Wir treffen uns diesmal im „Centro storico“, weil Herr Professor gerade dabei war, als Roms berühmteste Universität „La Sapienza“ dem Papst einen nahezu triumphalen Empfang bereitet hat. „La Taverna“ bietet typisch römische Küche, überzeugt haben uns aber die Preise, die draußen auf der Speisekarte eine gnädige Rechnung verheißen. „La Taverna“ liegt mitten im alten Stadtteil Monti bei den Kaiserforen, beziehungsweise dem, was von Monti übriggeblieben ist, nachdem Mussolini die Paradestraße „dei Fori Imperiali“ mitten durch das Viertel geschlagen hat. Wir starten mit einem Lachs-Carpaccio und Rucola sowie einer Karaffe Weißwein des Hauses und bestellen gleich für danach „Lasagna dello chef“ – klingt doch irgendwie nach etwas Besonderem.
Also: Leo XIV. kam, sah und siegte. Die „Sapienza“ lag ihm zu Füßen. 2008 das Gegenteil: Benedikt XVI. kam erst gar nicht, sah also auch nichts und musste sich geschlagen geben. Der Theologen-Papst sollte am 17. Januar vor 18 Jahren das Akademische Jahr im Tempel der Weisheit einweihen, doch 67 Professoren und zahlreiche Studenten – Autonome, Radikale, die üblichen Linken – wollten den Papst erst gar nicht ihre Alma mater betreten lassen, einen Mann, der, wie sie sagten, fortwährend die aufgeklärte Wissenschaft beleidige. Eine Demo und Protestaktionen drohten damals, zwei Tage vor dem Event sagte der Vatikan den Besuch dann ab. Seine ausfeilte Vorlesung über Glauben, Wahrheit und Vernunft steht unter den Ansprachen Benedikts immer noch auf der Homepage des Vatikans.
Papst soll kein akademisches Jahr eröffnen
Herr Professor hat die jüngste Ausgabe der Tageszeitung „La Repubblica“ mitgebracht und schlägt lächelnd die Seite mit einem kurzen Interview auf, das ein gewisser Giorgio Parisi zu Leos Papstbesuch in der „Sapienza“ gegeben hat. Parisi ist ein bekannter Akademiker, hat 2021 den Nobelpreis für Physik erhalten – und führte 2008 die Gruppe der Dozenten an, die in einem Brief an den Hochschulrektor gegen den Besuch des deutschen Papstes protestierten. Diesen Protest wiegelt der Nobelphysiker jetzt in „La Repubblica“ mit einem lapidaren Satz ab: „So wie man den Präsidenten der Republik nicht einlädt, das Heilige Jahr zu eröffnen, so lädt man auch keinen Papst ein, ein akademisches Jahr zu eröffnen.“
Was für ein Unsinn, meint Herr Professor. Erstens sei die „Sapienza“ 1303 mit der Bulle „In Supremae praeminentia Dignitatis“ von Bonifatius VIII. gegründet worden. Zweitens sei Joseph Ratzinger einer der bedeutendsten Intellektuellen des 20. Jahrhunderts mit einer unerschöpflichen Bibliografie. Ihn so zu behandeln, als sei er nur eine religiöse Autorität gewesen, die der Welt der Universität fremd sei, sei ja lachhaft. Papst Benedikt hätte dort als Gelehrter gesprochen – und als Bischof von Rom, wie sich jetzt auch Leo XIV. den Dozenten und Studierenden vorgestellt hat.
Bei einer „Pizza Diavola“ mit scharfer Salami kann sich Herr Professor über diesen Wandel nur noch wundern: Heute eine hymnische Begrüßung des amerikanischen Papstes durch die Rektorin der Universität, die meisten Studenten in der Aula magna trugen Krawatte, viele der Studentinnen ein ordentliches Kleid, die Dozenten klatschten strahlend, auch Giorgio Parisi in der vordersten Reihe der Ehrengäste. Standing Ovation nach der Ansprache des Papstes. Ob das der „Vibe Shift“ ist, das Ende der linken Woke-Kultur, von der manche sprechen? Herr Professor hat seine alte „Sapienza“ nicht wiedererkannt, wo man zu seiner Zeit Parka trug und den alten Che Guevara an der Wand hängen hatte. Jedenfalls haben wir mit der „Taverna“ einen Glückstreffer erzielt und geben ihr volle zehn Punkte. Alles war fein und gut – und preiswert noch dazu.
„La Taverna“ liegt in der Nähe der alten Kaiserforen, in der Via della Madonna dei Monti, Hausnummer 16.









