Vatikanstadt

Dispens, Demut und Birettverbot

Wie sich Bischöfe und Gläubige mit dem Motu proprio "Traditionis custodes" arrangieren.
Diskussion um "Traditionis custodes"
Foto: Sebastian Gollnow (dpa) | Das von Papst Franziskus in der vergangenen Woche erlassene Motu proprio "Traditionis custodes" hat unter Katholiken in zahlreichen Ländern eine rege Debatte ausgelöst.

Der amerikanische Bischof Thomas John Paprocki von Illinois hat in die lebhafte Debatte über die Frage, ob Papst Franziskus mit dem Motu proprio "Traditionis custodes" der "alten Messe" den Garaus bereite, mit einem Dekret eingegriffen. Unter Verweis auf Canon 87 des kirchlichen Gesetzbuchs macht er das Recht des Diözesanbischofs geltend, die Gläubigen von Disziplinargesetzen zu dispensieren, sooft dies nach seinem Urteil zu deren geistlichem Wohl beiträgt. Somit bleibt die Feier der "alten Messe" in Pfarrkirchen beispielsweise weiterhin erlaubt. Paprocki bestärkt damit die Hoffnung in Traditionalistenkreisen, der Ortsbischof könne das päpstliche Schreiben im Geist der Subsidarität und des Gehorsams so auslegen, dass sich lediglich einige Einschränkungen mit Blick auf das 2007 veröffentlichte Motu proprio "Summorum pontificum" Benedikts XVI. ergeben.

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Deutsche Bischöfe senden Entspannungssignale

Während der vormalige Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard Ludwig Müller, scharfe Kritik an "Traditionis custodes" übte, kommen aus den Reihen der deutschen Bischöfe Entspannungssignale. Das Bistum Limburg teilte mit, an "der bisher bewährten Praxis", derzufolge eigens für die außerordentlichen Form des römischen Ritus beauftragte Priester die Feier an festgelegten Orten feiern, werde sich zunächst nichts ändern".  Volker Höhler von den Freunden der "alten Messe" in Limburg äußerte gegenüber dieser Zeitung: "Die Befürchtungen des Papstes, die diesen zu der Einschränkung veranlassten, treffen auf die hiesigen Verhältnisse nicht zu." Der Rottenburger Bischof Gebhard Fürst begrüßt die Entscheidung des Papstes, die Verantwortung für die Liturgie wieder stärker in die Hände des jeweiligen Diözesanbischofs zu legen. In seinem Bistum wird die "alte Messe" durch Priester der Petrusbruderschaft an verschiedenen Standorten gefeiert. "Dies geschieht in gutem Einvernehmen und in guter Absprache." Der Vorsitzende der Liturgiekommission der deutschen Bischöfe, Bischof Stephan Ackermann (Trier), ist derzeit mit den Folgen des Hochwassers in seinem Bistum beschäftigt.

Ackermanns Pressesprecherin teilte dieser Zeitung mit, der Bischof habe noch keine Gelegenheit gehabt, sich eingehend mit dem Text zu befassen. In Demut nimmt die Petrusbruderschaft den Ukas aus Rom an. In einer Mitteilung bekräftigen sie ihre unerschütterliche Treue zum Nachfolger Petri. Zugleich hebt das Generalhaus hervor, man erkenne sich "in keiner Weise in den vorgebrachten Kritikpunkten wieder".

Manch einer versteht die Aufregung nicht

Fürstin Gloria von Thurn und Taxis vermutet, dass von der "alten Messe" offensichtlich doch eine größere Wirkung ausgeht, wenn sie so stark aus den eigenen Reihen bekämpft wird. Wer sich mit der Wirksamkeit diabolischer Kräfte abgefunden habe, wolle diese Messe natürlich verschwinden lassen, stellt sie gegenüber dieser Zeitung fest. "Wer an nichts mehr glaubt, für den dürfte die "alte Messe" schlicht ein anachronistisches Ärgernis sein."

Tatsächlich geht die Distanzierung vor der überlieferten römischen Liturgie mancherorts so weit, dass etwa der Bischof der puertorikanischen Diözese Mayagüez seinen Priestern mit Verweis auf "Traditionis custodes" verboten hat, Birett, Manipel und römische Kasel zu tragen.

Propst Gerald Goesche vom Institut St. Philipp Neri in Berlin versteht die Aufregung um das Motu proprio nicht ganz. Ihn wundere die Panik in der Umgebung des Papstes, die ihn dazu gebracht habe, seine Glaubwürdigkeit so zu beschädigen. Entspannt sieht er auf seine Gemeinde: "Man steigt niemals in den gleichen Fluss: Die jungen Leute, die heute ihre Heimat in der alten Liturgie haben, sind nicht so verunsichert wie die Katholiken der 70er Jahre."

Glaubt man der Seite "The Cathwalk", so verströmt "Traditionis custodes" geradezu den Zauber der Revolutionsromantik. "Es gibt jetzt nichts Härteres als die alte Messe", kommentiert Josef Jung. Alte weiße Männer hätten Angst vor ihr, bezeichneten ihre Anhänger als "wahre Kirche" und würden sie am liebsten vertreiben. Wer wisse, was passiere wenn man die Jugend gewähren lasse? Die alte Messe habe jetzt "absoluten Kultstatus" erreicht.

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