Diese Krankheit führt nicht zum Tode, sondern dient der Verherrlichung Gottes. Durch sie soll der Sohn Gottes verherrlicht werden“ (Joh 11,4), antwortet Jesus, als ihn die Nachricht vom Sterben seines Freundes Lazarus erreicht. Diese Verherrlichung vollzieht sich auf zwei Ebenen, die untrennbar miteinander verbunden sind.
Die erste Ebene ist die Auferweckung des Lazarus selbst. Auf dem Weg nach Betanien erklärt Jesus seinen Jüngern: „Lazarus, unser Freund, schläft“ – und gewährt uns damit einen Einblick in den göttlichen Blick auf den Tod: einen Schlaf, aus dem wir zur Auferstehung erwachen. Als sie Jesus zum Grab führen, weint er über den Tod seines Freundes.
Die Präfation dieses Sonntags lautet treffend: „Da er Mensch ist wie wir, weint er über den Tod seines Freundes; da er aber Gott ist von Ewigkeit, ruft er Lazarus aus dem Grabe.“ Jesus führt Marta über ihren Glauben an die allgemeine Auferstehung am letzten Tag hinaus zu jener Selbstaussage: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt“ (Joh 11, 25).
Dann stellt er ihr – und jedem von uns – die alles entscheidende Frage: „Glaubst du das?“ Nach vier Tagen, als jede menschliche Hoffnung erloschen scheint, lässt er den Stein vom Grab wegrollen und ruft mit lauter Stimme: „Lazarus, komm heraus!“ Mit einem einzigen Wort holt er den Toten ins Leben zurück.
Durch dieses letzte und größte seiner Zeichen vor der Passion stellt Jesus unter Beweis, dass er selbst „die Auferstehung und das Leben“ ist, damit wir „durch den Glauben Leben haben in seinem Namen“ (Joh 20, 31).
Auf einer zweiten Ebene aber ist mit der Verherrlichung des Sohnes Gottes der Kreuzestod Jesu gemeint (vgl. Joh 12, 23; 13, 31). Denn gerade das Zeichen der Totenerweckung war es, das den Hohenpriester zu jener prophetischen Aussage veranlasste, dass „es besser ist, wenn ein einziger Mensch für das Volk stirbt, als wenn das ganze Volk zugrunde geht“ (Joh 11, 50).
Jesus kann die Toten nur deshalb zum Leben erwecken, weil er selbst den Tod an unserer statt auf sich genommen hat. Was der Prophet Ezechiel im Alten Testament symbolisch auf die Rückkehr des Volkes aus dem Exil verhieß (Ez 37, 12), wird in Christus Wirklichkeit.
Paulus bezeugt es in der Lesung: „Wenn der Geist dessen in euch wohnt, der Jesus von den Toten auferweckt hat, dann wird er auch eure sterblichen Leiber lebendig machen durch seinen Geist, der in euch wohnt“ (Röm 8, 11). Christus schenkt nicht „nur“ der Seele ewiges Leben, sondern verheißt die Auferstehung des Leibes am jüngsten Tag – ein Glaube, den wir im Credo bekennen, auch wenn das heute kaum noch jemand wahrnimmt. Welch ein Trost, wissen zu dürfen: Wer an Jesus glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt.
Ezechiel 37, 12–14
Römer 8, 8–11
Johannes 11, 1–45
Zu den Lesungen des 5. Sonntags
der Fastenzeit 2026 (Lesejahr A)
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