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Ein Vorgeschmack des Himmels

Jesus rief Zöllner und Sünder zu sich. Bis heute zeigt die heilige Messe, dass vor Gott nicht Herkunft oder Status zählen, sondern die Bereitschaft, seiner Einladung zu folgen.
Armer Bettler mit Schild
Foto: Imago | Es ist egal, wie viel Geld man hat. Jesus sind alle Menschen willkommen.

Es gibt im Alltag viele Orte, an denen sich Gesellschaften in vielerlei Hinsicht erkennbar ausdifferenzieren. Beispielsweise kann ein Flugzeug ein solcher Ort sein. Angefangen von der Möglichkeit, das Gepäck aufzugeben, über die Abfolge der Boardinggruppen, den zur Verfügung gestellten Sitz- beziehungsweise Liegeraum, bis zum Service während des Fluges können Passagiere ganz unterschiedliche Reiseerfahrungen sammeln. Wenn dann der blickdichte Vorhang zwischen Economy- und Business-Class nach Erreichen der Flughöhe zugezogen wird und im vorderen Teil ein mehrgängiges Essen serviert wird, während im hinteren Teil kleine Snacktütchen ausgeteilt werden, vervollständigt sich das Muster.

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Das Beispiel steht pars pro toto für viele andere Kontexte. Menschen sind jung oder alt, reich oder arm, gesund oder krank, mächtig oder ohnmächtig, gebildet oder ungebildet, bekannt oder unbekannt. Die Reihe ließe sich fortführen. Je nach Umgebung – wie im Fall des Flugzeugs – treten diese Unterschiede hervor, was dazu führen kann, dass entsprechende Gruppen exklusiv unter sich bleiben. Man könnte hier an den akademischen Freundeskreis, die Nachbarschaft im Vorort oder eben an den Kreis der Business-Lounge-Reisenden am Flughafen denken. All das ist nun nicht automatisch negativ zu bewerten. Wenn man aber über das eigene Milieu hinaus am größeren Miteinander interessiert ist, dann benötigt man auch Orte, die verbinden und heilsam relativieren.

Abgeleitet vom Handeln Jesu

Ein solcher Ort ist die heilige Messe. In ihr versammeln sich Menschen unterschiedlichster Couleur. In denselben Bänken sitzen Menschen, deren Welten sich draußen in „der Welt“ womöglich nie berühren würden. Hier aber betet, steht und kniet man als Getaufter und damit als Gleicher unter Gleichen, als Bruder und Schwester im Glauben. Die gemeinsame Ausrichtung auf Gott und das Anteilhaben am eucharistischen Mahl formen ein Miteinander, das ein Abbild der endzeitlichen Heilsgemeinschaft zeichnet.

Den Impuls, den Menschen an sich zu sehen, leitet die Kirche vom Handeln Jesu ab. Das Evangelium des Sonntags, in dem Jesus mit dem Zöllner Matthäus Mahl hält, steht in einer langen Reihe von Szenen und Begegnungen, in denen Jesus allen Menschen Gemeinschaft mit ihm ermöglicht, die diese Einladung annehmen wollen: „Nicht die Gesunden bedürfen des Arztes, sondern die Kranken. Geht und lernt, was es heißt: Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer! Denn ich bin nicht gekommen, um Gerechte zu rufen, sondern Sünder.“

Die heilige Messe will Unterschiede nicht nur für einen Augenblick überbrücken, sondern den Blick auf den Mitmenschen dauerhaft verändern. Wer Gottesdienst feiert und dabei vom selben Brot empfängt, der kommt dem Anderen, entgegen aller Unterschiede, ein Stück näher.

Hosea 6, 3–6
Römer 4, 18–25
Matthäus 9, 9–13
Zu den Lesungen des 10. Sonntags
im Jahreskreis 2026 (Lesejahr A) 

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Martin Grichting Jesus Christus

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