Nach der Synodalversammlung

Die synodale Blase platzt

Die Maxime der Versammlung in Frankfurt lautete Mehrheitsbeschaffung. Weder Beschlüsse noch bischöfliche Treueeide zählen. Ein Kommentar.
Vierte Synodalversammlung des Synodalen Weges - Tag 2
Foto: Maximilian von Lachner (Synodaler Weg / Maximilian von L) | Knapp eine Minute investierte der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, in seine Stellungnahme angesichts der offenkundigen ideologischen Instrumentalisierung der heiligen Messe zur Ausgrenzung ...

Die vierte Synodalversammlung zeigte, welcher Parforceritt dem Präsidium für die deutschen Bistümer vorschwebt. Für das mühsame Organisieren von Mehrheiten waren die meisten Synodalen bereit, alles über Bord zu werfen, was Synodalität nach dem Willen von Papst Franziskus ausmacht: Die Suche nach dem Willen Gottes, offene Ohren und der gegenseitige Respekt.

An keinem der Sitzungstage gelang es, das Plenum wirklich in den Austausch zu integrieren. Nur ein überschaubarer Kreis der gut 200 Delegierten wagte es, das Wort im aggressionsgeschwängerten Klima zu ergreifen. So redeten immer dieselben, und die Vielfalt der Berufe und Charismen unter den Synodalen kam mitnichten zum Tragen.

Auseinandersetzung über gemeinsame Eucharistiefeier

In der Auseinandersetzung über die gemeinsame Eucharistiefeier trat vor allem die Misere der akademischen Theologie in Deutschland deutlich zutage. Unter jenen, die täglich zelebrierende Geistliche für die Erfüllung ihrer priesterlichen Standespflicht tadelten, befanden sich Synodale mit theologischen Studienabschlüssen. Knapp eine Minute investierte der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, in seine Stellungnahme angesichts der offenkundigen ideologischen Instrumentalisierung der heiligen Messe zur Ausgrenzung des kirchenpolitischen Gegners.

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Die Mehrheit schwieg. Wer zu Beginn des Synodalen Wegs gehofft hatte, die Wahrheit werde sich durchsetzen und die Kraft der Argumente im Lauf der Zeit ihre Wirkung entfalten, stellt ernüchtert fest, dass der Synodale Weg allenfalls über eine Karikatur der Kirche diskutiert, in der die traditionelle Lehre als Mutter aller Übel diskreditiert wird.

Die Weichen für einen Synodalrat, der das Procedere in den deutschen Bistümern verstetigen soll, sind gestellt. Im pastoralen Schönsprech wird die faktische Spaltung als „Kirche der zwei Geschwindigkeiten“ verbrämt. Aufschlussreich war die Einschätzung von Kardinal Marx, man könne den Synodalen Weg nur im Gehen erkunden; da helfe kein Text der Internationalen Theologenkommission in Rom. Der Papst, so der Münchner Erzbischof, habe auch nicht gewartet bis alles klar sei. Mit diesem Joker ebnet man bischöflichen Alleingängen den Weg.

Der Synodale Weg ist eine theologische Nullnummer

Wer dem Synodalen Weg in Deutschland einen Webfehler bescheinigt, verharmlost das Problem. Er ist – von wenigen Beiträgen abgesehen – eine theologische Nullnummer, die paradoxerweise von promovierten Theologen mitgesteuert wird. Unbewiesene Behauptungen werden als wissenschaftliche Erkenntnisse ausgegeben, Bischöfe melden sich mit der Parole „geht nicht, gibt's nicht“ zu sakramententheologischen Fragen zu Wort. Meinungen, Argumente und Geschwätz stehen unsortiert und scheinbar gleichwertig nebeneinander.

Wie die Mehrheitsvoten mit dem bischöflichen Weiheversprechen, das überlieferte Glaubensgut treu zu bewahren, zu vereinbaren sein sollen, war Gegenstand wortreicher Erklärungen. Keine einzige überzeugte. Dass theologisch hochqualifizierte Synodale wie Marianne Schlosser und Katharina Westerhorstmann inzwischen auf Distanz gehen, ist nachvollziehbar. Denn vor allem die Frauen gehören trotz gegenteiliger Beteuerungen zu den Verliererinnen des Synodalen Wegs in Deutschland: Mehr als die Rolle der folgsamen Mehrheitsbeschafferinnen ist für sie nicht vorgesehen. Arme Theologiestudenten.

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