Vatikanstadt

Papst Franziskus: Der Jein-Sager

Oft kursieren widersprüchliche Versionen über vermeintliche Äußerungen von Franziskus. Das jüngste Beispiel: die Haltung des Papstes zum Responsum der Glaubenskongregation. Woran liegt das? Ein Kommentar.
Papst Franziskus
Foto: Filippo Monteforte (POOL AFP/AP) | Papst Franziskus zelebriert die Ostermesse im Petersdom. Papst Franziskus feiert die Ostermesser bereits das zweite Mal unter Corona-Einschränkungen.

Der Papst sei "sehr verletzt" über die Art und Weise, wie die Glaubenskongregation den Segnungen gleichgeschlechtlicher Paare einen Riegel vorgeschoben habe und werde den Vorgang "in irgendeiner Weise reparieren". Das meinte jetzt das chilenische Missbrauchsopfer Juan Carlos Cruz gegenüber einer Tageszeitung seines Landes, nachdem ihn Franziskus telefonisch über seine Aufnahme in die Päpstliche Kinderschutzkommission unterrichtet hatte. Das würde zwar der Tatsache widersprechen, dass der Papst die Veröffentlichung des Spruchs der vatikanischen Glaubenswächter "gutgeheißen" hatte, wie es in dem "Responsum" steht. Aber es würde im Vatikan auch niemanden verwundern, wenn Franziskus demnächst die Wogen der Erregung über das Nein zu diesen Segnungen irgendwie zu glätten versuchen würde. 

Man mag es jesuitische Schlauheit nennen

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Doch woher kommen diese oft widersprüchlichen Versionen über vermeintliche Äußerungen des Papstes? Jorge Mario Bergoglio, der in den siebziger Jahren die peronistische Organisation "Guardia di Hierro" (Eiserne Garde) seelsorglich begleitete, hat nicht nur viele Gedanken seines politischen Vorbilds Juan Domingo Perón übernommen - etwa die starke Fixierung auf das "Volk" -, sondern auch manche von dessen Methoden. Und Perón war bekannt dafür, dass er direkt hintereinander zwei Leuten recht geben konnte, die völlig konträre Meinungen vertraten, und einem Dritten, der ihn auf diesen Widerspruch aufmerksam machte, ebenfalls einfach sagte: "Da hast Du recht".

Das würde erklären, warum es immer wieder vorkommt, dass Gesprächspartner nach Begegnungen oder Telefonaten mit Franziskus Meinungen des Papstes wiedergeben, die so gar nicht in das Bild passen, das man sich von ihm gemacht hatte. Die "Interviews" mit dem greisen Journalisten Eugenio Scalfari sind unvergessen. Man mag es auch jesuitische Schlauheit nennen, dass Franziskus dazu neigt, jedem das zu sagen, was der Andere gerade hören möchte - und dann zu machen, was er wirklich will. Oder aber einen Widerspruch einfach einmal stehen zu lassen, ohne ihn sofort aufzulösen und die daraus folgende Unschärfe in Kauf zu nehmen.

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