Kommentar um „5 vor 12“

Die Kirche steht auf der Seite des Lebens

Bei der Neuregelung der Suizidbeihilfe legt Österreichs Bischofskonferenz klar und kompetent den Finger in die Wunden.
Besteck für einen assistierten Suizid
Foto: Kay Nietfeld (dpa) | Die Österreichische Bischofskonferenz positioniert sich auf der Seite des Lebens und der Gewissensfreiheit von Ärzten und Apothekern. Symbolbild: Besteck für einen assistierten Suizid.

Früher als andere hat die katholische Kirche vor einer Legalisierung der Euthanasie in Österreich gewarnt. Hellsichtiger als andere hat sie gegen die Zulassung der Suizidbeihilfe argumentiert. Härter als andere hat sie das – sagen wir es ruhig offen – Fehlurteil des österreichischen Verfassungsgerichtshofs, der die Türe zur straffreien Suizid-Assistenz öffnete, kritisiert.

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Nicht im Strafgesetz

Auch die Mängel im nun vorliegenden Gesetzesentwurf benennt die Bischofskonferenz mit bemerkenswerter gesellschaftspolitischer wie juristischer Hellsichtigkeit. Der Verfassungsgerichtshof zwingt Regierung und Parlament, die nun erlaubte Suizidbeihilfe irgendwie zu regeln. Das habe man so restriktiv wie möglich gemacht, heißt es seitens der Kanzlerpartei ÖVP. Stimmt nicht, widerspricht Österreichs Bischofskonferenz: Zwar wurde ein eng gefasstes Sterbeverfügungsgesetz konstruiert, das die Betroffenen wie das Verfahren präzise definiert, doch wurde dieses Regelwerk gar nicht im entsprechenden Strafgesetz verankert.

Mängel klar benannt

Österreichs Bischofskonferenz hat die handwerklichen und die inhaltlichen Mängel der geplanten Regelung genau benannt und öffentlich Änderungen angemahnt. Sie positioniert sich klar auf der Seite des Lebens, des Schutzes der vulnerablen Personen, der Gewissensfreiheit von Ärzten und Apothekern. Ob die Bundesregierung diese kompetent warnende und mahnende Stimme hört und ernst nimmt, wird zum Gradmesser für das politische Gewicht der Kirche im einstmals katholischen Österreich. Offenkundig ist jedenfalls bereits jetzt: Im Gegensatz zur katholischen Kirche haben die Oppositionsparteien, die meisten Medien und die viel beschworene Zivilgesellschaft den Dammbruch Suizidbeihilfe weitgehend verschlafen.

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