Bonn

Priesterausbildung: Fakultäten auf dem Prüfstand

Die Debatte um die Vorschläge der Arbeitsgruppe der Bischöfe zur Priesterausbildung fördert Defizite in der Konferenz zutage.
Vorlesung an der Gregoriana
Foto: Stefano Dal Pozzolo | Über zeitgemäße Formen der Theologenausbildung wird derzeit gerungen.

Man könnte es als ein heiteres Schaustück aus einem Dilettantenstadel bezeichnen, wenn es nicht eine so traurige Angelegenheit wäre. Die Vorgänge um die Vorschläge der Arbeitsgruppe der Kommission für Geistliche Berufe und Kirchliche Dienste der Bischofskonferenz, bestehend aus den Bischöfen Heinrich Timmerevers (Dresden), Felix Genn (Münster) und  Michael Gerber (Fulda), zeigen mit bedrückender Deutlichkeit die mangelnde Kommunikationsfähigkeit einiger deutscher Oberhirten, ihre grundlegende Uneinigkeit, fehlende Perspektiven und ein offenkundiges Unvermögen einiger, im Schnellverfahren durchgewinkte Vorschläge auf ihre Konsequenzen hin zu durchdenken.

Was ist geschehen? Die mit der Neuordnung der Priesterausbildung befasste Arbeitsgruppe hat ein Konzept erarbeitet, das vorsieht, dass es künftig nur noch wenige überregionale Standorte geben wird: Freiburg und Bamberg für das Propädeutikum, München, Münster und Mainz für das Studium, Paderborn, Erfurt, Rottenburg-Stuttgart und ein bayerischer Standort für den abschließenden Pastoralkurs.

Zahlreiche und tiefgreifende Mängel

Gesprochen haben Timmerevers, Genn und Gerber über ihre Idee aber offenbar weder mit ihren Amtsbrüdern noch mit den Theologischen Fakultäten. Tatsächlich weist der Entwurf derartig zahlreiche und tief greifende Mängel auf, dass nun Ratlosigkeit herrscht.

Von einem ausgereiften Modell mochte der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki, Vorsitzender der DBK-Kommission für Wissenschaft und Kultur, nicht sprechen. Er billigt dem Papier jedoch zu, „ausdrücklich Grundlage für weitere Diskussionen und Überlegungen“ zu sein. Theologische Fakultäten und Institute seien weitaus mehr als Ausbildungsstandorte, sagte der Kölner Erzbischof im KNA-Interview. „Sie sind Zentren der wissenschaftlichen Erforschung des christlichen Glaubens, der Frage nach Gott und des Dialogs von Glaube und Vernunft.“ Aus Woelkis Sicht sind für die Zukunft der theologischen Fakultäten in Deutschland nicht statistische Daten entscheidend, sondern die wissenschaftliche Qualität von Forschung und Lehre und der interdisziplinäre Dialog mit den anderen Wissenschaften. „Deshalb ist es für die Theologie – und damit auch für die Kirche – von hoher Bedeutung, dass die Theologie institutionell in den Universitäten verankert ist, die ja der Ort des wissenschaftlichen Dialogs sind.“

Widerspruch aus den Reihen der Fakultätsvertreter

Der Widerspruch aus den Reihen der Fakultätsvertreter bezieht sich zum einen auf die Begründung für die Konzentration der Priesterausbildung. Sie dient laut Arbeitsgruppe der Qualitätssteigerung dank hinreichend großer Lerngruppen. Dass dies gelingt, bestreitet der Dekan der Theologischen Fakultät Erfurt, Jörg Seiler, und bekräftigt die Erfahrung, dass kleinere Lerngruppen weit eher zur Vertiefung der Lerninhalte führen. Regens Herbert Rieger von der im Konzept der Arbeitsgruppe als Ausbildungsstandort nicht mehr berücksichtigten Jesuitenhochschule St. Georgen betont zudem, dass in ihm die lokalen Traditionen der Kirche in Deutschland unterschätzt würden. Zum anderen fürchten viele um die Existenz der theologischen Fakultäten in ihren Bistümern.

Und auch die an einen „Süd-Mitte-Nord-Proporz“ erinnernde Standortwahl wird kritisiert. Jörg Seiler bezeichnete sie als „innovationsfreie Hilflosigkeit“, die vor allem deshalb bedauerlich sei, weil „in den neuen Bundesländern theologisch reflektiert und existenziell jeden Tag von Lehrenden und Studierenden eingeholt wird, dass für westeuropäische Menschen des 21. Jahrhunderts religiöse Setzungen generell und mehrheitlich keine Themen, geschweige denn Fragen sind“. Die Dogmatikprofessorin Johanna Rahner kritisiert sowohl die gewählten Standorte als auch das Konzept der Konzentration der Ausbildung: „Wissenschaftsstrategisch betrachtet sind diese Ideen von einer hochgradigen Naivität und Unbedarftheit geprägt.“ Rahner vermutet, dass die Vorschläge vom „Ideal einer Priesterausbildung, wie es Mitte des 16. Jahrhunderts auf dem Konzil von Trient formuliert wurde“ geprägt seien, bei dem es darum gehe, junge Männer zu kasernieren und sie „vermeintlich geschützt, behütet und exklusiv als Priesterkaste auf ihren Einsatz vorzubereiten“. Dass das Arbeitspapier nur eine Gesprächsgrundlage sei, stellt Rahner infrage. Denn wenn es so wäre, hätte es zunächst Beratungen der Bischöfe untereinander und mit den Fakultäten geben müssen, bevor man eine Pressemitteilung veröffentlicht. Letztere befürchten nun eine Abstufung in Fakultäten erster und zweiter Klasse, der dann all jene angehören, die nicht mehr in die Priesterausbildung einbezogen sind. Der Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller sprach sich im Deutschlandfunk dafür aus, dass Priesteramtskandidaten „in den Universitätsstädten zusammen mit Kommilitoninnen und Kommilitonen leben und mit anderen Fächern in Berührung kommen“.

Leitungs- und Orientierungsproblem in der DBK

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Zieht man eine Summe unter den desaströsen Verlauf wird klar: In der Bischofskonferenz gibt es ein Leitungs- und ein Orientierungsproblem. Wäre es anders, würde ein Mehr an Kommunikation und das Bedürfnis nach einmütig zielgerichtetem Handeln herrschen.

Und ein weiteres kommt hinzu: Dem Konzept der Arbeitsgruppe fehlt die Perspektive. Es reagiert nur auf einen Priestermangel, der ein Faktum, aber nicht unabänderlich ist. Denn wenn es ein konsistentes Bemühen um Berufungen gäbe, das sich im Gebet, der engagierten und begeisternden Vermittlung der Lehre der Kirche, in der Wahrnehmung berufener Männer und Wertschätzung des priesterlichen Dienstes zeigte, könnte dies die entscheidende Wende bewirken.

Bischof Voderholzer, der an der regionalen Ausbildung seiner Priesteramtskandidaten in Zusammenarbeit mit dem Bistum Passau festhält und sich, wie viele seiner Amtsbrüder, den geplanten zentralen Seminaren nicht anschließen will,  unterstrich die Wichtigkeit des Gebets um Berufungen und fügte hinzu: „Was die Attraktivität des Priesterberufes betrifft, so können wir freilich auch Hindernisse aufbauen. Ich habe es in der Bischofskonferenz am Dienstag ganz deutlich gesagt: Wenn wir innerkirchlich selbst das Priestertum problematisieren, wenn in der Kirche selbst die Lebensform der evangelischen Räte: Ehelosigkeit, Armut und Gehorsam, die die Lebensform Jesu und der Apostel ist, und wenn in der Kirche selbst ihre sakramentale Struktur ständig infrage gestellt wird, dann ist das kein positives Signal. Vieles, was im Umfeld des sogenannten Synodalen Weges gesprochen wird, ist nicht dazu angetan, geistliche Berufe zu fördern. Das muss aufhören!“

Mit Material von KNA

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