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Kyrill ist zunehmend isoliert

Kyrill nennt den Krieg nicht beim Namen und ignoriert die Toten, Verletzten und Vertriebenen. In der Orthodoxie steht er damit inzwischen allein da.
Kyrill nennt den Krieg nicht beim Namen
Foto: Oleg Varov | Mit seiner Haltung zu Putins Krieg gegen die Ukraine isoliert sich der Moskauer Patriarch.

Alle kirchlichen Würdenträger sind für den Frieden. Alle, außer Kyrill. Alle Metropoliten und Patriarchen, die am vergangenen Sonntag nach dem Julianischen Kalender Ostern feierten, zeigten Mitgefühl mit den Leidenden, Verwundeten und Vertriebenen in der Ukraine. Alle, außer Kyrill. Wochenlang hat der Patriarch von Moskau und ganz Russland den russischen Eroberungs- und Vernichtungskrieg gegen die Ukraine als richtig und notwendig gerechtfertigt, hat den intriganten Westen und die ignoranten Ukrainer dafür verantwortlich erklärt, weil sie alle nicht einsehen wollten, dass es gar keine ukrainische Nation, sondern nur ein großes russisches Volk gebe.

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Prestige zerstört

Jahrelang hatte Kyrill die orthodox getünchte großrussische Ideologie propagiert und sich zum Vordenker des Krieges gemacht. Ihn will er auch jetzt  nach zwei blutigen Monaten, Millionen Vertriebenen und Tausenden Toten   weder beim Namen nennen noch verurteilen.

Kyrill zerstört nicht nur sein eigenes Prestige, sondern das seiner Kirche und   in den Augen einer säkularen Öffentlichkeit   auch das des Christentums. Was soll die Welt von einer Kirche halten, die die Zerstörung ihrer eigenen Gotteshäuser in der Ukraine ebenso billigt wie die willkürliche Ermordung von Kindern, die massenhafte Vergewaltigung wehrloser Frauen, die Vernichtung ganzer Städte, die Negierung einer Kultur? Wer noch ein Gefühl für Zivilisation und Anstand hat, geht jetzt auf Distanz zum Kriegstreiber im Patriarchengewand: Litauens Außenminister Gabrielius Landsbergis fordert EU-Sanktionen gegen Kyrill.

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Immer mehr distanzieren sich

Der litauische orthodoxe Metropolit hat sich von Kyrill ebenso distanziert wie russisch-orthodoxe Auslandsgemeinden und eine stetig wachsende Hundertschaft orthodoxer Priester in der Ukraine. Vor dem Krieg war die Orthodoxie des Moskauer Patriarchats die größte Glaubensgemeinschaft in der Ukraine, jetzt bröckelt sie an allen Ecken und Enden. Geistliche und Gläubige wechseln zur autokephalen Orthodoxie; 400 Priester wünschen Kyrills Amtsenthebung; der Rest ist in einem Gewissenskonflikt, der sich in vielen Wortmeldungen Bahn bricht.

Auch jene orthodoxen Kirchen, die sich bisher eng an das Moskauer Patriarchat schmiegten und Kyrill eine Führungsrolle in der orthodoxen Welt einräumten, gehen auf Distanz. Etwa Georgien und Serbien: Nach dem georgischen Patriarchen Ilia bezeichnete nun Serbiens Patriarch Porfirije den Krieg als Schande für die Menschheit. Kyrill hat mit seiner Positionierung nicht nur den letzten Rest an Sympathie in der Ukraine verloren, auch sein allzu ehrgeiziges Streben nach einer Führungsrolle in der weltweiten Orthodoxie ist gescheitert.

Schäden an der Okumene

Moskau hat seit 2016 nichts unversucht gelassen, um die Autorität des Ökumenischen Patriarchen, Bartholomaios, zu untergraben. Gerade er hat sich im aktuellen Krieg jedoch als geistliche Leitfigur erwiesen.

In seiner Oster-Enzyklika beklagte Bartholomaios, dass "der entsetzliche Lärm der Waffen und die erschütternden Schreie der unschuldigen Opfer der militärischen Aggression" die Osterbotschaft übertönen. Das Ehrenoberhaupt der weltweiten Orthodoxie fasste in Worte, was unter Christen Konsens sein sollte: "Wir leiden mit dem gläubigen und mutigen Volk der Ukraine, das ein schweres Kreuz trägt. Wir beten und kämpfen für Frieden und Gerechtigkeit sowie für alle, denen diese vorenthalten sind." Die Kirche müsse Friedensstifterin sein, denn der Krieg bringe nur Hass und Zwietracht, löse aber kein Problem.

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Stephan Baier Russlands Krieg gegen die Ukraine Kyrill I. Säkularisation Vernichtungskriege Vertriebene Vorsteher der Russisch-Orthodoxen Kirche

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