Vatikanische Klarstellung

Jeder Bischof muss im Gewissen entscheiden

Nach dem Diktum aus Rom ist der Synodale Weg nur noch ein Zombie, den man einschläfern muss. Wer die Zeichen der Zeit richtig liest, für den gibt es jetzt kein „Weiter so“. Ein Kommentar.
Die Bischöfe und der Synodale Weg
Foto: Nicolas Armer (dpa) | Haben die Hirten überhaupt noch Energien, jetzt, da das Volk Gottes Zuwendung, Trost und Orientierung braucht, Stimmvieh bei ideologischen Machtspielchen zu sein?

Ab jetzt ist der Synodale Weg ein Zombi, ein Untoter, der weiter herumläuft und gläubige Menschen erschreckt. Die Feststellung des Heiligen Stuhls, immerhin der höchsten Autorität der katholischen Kirche, ist deutlich: Es wäre nicht zulässig, „in den Diözesen vor einer auf Ebene der Universalkirche abgestimmten Übereinkunft neue amtliche Strukturen oder Lehren einzuführen, welche eine Verletzung der kirchlichen Gemeinschaft und eine Bedrohung der Einheit der Kirche darstellen würden.“ Die beschwichtigende Erklärung des Präsidiums (Bätzing und Stetter-Karp), dass „die Kirche in Deutschland keinen deutschen Sonderweg gehen wird“, ist Augenwischerei.

Der Synodale Weg ist eben doch ein Sonderweg

Denn stattdessen ist nach weit über zwei Jahren synodaler Wegstrecke tatsächlich der Eindruck entstanden, „der Synodale Weg wolle eben doch die Lehre der Kirche verändern, oder eben doch einen Sonderweg gehen: Aufhebung des Zölibats, Frauenpriestertum, Änderungen in der Sexualmoral“, wie die Generalsekretärin der Nordischen Bischofskonferenz, Schwester Anna Mirijam Kaschner, den synodalen Wortführern bescheinigt.

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Viele Äußerungen von Synodalen, Bischöfe eingeschlossen, haben diesen Eindruck untermauert. Der Freiburger Fundamentaltheologe Magnus Striet hat das Schisma geradezu gefeiert, das der Synodale Weg provozieren wollte und soll. Damit ist jetzt Schluss. Schon bei der Synodalversammlung vom 8. bis 10. September ist das, worüber die Bischöfe (und nur ihr Votum zählt) abzustimmen haben, reine Makulatur. Schon im März 2023 enden die Gespräche auf kontinentaler Ebene, die dann in die weltkirchliche Schlussphase des weltweiten synodalen Prozesses einfließen sollen. Wie sich der Synodale Weg, der ebenfalls erst im März 2023 endet, da noch einbringen will, steht in den Sternen. Eine bischöfliche Sperrminorität sollte dem „Dead Man Walking“ jetzt Anfang September in Frankfurt ein Ende bereiten, wenn zahlreiche Texte nach der zweiten Lesung zur finalen Abstimmung stehen. Untote braucht man nicht. Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.

Die Kirche muss die Zeichen der Zeit erkennen

Würde die Kirche unternehmerisch denken, würde sie abschätzen, welche Ressourcen (aktive Gläubige, geistliche Berufe und Geldmittel) sie hat, um ihren Grundauftrag von Verkündigung, Sakramentenspendung und Caritas überhaupt noch zu erfüllen. Dann müsste der Synodale Weg nach einer – durchaus auch – turbulenten Aufsichtsratssitzung (Ständiger Rat) sofort abgebrochen werden. Die Kirche ist aber kein Unternehmen, sondern eine Heilsgemeinschaft. Und die muss auch die Zeichen der Zeit erkennen: Die Corona-Epidemie ist nicht überstanden. Ein Krieg in Europa kann jederzeit eskalieren. Inflation und Energieknappheit ziehen vielen den Teppich unter den Füßen weg.

Da wird die Sache für den Synodalen Weg noch bedrohlicher als bei einer rein „unternehmerischen“ Kalkulation. Denn da kommt das Gewissen ins Spiel. Haben die Hirten überhaupt noch Energien, jetzt, da das Volk Gottes Zuwendung, Trost und Orientierung braucht, Stimmvieh bei ideologischen Machtspielchen zu sein? Denn um Missbrauch ging es ja nie. Da wäre es wichtiger gewesen, vor allem den Klerus wieder zu lehren, keusch, enthaltsam und heiligmäßig zu leben. Im Grunde kam der Synodale Weg schon als Zombie zur Welt. Jetzt sollte man ihn einschläfern. Es gibt wirklich Wichtigeres zu tun, als ihn am Tropf hängen zu lassen.

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