Jerusalem

„Ostern ist nicht nur ein Schlagwort“

Das Triduum im Heiligen Land wird von der Tragödie in der Ukraine und den Spannungen in der Region überschattet.
Karfreitagsprozession - Israel
Foto: Ilia Yefimovich (dpa) | Die Hoffnung auf Auferstehung ist zum Greifen nahe: Pilger beten am Karfreitag in der Grabeskirche.

Nach Aufhebung der pandemiebedingten Einreise- und Bewegungsbeschränkungen – einzige Voraussetzung für die Einreise ist nun, dreifach geimpft beziehungsweise genesen zu sein – stellen die christlichen Pilger verschiedener Konfessionen inzwischen mindestens die Hälfte der Besucher im Heiligen Land dar. Das israelische Tourismusministerium schätzte die Zahl der Pilger während der diesjährigen Karwoche auf gut 30 000.

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Weniger Pilger 

Hinzu kommen Hunderte von Kriegsflüchtlingen aus der Ukraine. Sie halten sich vorübergehend in Israel auf, während sie auf die Möglichkeit warten, in ihr Land zurückzukehren.

Zu normalen Zeiten wird Jerusalem in der Osterwoche allerdings von weitaus mehr Pilgern aus der ganzen Welt besucht. Derzeit gelten für bestimmte Einreisende noch Quarantänebestimmungen. Daher übertrug das Christliche Medienzentrum (CMC) die Messen und Prozessionen wie schon in den vergangenen zwei Jahren live im Internet. Die Übertragungen begannen am Gründonnerstag aus der Gethsemane-Basilika in Jerusalem auf Englisch, Französisch, Italienisch, Portugiesisch, Spanisch und Arabisch, und wurden am Karsamstag mit der Übertragung der Nachtwache aus der Grabeskirche fortgesetzt.

Ostern im Krieg

Die Feierlichkeiten zum österlichen Triduum begannen am Vorabend von Palmsonntag mit einer Messe des Lateinischen Patriarchen von Jerusalem, Erzbischof Pierbattista Pizzaballa. Angesichts des Krieges in Europa und der Konflikte im Heiligen Land lud der Patriarch die Gläubigen dazu ein, trotz der Dunkelheit der Konflikte und der Ungerechtigkeit weiterhin die Zeichen der Auferstehung Christi zu sehen.

In seiner Osterbotschaft räumte er ein, dass „Ostern uns zwar eine Verkündigung der Liebe, des Friedens und des Lebens“ bringe, es aber schwierig sei, „in der heutigen zerrissenen und gewalttätigen Welt“ von Hoffnung zu sprechen, „wenn wir die Folgen von Konflikten und Ungerechtigkeit sehen.“ Mit Blick auf die jüngsten gewalttätigen Spannungen, die im Heiligen Land wieder aufgeflammt sind, stellte Erzbischof Pizzaballa fest, dass diese Situationen „Misstrauen schaffen und die Gefahr bergen, dass die Hoffnung, die wir an Ostern verkünden, ausgelöscht wird“.

"Ostern ist nicht nur ein Schlagwort,
sondern eine Realität"

Der Patriarch von Jerusalem sprach auch über den fortgesetzten Krieg in der Ukraine, „einem Land, das von einem Bruderland angegriffen wird, was menschliche Tragödien von ungeheurem Ausmaß verursacht“. In dieser und vielen anderen ähnlichen Situationen auf der ganzen Welt scheint „das Reden von Liebe, Frieden und Leben nur ein Schlagwort zu sein“.

Ausschreitungen am Krafreitag

Aber, so Erzbischof Pizzaballa: „Ostern ist nicht nur ein Schlagwort, sondern eine Realität, die wir heute noch anfassen und leben können. Es ist nicht wahr, dass es in der Welt nur Dunkelheit und Gewalt gibt, und dass wir nur Tod und Schmerz erleben. Es gibt auch viel Liebe, viele Menschen, die ihr Leben für andere hingeben, die für Gerechtigkeit kämpfen, die sich für den Frieden einsetzen.“

Die Stadt Jerusalem wurde während der von Christen, Juden und Muslimen begangenen Feiertage von Gewalt und Unruhen nicht verschont. Am Karfreitag kam es zu Ausschreitungen, als palästinensische Jugendliche auf dem Gelände der Al-Aqsa-Moschee mit der israelischen Polizei zusammenstießen. Friedlicher ging es in der Grabeskirche zu: Am Karsamstag füllte sich die Basilika mit Gläubigen aus dem christlichen Viertel, die sangen, während Pfadfinder mit ihren Trommeln und Dudelsäcken durch die Straßen der Altstadt zogen.

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Besuch in der Grabeskirche

Die Grabeskirche steht unter der Obhut verschiedener christlicher Kirchen, unter anderem der katholischen, der armenisch-apostolischen und der orthodoxen Kirche, ist darüber hinaus Sitz des griechisch-orthodoxen Patriarchen von Jerusalem sowie die Kathedrale des Lateinischen Patriarchats von Jerusalem.

Aufgrund der Koexistenzvereinbarung zwischen den christlichen Kirchen, die die Basilika unterhalten, fiel der Besuch auch in diesem Jahr für viele Pilger frustrierend kurz aus.

Von den Widrigkeiten des Alltags abhängig ist die Osterfreude der Christen in Jerusalem allerdings nicht. Pater Juan Solana LC, ein mexikanischer Ordensmann, der das Päpstliche Institut Notre Dame von Jerusalem leitet, unterstreicht: „Ostern ist die ewige Botschaft, die für dieses und für jedes Jahr gilt, dass Jesus Christus in Jerusalem gestorben und auferstanden ist, und deshalb für immer lebt. Er begleitet unsere Familien, unser Leben und unsere täglichen Kämpfe.“ Am Sonntag begehen die orthodoxen Christen das Osterfest.

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