IM BLICKPUNKT

Wenn Frauen der Sinn für Gerechtigkeit abgeht

Dass die Ämterdebatte in Deutschland so gewaltig zündet ist nicht allein eine Folge der politischen Entwicklung. Auch machtbewussten Frauen geht es ums Geld.
Gebetswache von Maria 2.0 in Frankfurt
Foto: Harald Oppitz (KNA) | Demonstrierende von Maria 2.0 bei einer Gebetswache vor dem Frankfurter Dom während der Synodalversammlung.

Die Bilanz der ersten Etappe des Synodalen Wegs fällt durchaus geschlechtergerecht aus: Frauen haben in Frankfurt nicht überzeugender agiert als Männer. Zwar gab es Ausnahmen: Schwester Philippa Rath OSB und Dorothea Schmidt von Maria 1.0 outeten sich als Beterinnen für Kirche und Amtsträger. Chapeau, das ist das Beste, was beide Geschlechter derzeit tun können. Doch angesichts der Zerrissenheit der Katholiken in Deutschland drängt die Frage, wie es den wenigen, die beten, noch gelingen soll, das Schwert der Spaltung aufzuhalten.

Grenze des Zumutbaren überschritten

Wenn Frauen gebetsmühlenartig Macht fordern, verschütten sie diskussionswürdige Aspekte. Wieviele der teilnehmenden Priester und Bischöfe wären zur Weihe zugelassen worden, wenn sie mit flammenden Worten "Macht" als Motiv ihrer Berufswahl im Seminar angegeben hätten? Vermutlich keiner. Wen sollte der Beweggrund "Macht" aus dem Mund einer Frau also interessieren? Wer zieht bei künftigen Versammlungen im Namen der Geschlechtergerechtigkeit rote Linien? Die Grenze des Zumutbaren war überschritten, als Mara Klein das Plenum aufgeregt als "Verein von Tätern" beschimpfte. Ach ja? Von den Herren im Raum hat sich bis dato keiner eine justiziable Tat zuschulden kommen lassen. Auch wenn viele Frauen sich nicht verantwortlich halten für die Misstände der Weltkirche im Allgemeinen und die Misere des deutschen Katholizismus im Besonderen: Ein glaubwürdiger femininer Gerechtigkeitssinn muss eine derart Entgleiste zur Ordnung rufen: bis hierher und nicht weiter. Die Kirche degradiert sich durch eine solche per Livestream übertragene Performance zur peinlichen Schwatzbude.

Pikanterweise stößt sogar die Solidarität der Frauen untereinander an Grenzen. Als die eloquente Birgit Aschmann (ZdK) die auf anderthalb Minuten gekürzte Redezeit zu den Eingaben an das Synodalforum Frauen in Diensten und Ämtern beklagte, ermannte sich keine der Schwestern im Saal, um sie zu verteidigen. Aschmann stand im Regen, heroische Männer sprangen ihr im erfolglosen Kampf um die zu wahrer Gleichberechtigung fehlenden dreißig Sekunden pro Wortmeldung bei. So werden Chancen vertan, im Rahmen des Kirchenrechts und der lehramtlichen Vorgaben völlig legitim den Spielraum für Frauen in der Kirche zu verändern.

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Auch Frauen haben im Umgang mit Missbrauch versagt

Und es kam noch ärger: Auf die Frage, was Katholikinnen unternehmen, um von den Fehlern der evangelischen Seite zu lernen, druckste Karin Kortmann (ZdK) herum, dazu gebe es keinen institutionellen Austausch. Dabei ist spätestens seit dem Rücktritt der lutherischen Bischöfin Maria Jepsen 2010 klar, dass auch Frauen im Umgang mit sexuellem Missbrauch in christlichen Einrichtungen versagt haben. Auch die hohe Scheidungsquote in protestantischen Pfarr- und Bischofshäusern sowie Missbrauch durch verheiratete Pastöre sind gravierende Probleme, die in der ökumenischen Schweigespirale regelmäßig untergehen. Wer Macht fordert, kann auch selbstständig zum Telefon greifen und Treffen organisieren. Warum sprechen die Frauen das Stichwort "Geld" nicht ehrlich aus? Dass die Ämterdebatte in Deutschland so gewaltig zündet ist nicht allein eine Folge der politischen Entwicklung. Feminismus und Gleichstellungspolitik existieren auch in anderen Ländern. Doch in Deutschland ist der zu verteilende Kuchen der Kirche saftiger und die Aussicht auf Versorgung größer. Da hilft keine spirituelle Überhöhung in den Olymp der Ökumene. Auch machtbewussten Frauen geht es ums Geld.

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