Vierte Synodalversammlung

Der Papst spricht Klartext

Vor der vierten Synodalversammlung lässt ein Interview mit Papst Franziskus aufhorchen. Reform ist für den Nachfolger Petri alles andere als ein demokratischer Prozess.
Papst Franziskus - Generalaudienz
Foto: Alessandra Tarantino (AP) | Papst Franziskus segnet Gläubige und Pilger während seiner wöchentlichen Generalaudienz auf dem Petersplatz im Vatikan.

Im Vorfeld der vierten Synodalversammlung wächst bei manchen Beobachtern die Ungeduld. Von einem neuen Konzil bis zu eindeutigen Imperativen, es müsse nun endlich etwas geschehen, funken deutsche Synodale ihre Ansprüche in Richtung Rom. Legt man die Mehrheitsmeinung der Synodalversammlung zugrunde, soll der Reformparcours vor allem schneller und radikaler absolviert werden. Scheinbar schlechte Karten hat die traditionsorientierte Minderheit. Unter nicht wenigen Synodalen gelten jene, die aus den Voten der Mehrheit die vermeintliche Stimme des Heiligen Geistes nicht herausgehört haben, als „quantité négligeable“.

Zölibat hat mit Missbrauch nichts zu tun

Wie wenig sich der Papst von dem Geschehen beeindrucken lässt, zeigt sein aktuelles Interview im TV-Sender CNN Portugal. Zunächst leuchtet der Pontifex allen heim, die die Missbrauchskrise für die Aufweichung des Zölibats instrumentalisieren: Sexueller Missbrauch und die freiwillige Ehelosigkeit der Priester haben Papst Franziskus zufolge nichts miteinander zu tun. Missbrauch sei eine „zerstörerische, menschlich teuflische Sache“ und passiere an vielen Orten, vorrangig in Familien, in denen es den Zölibat nicht gebe, lautet die klare Ansage.

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Aber auch für jene besorgten Gläubigen, die sich wünschten, dass der Vatikan dem synodalen Treiben in Deutschland strengere Grenzen setzte und dogmatische Lockerungsübungen bereits im Vorfeld der Weltbischofssynodeunterbinde, ehe diese als Reformvorschläge etikettiert in den Synodalen Prozess der Weltkirche einfließen, hat der Papst eine Botschaft: Man müsse den Reformprozess erst einmal „an sein Ende kommen lassen“.

Die Kluft zwischen Papst und Synodalem Weg ist groß

Die Bischöfe müssten nicht nur darauf achten, dass sich die Gläubigen, die schneller unterwegs seien, nicht verirren, sondern hätten sich auch „beim Volk in der Mitte“ aufzuhalten und denen nahe zu sein, die Veränderungen zögerlich gegenüberstünden. Gerade der päpstliche Hirtenblick auf die Minderheit zeigt, wie groß die Kluft zwischen dem argentinischen Pontifex und dem deutschen Synodalen Weg mittlerweile ist. Franziskus verliert kein Wort über demokratische Beschlüsse oder Mehrheitsvoten.

Der Heilige Geist – nicht das Kirchenvolk – ist für den Heiligen Vater der eigentliche Protagonist des Synodalen Wegs. Und einen Bogen zwischen dem Wehen des Geistes und der Mehrheit schlägt der Papst nicht, im Gegenteil: Ausdrücklich unterstreicht er, dass der Synodale Prozess kein Parlament sei. Wenn sich die Synodalversammlung, die in dieser Woche in Frankfurt tagt, diesen Anspruch des Papstes zu eigen machte, bliebe kein Stein auf dem anderen.

Paukenschlag mit Ansage

Die Strategie des Papstes, alle ausreden zu lassen und am Ende selbst zu entscheiden, ist daher ein Paukenschlag mit Ansage. Nichts deutet darauf hin, dass sich Papst Franziskus im Herbst 2023 deutschen Mehrheitsvoten zu beugen gedenkt oder auch diese auch nur fördert. Dass der argentinische Pontifex entspannt auftreten und zugleich autoritär entscheiden kann, lernt der Malteserorden gerade (S. 13).

Papst Franziskus fürchtet weder Alleingänge noch Ad-hoc-Entscheidungen. Ohne das Ringen einer Ordensgemeinschaft um den zukünftigen Kurs mit dem Synodalen Prozess auf eine Stufe zu stellen: In diesen Tagen tritt ein Charakterzug des Papstes hervor der synodale Wunscheuphoriker aufwachen lassen sollte.

Ausführliche Berichte zur Vierten Synodalversammlung lesen Sie in der kommenden Ausgabe der "Tagespost".

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