IM BLICKPUNKT 

Die Stimme von Kardinal Woelki wird dringend gebraucht

Der Papst hat sich nicht unter Druck setzen lassen: Kardinal Woelki und seine Weihbischöfe bleiben im Amt. Das ist in Zeiten des überschätzten Mehrheitsprinzips eine gute Nachricht.
Kardinal Woelki und seine Weihbischöfe bleiben im Amt.
Foto: Rolf Vennenbernd (dpa) | Kardinal Rainer Maria Woelki, Erzbischof von Köln, gibt im Garten des Erzbischöflichen Haus ein Statement ab. Woelki bleibt im Amt. Seine Stimme wird in Deutschland gebraucht.

Noch ehe die Synodalversammlung in Frankfurt zusammentritt, hat Papst Franziskus mit der Entscheidung, den Kölner Erzbischof und beide Weihbischöfe im Amt zu belassen, deutlich gemacht, dass er sich weder vom medialen Druck der Straße noch von Stimmungen in der Deutschen Bischofskonferenz beeindrucken lässt. Synodalität funktioniert nicht nach dem Mehrheitsprinzip, lautet die unterschwellige Botschaft aus Rom.

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Kühle Reaktion

Der kühle Hinweis des Vorsitzenden Bischof Georg Bätzing, die Entscheidung zu Kardinal Woelki erinnere ihn in manchem an das römische Vorgehen in Bezug auf seinen Amtsvorgänger in Limburg, spiegelt wohl eher das Wunschdenken des Vorsitzenden, der Vatikan möge den Metropoliten bald an die Kurie nach Rom holen. Doch wäre dies im Zug der Neubesetzung von Kurienposten nicht längst möglich gewesen? Und: Hätte eine solche Entscheidung des Papstes nicht unvermeidlich die Frage aufgeworfen, warum nur Woelkis Kopf rollen soll, der Verbleib anderer Hirten im Amt, die ebenfalls Fehler begangen haben, aber paradoxerweise vom Vorsitzenden begrüßt wird? Der Papst wirkt in der Causa Köln einer Überhöhung des Bischofsamtes entgegen, indem er das Amt aus einer realitätsfernen Aura herauslöst. Bischöfe dürfen Fehler machen, weil die Vorstellung, ein ebenso fehlbarer Nachfolger löse alle Probleme, sich früher oder später als Illusion entpuppen muss.

Nicht offen gesagt wird, dass die drei Kölner Bischöfe durchaus noch ein Wort beim Synodalen Weg mitzureden haben. Und in den Reihen der Synodalen scheinen derzeit die Nerven blank zu liegen, nachdem beide Gründungsvorsitzende sich zurückgezogen haben – Kardinal Reinhard Marx vom Vorsitz der deutschen Bischöfe und Thomas Sternberg vom Präsidium des Laiengremiums, das im Herbst turnusgemäß neu gewählt wird. Die mit teilweise unrealistischen Erwartungen befrachteten Synodalforen sind inzwischen zur Papierfabrik geworden.

Papierberge in Frankfurt

Mehr als 200 Seiten umfassen die Vorlagen, über die in Frankfurt in erster Lesung beschlossen wird. Man darf bezweifeln, dass alle Synodalen sie sorgfältig gelesen, geschweige denn, den teilweise verschwurbelten Pastoraljargon verstanden haben. Gepaart mit der Ungeduld in den Reihen des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, dessen Mitglieder teilweise hartnäckig auf Beschlüsse im Sinne der eigenen Reformagenda drängen, droht der Synodale Weg zu scheitern. Denn schon in Fulda zeigte sich das Unbehagen vieler Bischöfe an einem deutschen Sonderweg, der die Kirche nach parlamentarischen Grundsätzen neu erfinden will. Die praktische Konsequenz daraus ist die Bildung einer Sperrminorität, die Beschlüsse verhindern kann.

Die mit der Weltkirche denkende Minderheit schart sich derzeit um den Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer, die den Synodalen Prozess der Weltkirche in Treue zur überlieferten Lehre der Kirche mitgehen will, hat derzeit in der Konferenz keine Aussicht auf eine Mehrheit. Allerdings zeigt die Stimmenzahl, die Bischof Voderholzer bei der Wahl zum stellvertretenden Vorsitzenden der Glaubenskommission auf sich vereinte, die Bildung einer Sperrminorität von einem Drittel der Bischöfe denkbar ist. Alle Vorzeichen stehen auf Zuspitzung: Der neue Vorsitzende der Glaubenskommission, Bischof Franz-Josef Overbeck, hat sich im Vorfeld der Synodalversammlung mit Verweis auf das Gleichheitsprinzip erneut für die Zulassung von Frauen für Weiheämter ausgesprochen, aber auf jedes theologische Argument verzichtet. Woelkis Stimme wird in Deutschland dringend gebraucht.

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