Medjugorje

Pilgerleiterin Dodig: "Das Jugendfestival in Medjugorje ist mehr als ein religiöses Event"

Vicky Dodig ist seit 1987 Pilgerleiterin in Medjugorje. Gegenüber der Tagespost schildert sie, wie sie das diesjährige Internationale Jugendfestival erlebte.
St. Jakubus-Kirche in Medjugorje
Foto: Nightman1965 via www.imago-image (http://www.imago-images.de/) | Über 10.000 junge Leute strömten für das "Mladifest" in den bosnisch-herzegowinischen Wallfahrtsort.

Das Internationale Jugendfestival, das „Mladifest“, ist vor wenigen Tagen in Medjugorje zu Ende gegangen. Gut 10 000 Jugendliche aus über 50 Ländern waren nach Veranstalterangaben vor Ort, Vicky Dodig, Pilgerleiterin am bosnischen Wallfahrtsort spricht von über 30 000 Besuchern. Das Jugendfestival ist jedes Jahr der Höhepunkt der Wallfahrtssaison, es sind Tage mit unzähligen Begegnungen, mit intensiven Glaubenserfahrungen, Bekehrungen, Begegnungen mit dem lebendigen Gott.

Lesen Sie auch:

In diesen Zeiten, in denen pandemiebedingt Großveranstaltungen ausfallen oder – wie aktuell die Olympischen Spiele in Tokio – ohne Publikum stattfinden, ist eine solche Großveranstaltung alles andere als selbstverständlich. Das hat auch Vicky Dodig gespürt, erzählt sie im Gespräch mit der „Tagespost“. „Es war eine spezielle Atmosphäre, vielleicht tiefer als sonst“, so ihr Fazit.

Das habe wohl auch daran gelegen, dass es für viele Besucher schwierig gewesen sei, aufgrund der Corona-Beschränkungen hierher zu kommen. Doch viele Pilger hätten die Stimmung gerade dadurch auch als erfüllter und gnadenreicher empfunden, berichtet die Pilgerleiterin. Dabei seien die Corona-Auflagen vor Ort nicht so streng gewesen wie in Westeuropa. Hier gelte eher das „Hausrecht“: man überlasse es den Menschen, sich der Situation angemessen zu verhalten. So habe es beispielsweise kein Weihwasser in den Becken gegeben, dennoch konnte das Programm wie in den Vorjahren stattfinden. Und das hat den jungen und junggebliebenen Teilnehmern durchaus einiges abverlangt: Bei Temperaturen, die nahezu täglich jenseits der 30-Grad-Marke lagen, standen heilige Messen, Katechesen, Zeugnisse, Kreuzverehrung, Rosenkranz oder große Gebetsabende auf dem Programm.

Medjugorje wird "Beichtstuhl der Welt" genannt

Dass sich die Jugendlichen auf dieses intensive Pensum einlassen, ist für Vicky Dodig immer wieder der Beleg dafür, dass das Jugendfestival viel mehr ist als ein „religiöses Event“. „Es geht viel tiefer, die Pilger spüren, dass es ein Ort der Gnade ist“, unterstreicht die Pilgerleiterin. Man spüre, dass die jungen Menschen auf der Suche seien, dass sie hier gerade nach der Corona-Krise der letzten zwei Jahre eine große Freude empfänden, wieder neue Hoffnung schöpften. Was Medjugorje so besonders mache, sei die Lebendigkeit des Glaubens – und diese Atmosphäre spürten die Besucher. „In Deutschland haben Sie in manchen Gemeinden fünf ältere Damen und vielleicht eine Familie – hier gibt es alleine fünf Sonntagsmessen“, so die Pilgerleiterin. Medjugorje ist für Vicky Dodig – und für hunderttausende Pilger, die Jahr für Jahr hierher kommen – ein Ort der Gnade, der Rückkehr zu Gott – der Platz, an dem sich unzählige Menschen neu für Gott entscheiden. Der „Beichtstuhl der Welt“ wird der Ort in Bosnien inzwischen genannt.

Und das wird auch im Vatikan seit einigen Jahren zunehmend zur Kenntnis genommen und positiv gewürdigt. Über die Echtheit der Marienerscheinungen, die vor genau vierzig Jahren, am 24. Juni 1981, begonnen haben sollen, hat der Vatikan bisher kein Urteil gefällt. Dem Vernehmen nach tendiert Papst Franziskus allerdings dazu, zumindest die Ersterscheinungen, in denen sich die Gottesmutter sechs Kindern gezeigt haben soll, als authentisch anzuerkennen.

Papst Franziskus erlaubt Wallfahrten nach Medjugorie

Seit 2019 hat er offiziell Wallfahrten nach Medjugorje erlaubt, so lange „keine Verwirrung oder Zweideutigkeit hinsichtlich der kirchlichen Lehre“ entstehe. In diesem Jahr wurde die wachsende Anerkennung der Weltkirche durch die Anwesenheit von Kurienkardinal Robert Sarah, dem früheren Präfekten der Gottesdienstkongregation, unterstrichen. „Das ist etwas, das uns durchaus aufgefallen ist“, sagt auch Vicky Dodig. Immer mehr Bischöfe und Kardinäle seien in den letzten Jahren hierher gekommen, und das sei sicherlich ein gutes Zeichen für den Wallfahrtsort. Bei Kardinal Sarah sei ihr vor allem seine „demütige Art“ in Erinnerung geblieben, mit der er in einer der hinteren Bankreihen vor dem ausgesetzten Allerheiligsten gebetet habe.

Gerade diese intensive Gottesbeziehung erlebt Vicky Dodig immer wieder bei unzähligen Medjugorje-Besuchern – und auch bei sich selbst. Doch das sei bei ihr nicht immer so gewesen, verrät sie im Gespräch. Denn die heutige Pilgerleiterin stammt aus Medjugorje, ist als Jugendliche oft mit ihren Eltern zu Besuch gekommen, denn aufgewachsen ist sie überwiegend in Deutschland. Als damals die ersten Berichte von Marienerscheinungen aufgekommen seien, habe sie das die ersten Jahre nicht geglaubt, die Erzählungen beiseite geschoben. „Ich wurde traditionell katholisch erzogen, bin sonntags in die Messe gegangen. Deshalb wollte ich mich auch mit Medjugorje nicht auseinandersetzen“, erzählt Vicky Dodig. Doch dann habe sie irgendwann einen intensiven Moment der Gnade gespürt, ihre anfängliche Skepsis überwunden. „Man kann gar nicht anders, als zu sagen ,Ich glaube‘“.

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Weitere Artikel
Themen & Autoren
Oliver Gierens Bischöfe Kurienkardinäle Marienerscheinungen Mutter Jesu Maria Papst Franziskus Robert Sarah Wallfahrtsorte

Kirche

Karl-Heinz Menke analysiert den „Orientierungstext“ des Synodalen Wegs. Dieser sei „durchzogen von nicht nur tendenziösen sondern auch falschen Behauptungen“.
26.09.2022, 14 Uhr
Vorabmeldung
Wie ich beim Sommerfest der KISI — God? singing Kids – im österreichischen Altmünster Christus begegnete
26.09.2022, 11 Uhr
Dorothea Schmidt