Bonn

Schlechter Start trotz guter Vorbedingungen

Die neue Generalsekretärin der DBK stellt gleich zu Anfang klar, auf welcher Seite des kirchenpolitischen Spektrums sie sich verortet. Ein Kommentar.
Digitale Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz
Foto: Sascha Steinbach (EPA Pool) | Die Theologin Beate Gilles aus dem Bistum Limburg, neue Generalsekretärin der Deutschen Bischofskonferenz, aufgenommen am Rande einer Pressekonferenz zum Auftakt der digitalen Frühjahrsvollversammlung der Deutschen ...

Der Abschied von Pater Langendörfer war lang. Zum Jahreswechsel hatte der Jesuit seine Aufgaben an zwei kommissarische Nachfolger übergeben. 25 Jahren Amtszeit werfen einen langen Schatten. Nun hat er endlich eine Nachfolgerin gefunden. Beate Gilles hat sein Amt bekommen, aber nicht seinen Titel. Aus dem Sekretär ist eine Generalsekretärin geworden, um sich internationalen, weltkirchlichen Gepflogenheiten anzugleichen. Auch das kirchliche Recht verwendet den Begriff.

Um eine Behörde zu Leiten, braucht es keine Weihe

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Mit Beate Gilles übernimmt nicht nur erstmals eine Frau diese Aufgabe. Zum ersten Mal steht in Deutschland ein Laie dem Sekretariat der Bischofskonferenz vor und führt die Geschäfte des Verbands der Diözesen Deutschlands. Das ist eine richtige Entscheidung, denn um eine Behörde zu leiten braucht es keine Weihe. Sie darf aber auch kein Hindernis sein. Es ist als Zeichen gedacht, eine Frau in diese Position zu bringen. Die Bischöfe haben zugesagt, Frauen in Leitungspositionen zu fördern. Dadurch lebt Beate Gilles nun mit der Hypothek, unter Beweis stellen zu müssen, dass „Frau sein“ nicht ihre einzige Qualifikation für das Amt ist.

Die Ausgangsposition ist gut. Die neue Generalsekretärin kommt beruflich ganz aus dem kirchlichen Milieu. Angefangen vom Studium der Theologie in Bonn, der liturgiewissenschaftlichen Promotion, über die ersten beruflichen Schritte in der kirchlichen Erwachsenenbildung bis hin zur Dezernentin für Kinder, Jugend und Familie im Bistum Limburg. Im Rahmen dieser Tätigkeit war sie allerdings weniger durch den Einsatz für Frauen und Familien aufgefallen, als vielmehr durch die Leitung einer Arbeitsgruppe für die Erarbeitung einer Segnung homosexueller Partnerschaften. Erfahrungen hat die Theologin ferner in Medienfragen, da sie im Rundfunkrat des Hessischen Rundfunks sitzt. Ehrenamtlich steht sie dem Verband IN VIA vor.

Das Amt ist kein Spaziergang

Das Amt der Generalsekretärin ist auch bei guter Ausbildung und starker Verwurzelung in der Kirche kein Spaziergang. Die DBK ist heterogen. Jeder Bischof ist in seiner Diözese allein verantwortlich. Zur Aufgabe des Sekretärs gehört es, die Kommunikation unter 27 Diözesanbischöfen aufrechtzuerhalten. Dabei haben diese Bischöfe 27 geographisch, demographisch, soziologisch und pastoral verschiedene Diözesen zu leiten und haben eigene Schwerpunkte und kirchenpolitische Ausrichtungen. Das verlangt ein Maximum an diplomatischem Geschick. Sie hat schließlich für einen geräuschlosen Betrieb der Behörde in Bonn zu sorgen.

Da verstört es ein wenig, wenn sich die neue Generalsekretärin schon bei ihrer ersten Pressekonferenz kirchenpolitisch so eindeutig positioniert, dass sie Maria 2.0 als in der Mitte der Kirche verortet und sich deren Anliegen zu eigen macht. Den Synodalen Weg möchte die neue Generalsekretärin nutzen, um „die differenzierte katholische Landschaft schnell kennenzulernen“. Dazu müsste diese Landschaft allerdings auf synodalen Wegen vertreten sein. Aufgabe der Generalsekretärin wäre es, zu moderieren und zu vermitteln, wo widerstreitende Interessen bestehen. Eine so einseitig klare Positionierung auf ihrer ersten Pressekonferenz konterkariert das Anliegen. Es ist nichts weniger als eine verpasste Chance. Dieser Beginn lässt nichts Gutes ahnen, da viele engagierte Männer und Frauen in der Kirche mit dieser Generalsekretärin wohl weder eine Ansprechpartnerin noch eine Vermittlerin finden werden.

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