Vatikanstadt

Eine historische Marienweihe

Sternstunde der Synodalität: Alle Bistümer im deutschsprachigen Raum folgen dem Papst und empfehlen Russland und die Ukraine dem Unbefleckten Herz Mariens.
Papst Franziskus
Foto: IMAGO/ALESSIA GIULIANI / ipa-agency.ne (www.imago-images.de) | Papst Franziskus kann beim Weiheakt im Rahmen einer Bußfeier am Hochfest der Verkündigung des Herrn auf einmütige Unterstützung der Bischöfe im deutschsprachigen Raum zählen.

Die Tragödie in Osteuropa eint die Katholiken im deutschsprachigen Raum. Auf die spontane Entscheidung des Papstes, angesichts des russischen Angriffskriegs Russland und die Ukraine dem Unbefleckten Herz Mariens zu weihen, reagieren die Bistümer im deutschsprachigen Raum derzeit mit einem bemerkenswerten Schulterschluss.

Einmütige Unterstützung der deutschen Bischöfe

Kirchenpolitische Lagerbildungen spielen zumindest am 25. März keine Rolle: Papst Franziskus kann beim Weiheakt im Rahmen einer Bußfeier am Hochfest der Verkündigung des Herrn auf einmütige Unterstützung der Bischöfe im deutschsprachigen Raum zählen   trotz des kurzen zeitlichen Vorlaufs. Erst am Wochenende hatten die Apostolischen Nuntiaturen die Diözesen eingeladen, sich am Weiheakt zu beteiligen.  Das Schreiben ist auffallend unklerikal und lässt durchblicken, wie der Papst Synodalität versteht: Die Bistümer als solche   nicht allein die Bischöfe   sind angesprochen. Etliche Hirten in Deutschland und Österreich werden die Weihe in ihrer Bischofskirche mitvollziehen.

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In Köln wird sich Kardinal Rainer Maria Woelki um 17 Uhr im Dom der Weihe anschließen. Auch der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker, der Limburger Bischof Georg Bätzing, Vorsitzender der deutschen Bischöfe, Aachens Bischof Helmut Dieser, Münsters Bischof Felix Genn, der Würzburger Bischof Franz Jung, der Erfurter Bischof Ulrich Neymeyr, der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer und der Fuldaer Bischof Michael Gerber tun dies in ihren Domkirchen. In den Bistümern Fulda, Görlitz und Hamburg sind zudem alle Kirchengemeinden aufgerufen, den Akt des Heiligen Vaters mitzuvollziehen. 

Auch österreichische Diözesen ziehen mit

In Augsburg erneuert Bischof Bertram Meier die Weihe im Rahmen des Nightfever-Gottesdienstes, mit dem die Aktion "24 Stunden für den Herrn" schließt. Der Augsburger Oberhirte hat eigens ein Gebet um Frieden in der Ukraine formuliert. Im Bistum Essen werden in der Kathedralkirche alle drei heiligen Messen des Tages in diesem Anliegen gefeiert. Bischof Franz-Josef Overbeck wird die Weihe zudem auch in seiner Funktion als Militärbischof vornehmen. Zusagen, die Weihe mitzuvollziehen, liegen auch aus den Bistümern Freiburg, Dresden, Eichstätt, Hildesheim, Mainz, München-Freising, Osnabrück, Passau, Rottenburg-Stuttgart, Trier und Speyer vor. 

Im Erzbistum Bamberg schließt sich Erzbischof Schick um 17 Uhr einer per Livestream übertragenen Andacht mit der Bitte um Frieden gemeinsam mit Andrii Khymchuk, dem Pfarrer der griechisch-katholischen Gemeinde, und Ionut Paun, dem Pfarrer der rumänisch orthodoxen Gemeinde, der Weihe an. 

Auch die österreichischen Diözesen vollziehen die Marienweihe mit. Der Wiener Kardinal Christoph Schönborn tut dies im Rahmen einer Kreuzwegandacht im Stephansdom zeitgleich mit dem Papst um 17 Uhr.

In einer Linie mit den Vorgängern

Mit der Weihe Russlands und der Ukraine an das Unbefleckte Herz Mariens stellt sich Papst Franziskus in eine Linie mit seinen Vorgängern und bekennt sich zugleich zur Botschaft Mariens in Fatima: Pius XII. hatte 1942 die ganze Welt und 1952 die Völker Russlands dem Unbefleckten Herzen geweiht. Auch Paul VI., Johannes Paul II. und Benedikt XVI. empfahlen die Welt auf diese Weise der Gottesmutter. Zeitgleich wird die Marienweihe am Freitag in Fatima von Kardinal Konrad Krajewski vollzogen. Medienangaben zufolge wird sich auch der emeritierte Papst Benedikt XVI. den Betern anschließen.

Die Marienweihe des Papstes in Verbindung mit den Bistümern der Weltkirche stellt einen wohltuenden Kontrast zur Vereinnahmung Mariens für die Politik des Kreml durch den Moskauer Patriarchen Kyrill dar. Der Papst stellt das Licht der Königin des Friedens auf den Scheffel. Es soll nicht nur die geprüften Menschen in der Ukraine trösten, sondern auch christlichen Schafen, die sich von Putin blenden lassen, heimleuchten.

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