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Christen in Nahost: „Dann spien sie ihm ins Angesicht…“

Die Lage der Christen im Heiligen Land ist besorgniserregend – auch aufgrund jüdischer Fanatiker. 
Pater Nikodemus Schnabel wurde in Jerusalem auf offener Straße angespuckt
Foto: Stefanie Järkel (dpa) | Pater Nikodemus Schnabel wurde in Jerusalem auf offener Straße angespuckt: Nur ein Beispiel für den wachsenden Hass auf Christen in Israel.

Erneut ist Pater Nikodemus Schnabel, der Abt der deutschen Benediktinerabtei Dormitio, in Jerusalem körperlich angegangen und angespuckt worden. Auf einem Video, das auf der Plattform X (ehemals Twitter) verbreitet wurde, ist zu sehen, wie Schnabel in Begleitung der Journalistin Natalie Amiri aus heiterem Himmel von zwei halbstarken orthodoxen Juden angegangen wird. Dass der Abt kein zufälliges Opfer war, sondern als Christ ins Visier geriet, wurde anhand der blasphemischen Invektiven gegen Jesus deutlich, mit denen die Täter ihren Angriff begannen und beendeten. Kardinal Pizzaballa, der Lateinische Patriarch von Jerusalem, verurteilte die Attacke scharf und gab an, er sei über die Verhaftung der Täter informiert worden.

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Schnabel ist schon öfters derartigen Attacken ausgesetzt gewesen, aber nicht nur er: Die Christen im Heiligen Land werden zunehmend von jüdischen Fanatikern drangsaliert. Zumindest von der israelischen Presse ist der um sich greifende Christenhass längst erkannt und auch ungeschönt benannt worden. So berichtete etwa die „Times of Israel“ im letzten Jahr mehrfach von Übergriffen auf Christen. Insbesondere in der Jerusalemer Altstadt sind Spuckattacken von orthodoxen Juden auf Christen keine Seltenheit.

Christen Opfer eines israelischen Scharfschützen

Entscheidender Teil des Problems dürfte sein, dass der tief sitzende Christenhass inzwischen auch in der Regierung seine Vertreter hat. So meinte der Minister für die Nationale Sicherheit Israels, Itamar Ben-Gvir, im Oktober 2023 zu den christenfeindlichen Vorfällen lapidar, er denke immer noch, dass Christen anzuspucken kein strafrechtliches Vergehen sei. Elisha Yered, eine Führungsfigur der Siedlerbewegung, verteidigte die widerwärtigen Angriffe sogar offen als „alte jüdische Tradition“.

Angespien zu werden, ist nicht das Einzige, was Christen im Heiligen Land derzeit zu befürchten haben. Auch Berichte über den Vandalismus christlicher Grabstätten und Gotteshäuser gab es im letzten Jahr zuhauf. Am schlimmsten geht es derzeit allerdings der christlichen Minderheit in Gaza, die völlig unschuldig unter den unerbittlichen Angriffen der israelischen Armee leidet. Im Dezember erschoss ein Scharfschütze der israelischen Armee Samar Anton und ihre Mutter Nahida auf dem Gelände der katholischen Pfarrei „Heilige Familie“, wo sich vornehmlich Ordensfrauen um Kranke und Behinderte kümmerten. Papst Franziskus fand eine deutliche Sprache und nannte die Tötungen unumwunden „Terrorismus“. Bedauerlich, dass die klare Ansage des Papstes nicht das mediale Echo bekommen hat, die sie verdient hätte.

Schnabel: als wahrer Christ auf die Angriffe reagiert

Bei einem Vortrag in Budapest im Januar dieses Jahres betonte Kardinal Pizzaballa, dass die wenigen verbleibenden Christen im Gazastreifen sich trotz des Kriegsschreckens in einer privilegierten Situation befänden: Im Gegensatz zu den allermeisten anderen Bewohnern von Gaza hätten sie im Norden bleiben dürfen und hätten dort zumindest Zugang zu humanitärer Hilfe. Seit der Machtergreifung der Hamas 2007 ist die Zahl der Christen im Gazastreifen aufgrund von Emigration und sinkender Geburtenraten von rund 3.000 auf etwa 1.000 gefallen: Die Christen in Gaza wurden zwischen der lähmenden Blockade Israels einerseits und der islamistischen Politik der Hamas andererseits aufgerieben.

Pater Schnabel hat derweil auf vorbildliche Weise, das heißt: als wahrer Christ, auf die erneuten Angriffe gegen ihn reagiert. Er habe – wie immer – für die Täter gebetet. Zugleich wünsche er, dass die jüdische Bevölkerung Israels sich mehr des wachsenden Problems des Christenhasses bewusst werde. Man dürfe nicht den „religiösen Hooligans“ das Feld überlassen. Als Christ kann man nur hoffen, dass diese Worte in Israel Gehör finden. 

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