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Die heilige Paula von Rom: Gründerin eines Männer- und Frauenklosters

Über wenige heilige Frauen aus dem antiken Rom ist so viel bekannt wie über die heilige Paula. Die junge Witwe spendete ihr Familienvermögen und siedelte als geistliche Tochter des Kirchenvaters Hieronymus ins Heilige Land über.
Heilige Paula von Rom mit Tochter und dem Kirchenvater Hieronymus
| National Gallery of Art, Washington Francisco de Zurbaran, 1640: Die heilige Paula von Rom mit ihrer Tochter Eustochium und dem heiligen Hieronymus

Aus dem antiken Rom kennen wir zahlreiche Namen heiliger Frauen, die historisch kaum greifbar sind, da ihre Geschichten gar nicht oder nur legendenhaft aufgezeichnet wurden. Eine seltene Ausnahme bildet die heilige Paula. Sie war eine geistliche Tochter des heiligen Kirchenvaters Hieronymus, der in einem Brief einen Nachruf auf sie verfasste und uns so ein recht konkretes Bild dieser Heiligen vermittelt.

Familienvermögen gespendet

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Paola wurde im Jahr 347 in einer römischen Patrizierfamilie geboren. Hieronymus hebt den besonderen Adel ihrer Familie hervor, zu deren Stammbaum sowohl die Scipionen als auch die Gracchen gehörten. Sie heiratete einen Mann mit Namen Toxotius aus einer nicht minder illustren Familie, die mit den Juliern verwandt war und sich als Nachfahren des Aeneas verstanden. Paula und Toxotius bekamen vier Töchter und einen Sohn.

Bereits mit 32 Jahren wurde Paola Witwe und beschloss, ganz für Christus und die Kirche zu leben. Sie gründete einen Zirkel adliger Frauen, die sich dem Gebet, dem Studium der Heiligen Schrift und karitativen Tätigkeiten widmeten, und begann, das Familienvermögen unter die Armen zu verteilen. „Ihre Kinder beraubte sie“, kommentiert Hieronymus, „und den Verwandten, die sie deswegen schalten, gab sie zur Antwort, sie hinterlasse ihnen eine große Erbschaft, die Barmherzigkeit Christi.“

Auswanderung ins Heilige Land

Hieronymus, der seit 382 als Berater von Papst Damasus I. in Rom weilte, unterstützte die Frauen beim Studium der Heiligen Schrift – Paola lernte insbesondere die hebräische Sprache – und als Ratgeber für das asketische Leben. Das führte zu Gerede in der stadtrömischen Gesellschaft; ihm wurden unlautere Beziehungen zu den Frauen unterstellt. Zum Eklat kam es im Jahr 384: Paolas älteste Tochter Blaesilla fastete, obwohl sie von einer Krankheit geschwächt war, und starb. Schuld an ihrem Tod sei Hieronymus mit seiner Askese, so wurde gemunkelt.

Als im November desselben Jahres Damasus verstarb, beschloss Hieronymus, Rom zu verlassen, und schiffte sich ins Heilige Land ein. Paula und ihre Tochter Eustochium schlossen sich ihm an, zusammen mit weiteren Frauen aus dem Zirkel. Paula „enterbte sich auf Erden, um die himmlische Erbschaft antreten zu können“, schreibt Hieronymus. Danach beschreibt er ausführlich die Orte, die er mit den Frauen besuchte – Orte, die im Alten oder im Neuen Testament Erwähnung finden, vom Berg Ararat, der mit der Sintflut verbunden ist, bis hin zum Ort der Auferweckung des Lazarus und dem Berg Golgotha. „Zeit und Worte würden mir fehlen, wollte ich alle Örtlichkeiten aufzählen, an welchen die ehrwürdige Paula in ihrem übergroßen Glaubenseifer geweilt hat“, kommentiert Hieronymus.

Bau von Pilgerhospizendort,  wo Joseph und Maria keine Unterkunft fanden

„Bald darauf“, so der Kirchenvater weiter, „ließ sie sich im heiligen Bethlehem in der Absicht, ständig an diesem Orte zu leben, in einer kleinen Herberge nieder. In derselben hielt sie sich drei Jahre auf, bis sie den Bau von Zellen und klösterlichen Niederlassungen sowie eines Pilgerhospizes für die Fremden längs des Weges, auf welchem Maria und Joseph keine Unterkunft gefunden hatten, fertiggestellt hatte.“ Mit dem, was von ihrem ursprünglich großen Vermögen noch übrig war, gründete Paula ein Männer- und ein Frauenkloster. Jenes wurde von Hieronymus geleitet, während sie die Leitung der Frauengemeinschaft übernahm.

Hier starb sie am 26. Januar 406 und wurde mit großen Ehren von der christlichen Gemeinschaft im Heiligen Land bestattet, wie Hieronymus berichtet: „Sie wurde hinweggetragen von den Händen der Bischöfe, welche die Bahre auf ihre Schultern luden, und mitten in der Kirche der Geburtsgrotte des Herrn aufgestellt. Hierbei schritten andere Bischöfe mit Fackeln voraus, während andere die Chöre der Psalmensänger anführten. Eine große Volksmenge fand sich bei ihrer Beisetzung aus den Städten Palästinas zusammen. Keinen Mönch hielt seine Zelle in der Wüste zurück, keine Jungfrau hielt sich verborgen in ihren stillen Gemächern. Man hätte es für einen Frevel an Gott gehalten, einer solchen Frau nicht die letzte Ehre erwiesen zu haben.“

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