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Gott ruft seine Jünger zur Furchtlosigkeit auf.

Jesus ruft uns an diesem Sonntag dazu auf, alle Angst vor den Menschen abzulegen. Ja, er geht sogar so weit, uns die Furcht vor dem leiblichen Tod zu verbieten. Er wusste, dass seinen Jüngern dasselbe Schicksal wie ihm selbst blühen würde. Die Verkündigung des Wortes Gottes ruft unter den Menschen nicht nur Zustimmung hervor. Wer sich entschieden hat, Jesus nachzufolgen und für die von ihm offenbarte Lehre einzutreten, der hat in allen Jahrhunderten mit Widerstand rechnen müssen. „Wenn sie mich verfolgt haben, dann werden sie auch euch verfolgen“ (Joh 15, 20).
Verfolgung war bereits das Schicksal der Propheten im Alten Testament, die Israel die Weisung Gottes verkündeten, die immer darin bestand, das Volk zur Umkehr und zur Befolgung der Gebote Gottes aufzufordern. Von allen Propheten Israels verkörpert kein Zweiter derart das Schicksal Jesu wie der Prophet Jeremia. Er musste dem König und den religiösen Führern des Volkes verkünden, dass ihre Sünde im Begriff war, Israel in die Verbannung des Exils zu führen. Zur Strafe dafür wurde Jeremia, wie später auch Jesus, inhaftiert. Der Dienst am Wort Gottes hatte ihm nur Schmach und Schande eingebracht. Selbst die eigenen Freunde lauerten auf seinen Fall. Doch genau in dieser tiefsten Verlassenheit lebt Jeremia uns das Vertrauen vor, zu dem Jesus im Evangelium auffordert. Anstatt vor seinen Feinden zurückzuschrecken und das Wort Gottes zu verraten, bekennt Jeremia: „Der Herr steht mir bei wie ein gewaltiger Held. Darum straucheln meine Verfolger und können mich nicht überwältigen. Sie werden schmählich zuschanden, da sie nichts erreichen, in ewiger unvergesslicher Schmach“ (Jer 20, 11). Wie Paulus und Silas im Gefängnis von Ephesus, so singt auch Jeremia noch Loblieder in seinem Kerker: „Singt dem Herrn, rühmt den Herrn; denn er rettet das Leben des Armen aus der Hand der Übeltäter“ (Jer 20, 13).
Wie aktuell die Mahnung Jesu ist, keine Angst vor denen zu haben, „die den Leib töten, der Seele aber nichts anhaben können“ (Mt 10, 28), ist offensichtlich. Nicht nur weltweit sind die Christen die am meisten verfolgte Religionsgemeinschaft. Selbst in Deutschland muss man mittlerweile mit Ausgrenzung und Widerstand rechnen, wenn man an der Lehre Christi, so wie sie den Christen in Schrift und Tradition überliefert ist, festhält. Gott weiß um das Ringen jedes Einzelnen von uns, wie er auch jedes Haar auf unserem Kopf gezählt hat (Mt 10, 30), und ruft uns gerade deshalb zur Furchtlosigkeit auf. Wenn wir uns zu Jesus bekennen, dann wird auch er sich vor seinem Vater im Himmel zu uns bekennen. Wenn wir ihn aber vor den Menschen verleugnen, dann wird er auch uns vor seinem Vater verleugnen (Mt 10,32–33).

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