Wien

„Allahu akbar“ erschallt im Stephansdom in Wien

Randale in Kirchen. Sebastian Kurz will den „Kampf gegen den politischen Islam entschieden weiterführen. Der Kampfruf im Dom ist ein Fanal.
Schönborn, Kurz
Foto: Kathbild/Rupprecht | Bundeskanzler Kurz, hier mit Wiens Kardinal Schönborn, ist gegen falsch verstandene Toleranz.

Es war wie ein trauriges Präludium zu dem Terroranschlag, der am Montagabend die Wiener Innenstadt lahmlegte: Etwa 30 Jugendliche drangen in der Vorwoche in die Wiener St. Antons-Kirche ein, wo sie herumschrieen, gegen Bänke, Beichtstühle und das Taufbecken traten, aber niemanden verletzten. Als der Pfarrer die Polizei rief, konnte die Jugendbande entkommen. Laut Medienberichten handelte es sich um türkischstämmige Jugendliche, die „Allahu akbar“ riefen. Anderen Quellen zufolge sollen es Flüchtlinge mit syrischer oder afghanischer Staatsbürgerschaft gewesen sein. Der Vorfall wurde von einer Überwachungskamera aufgezeichnet.

Dom gesperrt

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Am Samstag kam es dann im Stephansdom, der Kathedrale Wiens, zu einem Zwischenfall: Gegen acht Uhr morgens rief ein 25-jähriger Mann aus Afghanistan im Inneren des Domes „Allahu akbar“. Der verwirrt wirkende Mann wurde von Polizisten festgenommen und einem Amtsarzt vorgeführt.

Der Stephansdom musste gesperrt und durchsucht werden. Der Verfassungsschutz ermittelt. Die Polizei verstärkte ihre Präsenz vor einigen Kirchen Wiens. Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) wandte sich auf Twitter gegen falsch verstandene Toleranz: „Alle Christen müssen in Österreich frei und in Sicherheit ihren Glauben ausüben können! Wir werden den Kampf gegen den politischen Islam entschieden weiterführen und hier keine falsche Toleranz zeigen.“

Innenminister Karl Nehammer (ebenfalls ÖVP) verurteilte die Vorkommnisse: „Wir lassen uns in Österreich das Recht auf freie Religionsausübung niemals zerstören und werden die christliche Gemeinschaft mit allen unseren Kräften schützen.“ Er habe den Generaldirektor für die Öffentliche Sicherheit angewiesen, alle Polizeidienststellen zu sensibilisieren und den öffentlichen Raum insbesondere im Hotspot Favoriten verstärkt zu überwachen, so der Innenminister.

Imam sieht Angriff auf Grundprinzipien des Islam

Die Erzdiözese Wien verurteilt die Taten der Randalierenden und erwartet rasche Aufklärung und Konsequenzen. „Das Ganze ist eine ernste Sache: Gläubige haben das Recht, ungestört ihre Religion ausüben zu können. Dieses Recht ist eine der Säulen eines friedlichen Zusammenlebens und muss geschützt werden, gerade in Wien, wo der Religionsfriede vorbildlich ist“, erklärte Diözesansprecher Michael Prüller. Rund um die Antoniuskirche in Wien-Favoriten habe es seit zwei Wochen verstärkte Wahrnehmung von Belästigungen durch eine Jugendbande gegeben, die zuletzt eskaliert seien, so Prüller. „Wir sind mit der Polizei diesbezüglich in gutem Kontakt und gehen davon aus, dass sie das Problem rasch in Griff bekommt und es entsprechende Konsequenzen gibt.“ Es brauche Klarheit über die Hintergründe, Motive und Ziele. Mehrere prominente Muslime in Österreich distanzierten sich von den Übergriffen.

Frieden nicht gefährden

So telefonierte der Präsident der „Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich“ (IGGÖ), Ümit Vural, mit dem Wiener Kardinal Christoph Schönborn, um ihn seiner Solidarität zu versichern. Auf Twitter schrieb Vural, für ihn mache es keinen Unterschied, ob eine Kirche oder eine Moschee angegriffen werde. „Der Friede in unserer Gesellschaft darf nicht gefährdet werden. Die Causa ist aufzuklären und die Verantwortlichen sind zur Rechenschaft zu ziehen. Volle Solidarität mit dem Wiener Kardinal.“ Die IGGÖ setzte unterdessen mit einer Mahnwache vor der Favoritener St. Antons-Kirche ein Zeichen.

Nicht hinzunehmen

Imam Ramazan Demir, der Dozent an der kirchlichen pädagogischen Hochschule Wien-Krems ist, schrieb auf Facebook, er sei „erschüttert über den Angriff einer Gruppe muslimischer Jugendlicher auf die Kirche“. Es sei „unfassbar und nicht hinzunehmen“, dass diese ein Gotteshaus stürmten und „Allahu akbar“ schrien. Der Angriff auf eine Kirche sei „ein Angriff auf die Grundprinzipien im Islam“.

Zu einer Gewalttat kam es auch in Graz: Ein 19-jähriger Afghane versetzte einer 76-jährigen Ordensschwester einen Faustschlag aufs Ohr. Der Mann, der bereits polizeibekannt war wegen Suchtmitteldelikten und Körperverletzung, wurde in eine Anstalt eingewiesen und angezeigt.

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