Das dreieine, nicht von den Menschen ausgedachte Geheimnis des einzigen Gottes verteilt sich in der heutigen Wortliturgie auf alle drei Lesungen, in denen je ein Aspekt der Heiligsten Dreifaltigkeit näher dargestellt wird. In diesem Geheimnis zeigt sich der Markenkern des Christentums: Bis heute nehmen Vertreter anderer Religionen daran Anstoß, denn es widerspricht vielen natürlichen Überzeugungen – ein gutes Argument dafür, dass es auf eine Offenbarung „von oben“ zurückgeht. Das Paradoxe, Unerwartete und gleichzeitig befreiend Wahre daran kulminiert im Evangelium, in dem der christliche Glaube auf den Punkt gebracht wird: Die ungebrochene Liebe Gottes zu der von ihm geschaffenen „Welt“ veranlasst ihn dazu, sich in seinem Sohn in denkbar radikalster Form „persönlich“ in ihr zu engagieren und damit den höchsten Beweis seiner menschlichen Zuwendung zu erbringen.
Dass dies alles andere als harmlos ist, zeigt sich an der Kehrseite dieser Zuwendung: Nachdem Gott zweimal – in der Schöpfung und in der Erlösung – dem Menschen ganz nah geworden ist, liegt es nur noch an Letzterem, ob er das Angebot ewiger gottmenschlicher Gemeinschaft annehmen will. Der durch Jesus getragene göttliche Rettungswille trifft auf die menschliche Freiheit, die sich diesem Angebot auch verweigern und so das Gegenteil vom ewigen Leben wählen kann. Das „gerichtet werden“ meint hier also: „sich selbst richten“.
Für oder gegen Gott
Es gibt nämlich keine andere Wirklichkeit als den dreifaltigen Gott. Man kann sich nur für ihn oder gegen ihn entscheiden. Das heutige „Ideenfest“ – wie Hochfeste genannt werden, die einer Glaubenswahrheit gewidmet sind – ist insofern ein Ruf aus der Banalität und Oberflächlichkeit in die Endgültigkeit des Lebens. Mein ewiges Leben wird hier und jetzt entschieden.
Eine berühmte Legende lädt zum Respekt vor der bleibenden Unbegreiflichkeit der Dreifaltigkeit ein. So soll der heilige Kirchenvater Augustinus in der Zeit, in der er an seinem Trinitätsbuch arbeitete, am Meeresstrand einem Knaben begegnet sein. Augustinus belächelte das Kind, das versuchte, mit einer Muschel das Meer auszuschöpfen. Das Kind antwortete, dass es eher selbst das ganze Meer mit dem Löffel in eine Sandgrube füllen könne als dass der Kirchenvater auch nur einen kleinen Teil des dreifaltigen Geheimnisses verstehen könnte. Doch hat der fleischgewordene Sohn, der „Abglanz des Vaters“, uns den wesentlichen Kern dieses Geheimnisses geoffenbart: Entgegen unserer begrenzten Wahrnehmung ist es die unbegrenzte, logoshafte und damit berechenbare Liebe, die das Universum bestimmt. Ihr sich in Freiheit hinzugeben, ist gerade die höchste Erfüllung des Menschseins, die man nicht fürchten sollte.
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