Kardinalskonsistorium

Brennen, frei sein, staunen können

Auch beim Konsistorium mit den Kardinälen hat Papst Franziskus bewiesen, dass ihn Strukturen nicht so sehr interessieren, sondern dass er Mentalitäten ändern will. Ein Kommentar.
Papst Franziskus feiert Messe mit neuen Kardinälen
Foto: Andrew Medichini (AP) | Papst Franziskus winkt den Kardinälen während einer Messe, die er im Petersdom für die neuen Kardinäle zelebriert.

Jetzt, da das Konsistorium mit knapp zweihundert alten und neuen Kardinälen stattgefunden hat, ist die Römische Kurie – um die es ja hauptsächlich ging – keinen Deut besser aufgestellt als vorher. Zumindest einige Präfekten hätte Franziskus ernennen oder bestätigen können. Wer wird Chef des Dikasteriums für Bildung und Kultur? Wer werden die beiden Pro-Präfekten (Präfekt ist Franziskus selber) des zentralen Dikasteriums für die Evangelisierung sein?

Auch anderen Führungspositionen, deren Inhaber knapp vor der Achtzig-Jahr-Marke stehen, täte eine frische Kraft an der Spitze gut. Zumal Vatikan und Weltkirche mit kräftigen Schritten auf ein Datum zueilen, das in der Vergangenheit immer ein Meilenstein war: 2025 steht das nächste Heilige Jahr ins Haus. Das jüngste Weltfamilientreffen hat dezentral stattgefunden und keine Menschenmassen in die Ewige Stadt geführt. Aber in einem Heiligen Jahr wollen die Gläubigen „an die Schwelle der Apostelgräber“ pilgern. Da ist dann das Organisationstalent des gesamten Vatikans in allen seinen Gliederungen gefragt.

Akzente, die den deutschen Bischöfen in den Ohren klingen müssen

Aber das kuriale Alltagsgeschäft interessiert Franziskus nicht so sehr. Stattdessen will er Mentalitäten ändern. Und tatsächlich hat er die Gelegenheit des Konsistoriums und seines Kurzbesuchs in L'Aquila genutzt, drei Akzente zu setzen, die gerade den deutschen Bischöfen in den Ohren klingeln müssten.

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Der Synodale Weg hat keine Aufbruchstimmung erzeugt, sondern, bevor er dann in der großen Frustration enden wird, viele kleine Friktionen und Enttäuschungen geschaffen, die die Bischöfe als verantwortliche Hirten des Gottesvolks eher verzagt als beflügelt dastehen lassen. Kann es sein, dass Franziskus jetzt in Rom auch in ihre Richtung gesprochen hat?

Der Dienst der Hirten ist eine „feurige Mission“, so die erste Lektion des Papstes. Was die Bischöfe entfachen müssen, ist das Feuer des Heiligen Geistes. Der Herr, so Franziskus, wolle bei denen, die leiten, apostolischen Mut, Eifer für das Heil der Menschen, aber auch Nähe, Mitgefühl und Zärtlichkeit. Alles das steht in krassem Widerspruch zu dem bürokratischen Kirchenapparat, der jetzt im Synodalen Weg seinen Ausdruck findet.

Frei bleiben von der Logik dieser Welt

Statt des brennenden Feuers der Gegenwart Jesu Christi in seiner Kirche vermittelt er nur die bleierne Schwere einer papierlastigen Gremienarbeit.
Zweite Lektion des Papstes: Frei bleiben von der Logik dieser Welt. Keine Strategien, keine menschlichen Mittel tragen diejenigen, die vollkommen auf den Herrn vertrauen und seinen Willen kennen. Ausgerechnet den Rücktritts-Papst Coelestin V. pries Franziskus als leuchtendes Vorbild, weil dieser Karriere, Macht und Ansehen entsagte und in seiner Demut Stärke zeigte. „In ihm bewundern wir eine Kirche, die frei ist von der Logik dieser Welt und Zeugnis ablegt für den Namen Gottes, der Barmherzigkeit ist.“

Und schließlich die dritte Lektion: Staunen können. Staunen angesichts der „unergründlichen göttlichen Entscheidung“, das Werk der Evangelisierung dieser Welt einer armseligen Gruppe von Jüngern anzuvertrauen – damals wie heute. „Staunen darüber, dass wir in der Kirche sind, dass wir Kirche sind!“ Brennen, frei sein und staunen können, diese dreifache Lektion des Papstes verweist in eine völlig andere Richtung als jene, die Strukturen ändern will, um sich der Welt weiter anzupassen.

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