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Das Wunder von Amerika

Papst Leo hat die Bischöfe seines Landes geeint. Darauf ein Mahl, wie es römischer nicht sein könnte.
Er Marchese
Foto: Guido Horst | Die Trattoria „Er Marchese“ liegt schräg gegenüber der deutschen Nationalkirche in der Via di Santa Maria dell‘Anima, Hausnummer 14.

Besondere Zeiten erfordern besondere Lokalitäten. Es ist Ostern, ein so außerordentliches Fest, dass man es acht Tage lang feiert. Der römische Kollege war in der Nähe bei einem Interview und wir verabreden uns im „Er Marchese“. Das „Er“ am Anfang ist der „römischen Lautverschiebung“ geschuldet, ohne Dialekt würde es „Il Marchese“ heißen, „Der Marquis“. Ganz so gräflich geht es hier nicht zu. Wie alle Lokale um die Piazza Navona herum ist auch unsere Trattoria vor allem für Touristen da. Aber sie gehört zu den besseren und gepflegt römisch essen kann man hier allemal. Wir bestellen also „Carciofi alla Romana“, Artischocken auf römische Art, dazu „Puntarelle“, mit Sardellen und Knoblauch angemachtem Spargelchicorée, und für jeden eine „Bruschetta al pomodoro“ – römischer geht es wohl nicht.

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Wieder feiern wir eine Osterwoche, in der vor einem Jahr Papst Franziskus gestorben ist. Auf Fotos und Kalendern ist er in den Andenkenläden noch ganz präsent, doch bei den Medien ist Leo jetzt der Star. Also einen guten Schluck Weißwein auf unseren neuen Papst, und mit dem kräftigen roten Wein zur „Pasta amatriciana“ wollen wir gleich auf Franziskus anstoßen. Ob er es wollte oder nicht – Papst Leo ist auf dem internationalen Parkett zum wohl einzigen Friedensmahner geworden, der noch Profil und Statur hat. Der römische Kollege ist sich sicher, dass wir bisher von „Papa Prevost“ kein einziges Wort gehört oder gelesen haben, das von ihm selber stammt – abgesehen von seiner „Begrüßungsansprache“ am 8. Mai. Und der Kollege glaubt zu wissen, dass die päpstlichen Redenschreiber immer noch dieselben wie unter Franziskus sind. Sie mixen den heiligen Augustinus hinein, dann Zitate von den letzten Päpsten und allmählich auch Sätze aus den ersten Botschaften zu den jährlich begangenen Welttagen von Papst Leo. Aber Schriften von Robert Prevost, an denen man sich orientieren könnte, die gibt es nicht.

Bis auf Kardinal Burke soweit alle auf Papstkurs

Wir sind inzwischen bei der „Coda alla vaccinara“ angelangt, geschmortem Ochsenschwanz mit Möhrenscheibchen, und der römische Kollege merkt an, wie mit Papst Leo die Spaltung der US-amerikanischen Bischöfe völlig verschwunden ist. Jetzt reden sie wie mit einem Mund – auch gegenüber ihrem Präsidenten, der noch vor einem Jahr mit Wolodymyr Selenskyj im Petersdom saß. Der Kollege hat mal genauer hingeschaut, beziehungsweise den Audiomitschnitt mehrfach abgehört. Als Papst Leo die von Donald Trump angedrohte Vernichtung der iranischen Gesellschaft als „völlig unakzeptabel“ bezeichnete, sprach er vor den Journalisten zunächst Italienisch und wiederholte seinen Appell auf Englisch. Im Italienischen sprach er von Katholiken, die sich an ihre Abgeordneten wenden sollten, um die Politik zum Dialog zu drängen. Auf Englisch aber sprach er von den Gläubigen, die ihre „congressmen“ in die Pflicht nehmen sollten, um Druck auf die politischen Entscheidungen auszuüben. So sprächen die amerikanischen Bischöfe, wenn sie die Katholiken aufforderten, den Kongress aufzumischen, auch die Republikaner, fügt der Kollege an. Da spreche Papst Leo deren Sprache – und es habe, bis auf den unseligen Kardinal Raymond Burke, bisher jeder Bischof in den Vereinigten Staaten die Linie des Papstes voll geteilt.

Wie anders war das doch unter Papst Franziskus gewesen! Da war der amerikanische Episkopat noch zweigeteilt. Darauf noch einen Amaro. Es war alles gut beim „Er Marchese“, der Herr Marquis versteht sich auf römische Küche. Aber wegen der eher normalen Durchschnittlichkeit gibt es zwei Punkte weniger auf unserer Zufriedenheitsskala, die wir uns dann doch für die ganz exzellenten Adressen aufheben möchten.

Die Trattoria „Er Marchese“ liegt schräg gegenüber der deutschen Nationalkirche in der Via di Santa Maria dell‘Anima, Hausnummer 14.

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