Würzburg

Neue Kritik an Entlassungen an Päpstlichem Institut

Die Neuausrichtung des Päpstlichen Instituts Johannes Paul II. für Ehe und Familie schlägt weiter hohe Wellen. Gegenüber der "Tagespost" äußern Theologen neue Kritik.

Die im Zug der Neuausrichtung des Päpstlichen Instituts Johannes Paul II. für Ehe und Familienwissenschaften in Rom bekannt gewordene Entlassung mehrerer langjähriger Mitarbeiter des Instituts stößt in Kirchenkreisen auf Kritik. Auch ehemalige Mitarbeiter des Instituts äußern sich skeptisch über die neuen Statuten. Zwei an den Direktor des Instituts, Monsignore Pierangelo Sequeri, gerichtete Offene Briefe bringen die Bedenken über die jüngsten  Personalentscheidungen auf den Punkt.

So bezeichnet der emeritierte Paderborner Philosophie-Professor Berthold Wald die ersatzlose Streichung des Lehrstuhls für Fundamentalmoral als „folgenreichste“ Änderung. Damit werde unausgesprochen die von Papst Johannes Paul II. für unverzichtbar gehaltene Ausrichtung des Instituts auf anthropologische und ethische Grundfragen unterlaufen. „Dass Johannes Paul II. auch weiterhin die Namensgebung des Instituts prägt, wird niemanden über die nur scheinbare Kontinuität zum Vorgängerinstitut täuschen können, das eine starke philosophisch-anthropologische Grundlegung besaß.“

Lesen Sie auch:

Vorgehen könnte antirömischen Affekt nähren

Wald befürchtet, dass „die bei der Neugründung des Instituts zutage getretenen Eigenmächtigkeiten kirchlicher Autoritäten nicht bloß den akademischen Ruf des Instituts beschädigen“. Sie nährten auch den antirömischen Affekt und gefährdeten damit den akademischen Status kirchlicher Hochschulen insgesamt. Ebenfalls kritisch äußerten sich jüngst 49 Autoren des „Dizionario su Sesso, Amore è Fecondità“, einem umfangreichen Forschungsprojekt des Familieninstituts. Die Unterzeichner sähen "keinen überzeugenden Grund – weder akademisch, noch von Seiten des Lehramts, noch disziplinär" der die Entlassung der Theologen Livio Melina und José Noriega rechtfertige, heißt es in dem Offenen Brief, zu dessen Unterzeichnern auch die Publizistin Gabriele Kuby gehört.

Kritisch über die neuen Statuten äußerte sich auch der spanische Theologe Juan Pérez-Soba, der am Institut Familienpastoral lehrt. Gegenüber dem lateinamerikanischen Nachrichtenportal „Aciprensa“ erklärte er, es handele sich bei den neuen Statuten um einen „von außen aufgezwungenen Studienplan“. Er selbst sei nicht gefragt worden, sondern habe aus der Presse von den neuen Statuten erfahren.

DT/reg

Themen & Autoren
Redaktion Gabriele Kuby Institute Johannes Paul Johannes Paul II. Kirchen und Hauptorganisationen einzelner Religionen Paul II. Spanische Theologen

Weitere Artikel

Podcasts, Blog und Vorträge: Eine Online-Plattform macht die Theologie des Leibes für ein breites Publikum zugänglich.
21.11.2022, 05 Uhr
Franziska Harter
Die Einheit von Leib und Seele kann durch die sexuelle Revolution nicht beseitigt werden.
15.10.2022, 21 Uhr
Franziska Harter
Am Institut Johannes Paul II. in Rom wächst der Unmut über die neuen Statuten. Vizepräsident José Granados García fürchtet um die Freiheit der Lehre.
08.08.2019, 15 Uhr
Regina Einig

Kirche

Der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke äußert sich zum „Ad-limina-Besuch“ der deutschen Bischöfe, zur Gefahr eines Schismas und zum neuen kirchlichen Arbeitsrecht.
26.11.2022, 14 Uhr
Dorothea Schmidt
Der Vatikan hat die Kritik der Kardinäle Ladaria und Ouellet am Synodalen Weg veröffentlicht. Diese Transparenz schafft Orientierung, wo bisher nur ungläubiges Staunen über die Bischöfe war.
25.11.2022, 11 Uhr
Guido Horst
Die Staatsanwaltschaft Köln ermittelt in zwei Fällen gegen den Kölner Kardinal wegen des Verdachts der falschen eidesstattlichen Versicherung. Ökumenisches Gebet abgesagt. 
25.11.2022, 11 Uhr
Meldung
Im Wortlaut die Stellungnahme von Kardinal Marc Ouellet zum Synodalen Weg beim interdikasteriellen Treffen mit den deutschen Bischöfen.
24.11.2022, 17 Uhr
Kardinal Marc Ouellet