumentes widerspräche: „Das Motu proprio hatte sich klar auf die letzte authentische Fassung der römischen Liturgie vor der Reform des Zweiten Vatikanischen Konzils festgelegt“, so Gerhards. Es sei bekannt, dass inzwischen „auch ältere Stadien, etwa die Version der Karwochenliturgie vor der Reform Papst Pius XII., verwendet werden“. Darüber hinaus seien Widersprüche zu Aussagen des Zweiten Vatikanischen Konzils „offenkundig“ geworden.

Graulich blickt optimistisch auf das Ergebnis der ausstehenden Umfrage

Ob diese Fragen auch von den Bischöfen aufgeworfen werden, wird sich zeigen. Graulich blickt optimistisch auf das Ergebnis der ausstehenden Umfrage – ganz im Sinne der „Tradis“. Denn bereits Papst Benedikt ließ drei Jahre nach Inkrafttreten des Motu proprio eine Bestandsaufnahme durchführen. Um mehr ginge es auch jetzt nicht, ist sich Graulich sicher. „Da ich die Auswertung der Rückmeldungen 2010 seinerzeit einsehen durfte, kann ich nur sagen, dass die Ergebnisse sehr positiv waren und ich vermute, dass auch diesmal die Ergebnisse positiv sein werden.“

Und der Untersekretär des Päpstlichen Rates für die Gesetzestexte sieht nicht nur die Bischöfe in der Pflicht, der Kongregation zu antworten, sondern auch die Möglichkeit der Partizipation der Gruppen, die der „alten Messe“ verbunden sind. Graulich ermuntert dazu, dass sie „den Bischöfen helfen, auf die Fragen zu antworten, indem sie ihnen die Informationen zur Verfügung stellen, die sie für die Antwort auf den Fragebogen brauchen“. Und so dürfte – wie auch Albert Gerhards gegenüber der „Tagespost“ unterstreicht – die Umfrage das synodale Element der Kirche im Sinne von Papst Franziskus herausstreichen. Welche Schlüsse der Heilige Stuhl aus den Ergebnissen ziehen wird, bleibt jedoch dahingestellt.

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