IM BLICKPUNKT

Ohne Gott wird es kalt in der Kirche

Die vierte Synodalversammlung läutet eine kirchliche Eiszeit ein. Progressive Reformforderungen bei gleichzeitiger Vermeidung der Spaltung erweisen sich als eine Illusion. Die Sakramentale Verfassung löst sich auf.
Synodaler Weg
Foto: SYNODALER WEG / MAXIMILIAN VON LACHNER | Die Masken sind gefallen. Der Synodale Weg wird die Kirche vollends säkularisieren.

Wer die Texte liest, die auf der vierten Synodalversammlung in letzter Lesung verabschiedet werden sollen, dem läuft ein eisiger Schauer nach dem anderen über den Rücken (siehe S. 12 und 13). An den Grundfesten der Kirche wird nicht nur gerüttelt, ihre völlige Schleifung ist das nunmehr offen erklärte Ziel. Von Anfang an stand die Frage nach dem Wesen der Kirche als rosa Elefant im synodalen Raum: menschengemacht oder gottgegeben?

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Keine Überraschung

Wenig überraschend hat sich das Kirchenbild der synodalen Mehrheit durchgesetzt, welche weder den göttlichen Ursprung noch die sakramentale Verfassung der Kirche akzeptiert. Ob die Mehrheit genauso aussehen würde, wenn neben der streitenden auch die leidende und die triumphierende Kirche mitstimmen dürfte, darf bezweifelt werden. Heilige und arme Seelen hat aber niemand befragt, denn im Synodalen Raum gilt ein eher mittelalterliches Verständnis von Abstimmungen: Gewinnt, wer als Erster redet und sich am lautesten zu Wort meldet. 

Am Ende steht ein um sein übernatürliches Wesen beschnittenes Gebilde, dessen Mitglieder nicht in Liebe und dem Bewusstsein einer gemeinsamen Sendung aufeinander blicken, sondern sich gegenseitig misstrauisch beäugen. Denn rechnet man Gott aus der Kirche heraus, werden ihre Grundelemente Priestertum und sakramentale Vollmacht unverständlich. Nur von der Ewigkeit her betrachtet ist es sinnvoll, dass in der Kirche Macht und Amt an eine Weihe gebunden sind, die in apostolischer Sukzession direkt von Christus selbst kommt.

Sowjets bestimmen

Und dass das Streben nach Heiligkeit die einzige Ambition ist, die jedem Christen gut zu Gesicht steht. Doch selbst in einer rein menschlichen Institution wünscht man sich Vertrauen, Wohlwollen und Dienstbereitschaft als Bindemittel zwischen allen Instanzen. Davon ist in der Postsynodalerwegs-Kirche aber nichts zu spüren, wie schon der Umgangston der Minderheiten auspfeifenden Synodalversammlungen zeigt. Im Gegenteil: Diese "Kirche" wird von Misstrauen genau den Menschen gegenüber geprägt sein, die ihr Leben ganz und gar in den Dienst Gottes und ihrer Mitmenschen stellen. Kein Wunder ist es da, dass der Synodale Weg den Seminaristen als zukünftigen Diözesanpriestern die Mitsprache verweigert. Den Hirten stehen in der "Kirche der Zukunft" nach sich ZDK-Manier selbst legitimierende Sowjets zur Seite. Denen muss man nicht vertrauen, denen braucht man bloß zu gehorchen.

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Zeitgeist als Offenbarungsquelle

Dass mit der Rede vom Zeitgeist als Offenbarungsquelle Ernst gemacht wird, zeigt sich nirgends deutlicher als in der naiven Übernahme transaktivistischer Narrative. Wer meint, es ginge hier allein um die (wichtige!) Nichtdiskriminierung von Transpersonen, hat   mit Verlaub   den Schuss nicht gehört. Die Abkehr von der Zweigeschlechtlichkeit steht nicht nur dem christlichen Menschenbild, der Schöpfungsordnung und den Biowissenschaften entgegen.

Sie ist gerade jetzt hochbrisant, wo die Translobby, unterstützt von Politik und Medien, Kindern in immer jüngerem Alter einen Geschlechtswechsel als Weg zum Glück verkauft. Der Synodale Weg lädt großes Unrecht an all jenen auf sich, die dieser Ideologie zum Opfer fallen und mit lebenslangen Folgen zu kämpfen haben. Wie peinlich für die Kirche, dass säkulare Akteure nun zunehmend ihre Rolle der Verteidigung von Frauen und Kindern übernehmen.

Die Masken sind endgültig gefallen. Eine doppelzüngige Kommunikation, die gleichzeitig progressive Reformforderungen und Sorgen vor einer Kirchenspaltung bediente, gelangt mit den vorliegenden Texten an ihr Ende.

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