Zukunft der Kirche

Schickt den Synodalen Weg nach Afrika!

Europa ist der einzige säkularisierte Erdteil. Umso mehr braucht die Kirche in Europa missionarische Dynamik statt klerikaler Chamäleonitis. Ein Blick nach Afrika könnte helfen.
Kirche in Afrika
Foto: Alessandra Tarantino (AP) | Kinder und Erwachsene jubeln bei der Ankunft des Papstes in Afrika. Die katholischen Kirche hat in Afrika und Asien einen erstaunlichen Zulauf, während sie in Europa – ungeachtet vieler Aufbrüche – nicht aus der ...

Wäre die katholische Kirche ein börsennotiertes Unternehmen, dann müssten die Aktionäre die Geschäftsstrategie der Sektion „Europa“ fundamental hinterfragen. Überall boomt das Business des Unternehmens, vielerorts unter widrigsten Bedingungen und bei härtester Konkurrenz; nur in Europa schwinden Marktanteile und Umsätze in einem existenzbedrohenden Ausmaß. Der Markenkern ist bis zur Unkenntlichkeit deformiert, dennoch raten Scharen hauptamtlicher Mitarbeiter zur weiteren Anpassung an das, womit der Markt bereits gesättigt ist, statt die Alleinstellungsmerkmale zu betonen. Das einst europaweit populäre „Produkt“ wird immer weniger nachgefragt, die Firma selbst gilt immer mehr Menschen als irrelevant.

Höchste Zeit für evidenzbasiertes Handeln

Höchste Zeit für evidenzbasiertes Handeln, insbesondere da alle unaufhörlich von einer Reform des Unternehmens sprechen. Höchste Zeit für einen Perspektivenwechsel! Für jene, die nicht nach dem ersten Halbsatz ausgestiegen sind: Die Rede ist noch immer von der katholischen Kirche, die in Afrika und Asien einen erstaunlichen Zulauf verzeichnet, während sie in Europa – ungeachtet vieler Aufbrüche – nicht aus der Krise findet. Die seit mehr als einer Generation hartnäckig und mit riesigem Finanzaufwand betriebene Anpassung an die „Lebenswirklichkeit der Menschen von heute“ und an einen dekonstruktivistischen Zeitgeist hat in fast ganz Europa – abgesehen von kleinen Oasen – zum Niedergang des Glaubens, des sakramentalen Lebens und der geistlichen Berufungen geführt. Das Christentum ist regelrecht verdunstet.

Lesen Sie auch:

Mehr von dem, was schon bisher nicht gewirkt hat, empfehlen nun Pastoralreformer mit und ohne Mitra: So schreiten die Infantilisierung der Liturgie, die Verweltlichung der Theologie, die Entkernung des Religionsunterrichts, die Banalisierung sakramentaler Feiern, die Politisierung der Hierarchie und die Veronkelung des „lieben Gottes“ missmutig voran, während der Sinkflug des Glaubens immer steiler und die Kirchen immer leerer werden. Was spricht in der Kirche eigentlich dagegen, „von den Besten zu lernen“, wie Manager das empfehlen? Warum wollen alte, müde und ideenlos gewordene Kirchen in Europa nicht von den jungen, frischen, wachsenden Kirchen Afrikas und Asiens lernen?

Woher kommen Glaubensfreude und missionarische Dynamik in Afrika?

Zu lernen gäbe es da einiges, etwa dass unsere immerwährenden „heißen Eisen“ ein kircheninternes Selbstbeschäftigungsprogramm sind, das keinerlei Lebensrelevanz besitzt. Über alle Sprach- und Kulturgrenzen hinweg interessieren sich Menschen für den Sinn ihres Lebens, für den Umgang mit Leid, Schuld und Tod, für die Beziehung zu ihren Ahnen, Nachfahren und Nachbarn, und auch für Gott. Wenn sich die Kirche in diesen Themen nicht als überaus relevant erweist, dann wollen wir sie über das Verhältnis von Papst und Ortskirchen, die Struktur von Diözesen oder Zugänge zum Priesteramt erst gar nicht hören.

Woher, so sollte ein Synodaler Weg sich neugierig fragen, kommen die Glaubensfreude und die missionarische Dynamik in Afrika? Was motiviert all die Scharen von männlichen und weiblichen Katechisten in der Verkündigung, die nach keinem diözesanen Gehaltsschema entlohnt werden, aber vielfach ihr Leben riskieren? Warum drängen junge, gesunde und kluge Afrikaner in die oft notdürftigen Priesterseminare? Woher nimmt das arme Afrika jene Lebens- und Glaubenskraft, die bei uns tief verschüttet scheint?

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Weitere Artikel
Das Bistum Ávila eröffnet am Sonntag ein Jubiläumsjahr zu Ehren der heiligen Teresa. Ihre Schriften sind eine zeitlos aktuelle Hilfe.
12.03.2022, 07  Uhr
María del Rosario Sáez Yuguero
Eva-Maria Knobel*, Missbrauchsbetroffene im Erzbistum Köln, warnt vor dem Ruf nach dem Staat als Aufklärer und vorschnellen Urteilen über den emeritierten Papst
12.02.2022, 11  Uhr
Regina Einig
Themen & Autoren
Stephan Baier Diözesen Päpste

Kirche

Reformen vorantreiben mit Tempo, Druck auf die Amtskirche und zur Not für den Preis einer Spaltung — das war der Tenor der Veranstaltung „Kirche kann bunt. Mit Vielfalt gewinnen. #OutInChurch“.
28.05.2022, 15 Uhr
Dorothea Schmidt
Das Erzbistum Köln hat die Chance, wieder zueinander zu finden. Denn es gibt Gläubige, die sich von Kampagnen nicht beirren lassen. Eindrucksvolles Beispiel: der Wallfahrtsort Neviges.
28.05.2022, 11 Uhr
Regina Einig
Die theologischen Dialoge müssen weitergeführt und intensiviert werden, so der „Ökumene-Bischof“. Eine Herausforderung bleibe aber die Frage der Eucharistiegemeinschaft.
27.05.2022, 20 Uhr
Oliver Gierens