Fulda

Die deutschen Bischöfe bleiben im Dauerdissens mit Rom

Ökumene und Synodaler Weg bergen Sprengstoff für die Bischöfe. Rom setzt Stopsignale. Bischöfe weichen aus und lavieren. Der Nuntius sitzt dazwischen.
Herbstvollversammlung der deutschen Bischöfe in Fulda
Foto: dpa | Nuntius zu sein ist nicht immer leicht: Erzbischof Nikola Eterovic (2.v.li.) erlebte das in Fulda.

Die Bilanz der pandemiebedingt um einen Tag verkürzten Herbstvollversammlung der deutschen Bischöfe in Fulda fällt übersichtlich aus: Vertagt wurde die Debatte über das umstrittene Votum des Ökumenischen Arbeitskreises (ÖAK) mit Blick auf ein gemeinsames Abendmahl beim Ökumenischen Kirchentag 2021 in Frankfurt. Als schier unerschöpflich erwies sich das Konfliktpotenzial bezüglich des Synodalen Wegs und erwartungsgemäß beschlossen wurden die Anerkennungszahlungen an Opfer sexuellen Missbrauchs von bis zu 50.000 Euro im Einzelfall.

Gereizte Vorsitzende

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Nachhaltigen Eindruck auf die Vollversammlung machten die Gereiztheit des alten und neuen Vorsitzenden der deutschen Bischöfe gegenüber dem Apostolischen Nuntius, Erzbischof Nikola Eterovic. Schon vor dem Beginn der Vollversammlung hatte ihm Bätzing brieflich seinen Unmut darüber mitgeteilt, dass der negative Bescheid der Glaubenskongregation an eine wechselseitige Teilnahme an einer ökumenischen Mahlfeier samt kritischer Stellungnahme zu dem von Bätzing befürworteten ÖAK-Votum allen Bischöfen vorab zugegangen war (DT 24.9.). Ein Vorgang, den der selbstbewusst auftretende Vorsitzende in einer von „Christ & Welt“ zitierten Mail als „ungebührlich“ rügte. „Üblich und schicklich“ wäre es aus Bätzings Sicht gewesen, ihm selbst die Information der Mitbrüder vorzubehalten. Ungnädig fiel dem Vernehmen nach die Begegnung mit dem Nuntius aus: Wer darauf spekuliert hatte, das umstrittene ÖAK-Papier, für das in der Tagesordnung keine Abstimmung, sondern nur eine „Würdigung“ durch den Kontaktgesprächskreis vorgesehen war, kurzerhand an der Vollversammlung vorbei an die Adresse des einflussreichen Ökumenischen Arbeitskreis zu lenken, musste umdenken. Die römische Intervention konnte in der Vollversammlung nicht übergangen werden, nachdem aus den Reihen der Weihbischöfe der Vorschlag gemacht worden war, noch einmal über das ÖAK-Papier zu beraten. Dem Vorsitzenden zufolge gilt es nun, das Dokument einer „soliden theologischen Sichtung“ zu unterziehen und die Argumente der Glaubenskongregation „zu wägen“.

Nur ein Missverständnis?

Fraglich bleibt allerdings, ob sich am Status quo etwas ändert. Mit Blick auf das von Rom bemängelte Votum unterstrich der Pressesprecher des Ökumenischen Kirchentags, Stephan von Kolson, gegenüber dieser Zeitung, der ÖAK werde „sicherlich den Dialog suchen“, für den Ökumenischen Kirchentag bleibe das Papier jedoch „grundlegend für die Planungen“. Auch die beiden Präsidenten Thomas Sternberg und Bettina Limperg hätten dies bereits deutlich gemacht.

Bei der Abschlusspressekonferenz erschien die Intervention der Glaubenskongregation in Bätzings Darstellung plötzlich als Frucht eines Missverständnisses. Die bislang bereits verabredete Praxis bei Ökumenischen Kirchentagen gehe nicht über das hinaus, was in der katholischen Kirche möglich sei, ruderte der Vorsitzende zurück. „Das ist überhaupt nicht geplant.“ „Im Reflex eines Journalistengespräches“ sei die Rede davon gewesen, er, Bätzing habe „neue Formen der Mahlgemeinschaft angekündigt. Das sei „schlichtweg nicht der Fall und entspricht nicht der Wahrheit“, erklärte Bätzing in Anspielung auf eine von mehreren Medien zitierte Formulierung einer KNA-Meldung. Das Votum nehme die Frage der Mahlgemeinschaft von katholischer Seite auf für das evangelische Abendmahl. Das sei das eigentlich Neue.

Das Weiheamt

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Demonstrierende Frauen vor dem Fuldaer Dom signalisierten ein weiteres, vehement umkämpftes Konfliktfeld. Ungewiss bleibt, ob eine Frau für eine von den kirchlichen Gremien mit Spannung erwartete Schlüsselpersonalie – die Nachfolge des im Januar aus dem Amt scheidenden DBK-Sekretärs Hans Langendörfer SJ – erkoren wird. Kommissarisch werden Ulrich Pöner als amtierender Sekretär der DBK und Matthias Meyer als amtierender Geschäftsführer des Verbandes die Diözesen Deutschlands die Geschäfte übernehmen.

Die Frage nach der Zulassung von Frauen zum Weiheamt ist aus Sicht des Vorsitzenden nicht abgeschlossen, sondern eine „strittige Diskussion“ – ungeachtet der lehramtlich verbindlichen Aussagen der Päpste. „Wir glauben, dass wir hier theologische Argumente sammeln müssen, die man nicht einfach ad acta legen kann.“ Als angemessene Diskussionsplattform schwebt dem Vorsitzenden „die Ebene eines Konzils“ vor.

Fehlende Transparenz

Das weitgesteckte Feld des Synodalen Wegs bespielten in Fulda mehr Teilnehmer als früher. Einige Bischöfe verließen ihre Zuschauerrolle und meldeten sich zu Wort. Ein akutes Problem bleibt die fehlende Transparenz bezüglich der Arbeit in den Synodalforen. Sie spiegelt sich insbesondere in der für die meisten Delegierten nicht nachvollziehbaren Abfassung der Arbeitspapiere, die als Vorlagen für Debatten und Beschlüsse dienen sollen. Die Furcht vor einem Abdriften des Prozesses ins Chaos infolge unbegründet geweckter Erwartungen hat mittlerweile mehr als einen Bischof erfasst.

Angesichts der dogmatischen Verwirrung in deutschen Kirchenkreisen warnte Kardinal Rainer Woelki am Samstag in Rom vor „dramatischen Folgen“ durch den Reformdialog. Antworten gegen die Offenbarung, so die Befürchtung des Kölner Erzbischofs, gefährdeten die „Auslegungsgemeinschaft mit der Weltkirche“.

Einheit im Glauben

Skeptisch äußerte sich auch der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer: Im Interview mit Radio Horeb erklärte er, dass die zugespitzten Forderungen des Synodalen Wegs dem Primat der Neuevangelisierung und der Einheit der Kirche, die die Einheit im Glauben und in der Moral einschließe, entgegenstünden. „Deshalb bergen sie die Gefahr einer Spaltung.“ Dies gelte insbesondere für die von Johannes Paul II. definitiv ausgeschlossene Weihe von Frauen, einer Lehre, der sich auch die Ostkirchen anschließen. Den Reformbedarf innerhalb der Kirche versteht Voderholzer als das Wahrnehmen des Umkehrrufes Jesu, der jedem Einzelnen gilt: „Wir sind als Kirche nicht berufen, der Zuckerguss zu sein über den Erscheinungsformen des Zeitgeistes, sondern haben im Licht der Offenbarung Gottes manchmal auch Kontrastgesellschaft zu sein.“

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