Eden Culture

Mit der „Ökologie  des Herzens“ in die neue Kultur

Es gibt eine natürliche Sehnsucht nach Eden, dem Garten im Osten, in den Gott den Menschen nach seiner Erschaffung gesetzt hat. Es ist die Sehnsucht nach einer „Eden Culture“. 
Im Vortrag stellte Johannes Hartl die Alternativen für den Menschen gegenüber
Foto: Peter Winnemöller | Im Vortrag stellte Johannes Hartl die Alternativen für den Menschen gegenüber: Den Garten Eden oder die Betonbauten.

Nach zwei Jahren Vorbereitung geht die „Eden Culture“ in die Öffentlichkeit. Die erste von drei, in diesem Jahr geplanten, Veranstaltungen fand am vergangenen Samstag in Köln statt. Beke Rieken vom Gebetshaus Augsburg führte als Moderatorin durch den Tag. Die Geschichte der „Eden Culture“, berichtete sie, sei eine Geschichte von Freundschaft und miteinander Träumen und Feiern. Dabei solle es nicht bleiben. Die gezeigten Projekte lassen  die „Eden Culture“ erkennen. Es gab einen bunten Mix aus Musik, Vorträgen, Interviews und Gesprächen. Ebenso wichtig war die Möglichkeit, einander kennen zu lernen.

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Den Anfang machte Christian Heidenbauer mit einer Improvisation auf der Gitarre. Im ersten Vortrag des Tages zeichnete Johannes Hartl den Rahmen für eine „Eden Culture“ auf. Der Autor des gleichnamigen Buches wies darauf hin, dass die Zukunft in Literatur, Film und Serien vor allem düster gezeichnet wird. Als Beispiel nannte der Gründer des Gebetshauses die Netflix-Serie „Black Mirror“. Die Dystopie ist der Normalfall der Sicht auf die Zukunft. Wir bauen an einer Zukunft, so Hartl, aber keine wolle dorthin. Einer der einflussreichsten Denker unserer Zeit sei Yuval Noah Harari. Harari stehe für dramatische Dystopien und sehe den Menschen der Zukunft als eine Art Computer oder ein „hackable Animal“, ein hackbares Tier.

Ein Gegenentwurf

Johannes Hartl zeigte den Gegenentwurf in Gestalt der Befreiung der Imagination. Die Alternative sei Hartl zu Folge ein Leben in Betonhäusern oder im Garten Eden. Dabei steht der Garten nicht für unkontrollierten Wildwuchs, vielmehr steht er für eine Ordnung mit Regeln und Grenzen, die sich als sinnvolle Ordnung zeigt und eine Fülle des Seins ermögliche.

 

 

Die „Eden Culture“ gründe auf drei Anliegen, führt Johannes Hartl weiter aus. Da ist zuerst die Frage, wie das Menschsein aussehe. Es gehe darum Beispiele zu finden, wie das ganz konkret Gestalt annimmt. Zum dritten gehe es um Vernetzung in einer Kultur der Freundschaft. Natürlich gründe die Idee einer „Eden Culture“ in dem Gedanken der biblischen Schöpfungsgeschichte. Der Gründer des Gebetshauses zeichnete ein Schema von Eden auf, wie es das Buch Genesis beschreibt. Im Garten entspringt ein Strom, das Wasser fließt aus Eden hinaus. Man könne, so Hartl, eben auch mit Menschen, die nichts von Eden wissen oder wissen wollen, über das Wasser reden. Dabei komme es nicht darauf an, wo das Wasser seinen Ursprung hat. Obwohl also diese „Ökologie des Herzens“, wie der Untertitel des zu Grunde liegenden Buches heißt, einen biblischen Ursprung hat, ist es über die Grenzen der Religion kommunizierbar.

„Human being“statt „human doing“

Der Vortrag verlangte eine Zeit des Nachdenkens, den eine musikalische Einlage lieferte. Christof Unterberger improvisierte auf dem Cello. Der Musiker ist bekannt und mehrfach ausgezeichnet als Komponist von Filmmusik. Im Gespräch mit Johannes Hartl berichtet er von seiner Karriere, die ihn zufällig zur Filmmusik gebracht hat. Der Schauspieler Samuel Koch zeigte eine eindrucksvolle Kostprobe seiner Kunst, indem er als Faust darüber sinnierte, wie denn logos  zu übersetzen sei. Im Dialog mit Johannes Hartl sprach der Schauspieler über seine Sicht auf eine „Eden Culture“. Ihm gehe es um „human being“ statt „human doing“. Sein Vorbild seien Menschen, die leiden ohne zu klagen, obwohl sie allen Grund dazu hätten. Der Schauspieler sitzt seit seinem Unfall im Rollstuhl und hat den Beweis angetreten, dass das Leben, wie er sagte, reicher an Möglichkeiten sein muss.

 

Salz der Erde

Ein sehr konkretes Projekt einer „Eden Culture“ stellte Yasemin Lupo vor. Mit ihrem Ehemann, Thomas Lupo, den sie schon aus Kinder- und Jugendtagen kennt, hat sie das Projekt „Arthelps“ gegründet. Thomas Lupo war in Brasilien in einer Favela und hat dort mit jungen Menschen Kunst gemacht. Kreativität, so Yasemin Lupo, kostet nichts, sei aber immer relevant, weil es den inneren Menschen betreffe. Mit der Kunst stellt „Arthelps“ Werte her, die auch ganz konkret helfen. Der Verkauf der Kunst komme Etwas mehr Theorie brachte der Einstieg in den Nachmittag. Der Verleger Dominik Klenk referierte über das Jesuswort, dass wir Salz der Erde sein sollen. Klenk schlüsselte die Metapher Salz auf, es ging Jesus darum, die Jünger von ihrer Umwelt abzuheben. Da war das gesetzlich erstarrte Judentum, das dekadente Römertum und das verkopfte Griechentum. Es ging im Kern um die Frage, was das Salz – damals wie heute – auslaugt. In unserer Zeit ist Aufmerksamkeit das, was das Öl für die Industrie der späten Moderne war.

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Die Geschwindigkeit des Lebens, so Klenk, verdoppele sich alle 20 Jahre. Das sei für den Menschen nicht machbar. Eine zu hohe Geschwindigkeit führe in den Burn-out. „Eden Culture“ bedeute ein ehrliches Schauen auf das Leben. Eine Umkehr bedeute hier, die Spiritualität auf den ersten Platz zu stellen, den Überfluss daraus in die Beziehungen fließen zu lassen und den Überfluss, der hier entstehe, in die Aufgeben zulaufen zu lassen. Wird das Leben so gelebt, könne kein Burn- out entstehen. Das sei der Takt von Eden. „Ideen gehen zu Fuß“, so Klenk.
Die Musikerin Hilde Kappes lieferte mit ihrer Musik die nötige Erholung für das angestrengte Hirn. Mit Gesang in Phantasiesprache, sowie dem Einsatz von alltäglichen Gegenständen als Perkussion und einer beeindruckenden Performance mit vollem Körpereinsatz verstand die Künstlerin ihr Publikum zu beeindrucken. Im Anschluss stellte der Aktivist und Fotograf Thomas Mandl zwei seiner Projekte vor.

Projekte der „Eden Culture“

Davon eines, das sich gegen Sexismus im Fußball wendet und den Vorschlag einer Weltfahne, die durch Transparenz die Unterschiede von Ländern berücksichtigen kann.
Im Interview mit Johannes Hartl stellte Farell Tanah seine Arbeit als Modell vor. Es geht dem jungen Mann vor allem um eine Vermittlung von Werten und um Wahrnehmen einer Vorbildfunktion, die er in den Fotos von sich darstellt. Einige Bilder zeigten beispielhaft, dass modeln weitaus mehr ist als einfach nur  das Vorführen von Kleidung.

Die mehrfach preisgekrönte Architektin Anna Philipp sprach über ihren Traum der Rückkehr von Schönheit in die Architektur. Ferner wurde ein Kleidungslabel vorgestellt, das Kindern eine Schulbildung finanzieren soll. Der Tag endete mit einer Feier, die unbedingt zu einer Kultur der Freundschaft gehört. Die „Eden Culture“ als Bewegung soll Kreise ziehen. Für das kommende Jahr ist eine erste größere Konferenz geplant.

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