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Maria Vesperbild: Erwin Reicharts Bilanz kann sich sehen lassen

Der Wallfahrtsdirektor und Nachfolger von Prälat Wilhelm Imkamp geht nach sechs Jahren in den Ruhestand.
Wallfahrtsdirektor Erwin Reichart geht nach sechs Jahren in den Ruhestand.
Foto: Heidi Sanz | Sechs Jahre lang war Erwin Reichart Wallfahrtsdirektor von Maria Vesperbild.

Sechs Jahre Dienst sind für einen Wallfahrtsdirektor in Maria Vesperbild eine relativ kurze Zeitspanne. Die Traditionsverbundenheit des mittelschwäbischen Marienwallfahrtsortes spiegelt sich auch in der Stabilitas der Wallfahrtsdirektoren. Doch in den sechs Jahren, in denen Monsignore Erwin Reichart die Seelsorge leitete, hat er sich durch die Restaurierung der Wallfahrtskirche in die Geschichte des Gnadenortes eingeschrieben. Am 1. Februar geht er in den Ruhestand. Nachdem Maria Vesperbild unter Reicharts Vorgänger Prälat Wilhelm Imkamp zu einem weit über Schwaben hinaus bekannten Markenzeichen für traditionelle Volksfrömmigkeit geworden war, musste sein Nachfolger die Bewährungsprobe bestehen. Reichart kam aus der Pfarrseelsorge. Das Medienapostolat, das zu Maria Vesperbild gehört, bedeutete für ihn Neuland. Dass der gebürtige Schwabe mit den Menschen in der heimatlichen Mundart sprechen konnte, öffnete ihm rasch die Türen.

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Trotz jahrzehntelanger Erfahrung in der Seelsorge stellte der Wallfahrtsbetrieb für Monsignore Reichart keine leichte Aufgabe dar: Die Wallfahrtskirche blieb über längere Zeit wegen der Bauarbeiten geschlossen, die Pilger wichen in eine provisorische Kapelle aus. Unter Coronaauflagen und der Last gestiegener Spritpreise überlegte sich mancher Pilger zweimal, ob er die Fahrt nach Vesperbild machen sollte. Der Bauherr der Muttergottes hatte alle Hände voll zu tun.

Der Bauherr der Muttergottes

Der Wallfahrtsdirektor packte an und kämpfte geduldig um Handwerker und Spender. Die Bilanz kann sich sehen lassen. Die schmucke Rokokokirche strahlt, die Spender ließen sich nicht lumpen. Dass die Gläubigen nach pandemiebedingter Flaute wieder in Scharen nach Maria Vesperbild kommen und schätzen, dass Monsignore Reichart den traditionellen Seelsorgestil der Wallfahrt fortgesetzt hat, zeigte sich zuletzt im August, als Erzbischof Georg Gänswein das Pontifikalamt zum Hochfest Maria Himmelfahrt zelebrierte. Zu Reicharts Verdiensten um Maria Vesperbild gehört es, dass er nach der Veröffentlichung des Apostolischen Schreibens „Traditionis custodes“, mit dem Papst Franziskus die Feier der „alten Messe“ einschränkte, die Nerven behielt.

Angesichts der Bestürzung unter traditionsverbundenen Gläubigen war die stabilisierende Wirkung der Wallfahrt in Maria Vesperbild gefragt. Auch der Synodale Weg hat sich als unfreiwilliges Werbebanner für den Ort entpuppt. Je mehr Verwirrung katholische Amtsträger in der Kirche verbreiten, desto notwendiger erleben die Gläubigen Gnadenorte, an denen sie Orientierung finden. Reicharts Nachfolger Michael Menzinger findet einen Leuchtturm vor. 

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