Glaubenszeugnis

Doris Freisberg-Fergen: Begegnung mit der Schönstattspiritualität

Wie die Begegnung mit der Schönstattspiritualität das Leben von Doris Freisberg-Fergen geprägt hat.
Doris Freisberg-Fersen
Foto: privat | Doris Freisberg-Fersen konnte dank der Schönstatt-Bewegung ihren Glauben neu entdecken.

Von meinem Elternhaus her bin ich katholisch geprägt. Das Mitfeiern des Sonntagsgottesdienstes sowie der sonntäglichen Andacht um 14 Uhr und der Besuch der Frühmessen vor der Schule am Dienstag und Freitag war für unsere Familie vollkommen normal. Das gemeinsame Morgengebet wurde auch im katholischen Kindergarten und in der Schule praktiziert. Es war selbstverständlich, im Tagesablauf den „Engel des Herrn“ zu beten. Fronleichnamsprozessionen und Bittprozessionen sowie die jährliche Wallfahrt zum Kloster Bornhofen, all das gehörte zum katholischen Selbstverständnis der Gläubigen unserer Dorfgemeinschaft in Gladbach, einer damals selbstständigen Gemeinde mit gut 2 500 Einwohnern, inzwischen ein Stadtteil von Neuwied.

Rückblickend kann ich sagen, dass mir vor allem das Beispiel meiner Großeltern geholfen hat, in den Glauben hineinzuwachsen. Als Kind habe ich des Öfteren bei meinen Großeltern übernachtet und dann mitbekommen, dass sie vor dem Schlafengehen immer gemeinsam gebetet haben. Heute bin ich davon überzeugt, dass sie hier die Kraft gefunden haben, die Erlebnisse der beiden Weltkriege (mein Großvater war als Soldat im Ersten Weltkrieg, mein Vater musste mit 17 Jahren in den Zweiten Weltkrieg ziehen) zu bewältigen. Bei meinen Eltern war das anfangs ganz ähnlich.

Auf der Suche nach dem Sinn

Aber durch den Umbruch der 1968er-Jahre flachte das Glaubensleben in meiner Familie und in der Gesellschaft ab. In dieser Zeit habe auch ich mich von der übernommenen Glaubenspraxis distanziert. Obwohl mein Mann, ebenfalls katholisch, und ich kirchlich getraut wurden, haben wir am sonntäglichen Gottesdienst über viele Jahre hinweg nicht mehr regelmäßig teilgenommen. Geändert hat sich dies durch die Geburt unserer Tochter und ihre Taufe. Die Fragen: „Was geben wir unserem Kind mit? Wie kann es sich am besten entwickeln? Welche Werte wollen wir unserem Kind vermitteln?“ haben auch bei mir und meinem Mann wieder zu einer Rückbesinnung auf die Glaubenslehre der Kirche geführt. So wurden Morgen- und Abendgebet, Tischgebet, Eucharistiefeier und vieles mehr wieder Praxis.

Mit Anfang 40 hatte ich dann eine Lebenskrise – eine Zeit, in der ich mich fragte: „Ist das jetzt alles gewesen? Was ist der tiefere Sinn des Lebens? Was bleibt? Was trägt, wenn nichts mehr hält?“ In dieser Situation besuchte ich die Gnadenkapelle von Schönstatt. Im Heiligtum der Dreimal Wunderbaren Mutter, Königin und Siegerin von Schönstatt habe ich eine besondere Atmosphäre wahrgenommen, die mich sehr angesprochen hat. Hier war der Ort, an dem ich meine innere Ruhe fand und Kraft für die Bewältigung meiner Krise schöpfen konnte. Auch die Menschen, die mir dort begegnet sind, hatten für mich einen Vorbildcharakter. Sie waren so zufrieden, so glücklich. Sie hatten etwas, das ich auch gerne gehabt hätte, etwas, das ich bei mir vermisst habe. Durch die Teilnahme an verschiedenen Programmangeboten der Schönstattbewegung haben mein Mann und ich eine Vertiefung des Glaubenslebens erfahren. Reflektierend kann ich sagen: Ohne die Schönstattspiritualität und das Liebesbündnis mit der Gottesmutter hätten wir heute nicht diese Festigkeit im Glauben. Beides verdanken wir dem Gründer, Pater Josef Kentenich, von dessen Lebensbeispiel und –werk wir sehr überzeugt sind.

Lesen Sie auch:

Zum Volk Gottes berufen

Die derzeitigen Debatten um seine Person empfinden wir zwar als verletzend, aber unsere Beziehung zu Schönstatt und dem Gründer wurde dadurch nicht geschwächt, sondern gestärkt. Auch die gesamte Situation der deutschen Kirche in der gegenwärtigen Zeit ist für mich sehr schmerzhaft. Die katholische Kirche scheint sich, wenn man manche öffentlichen Äußerungen hört, selbst zu demontieren. Viele der derzeitigen Diskussionen und Vorschläge finde ich absurd. Vor einiger Zeit las ich beispielsweise einen Zeitungsbeitrag, in dem gefordert wurde, in der katholischen Kirche endlich die Heiligen von ihrem Sockel zu stoßen. Das verstehe ich nicht! Wir beten doch in jedem Credo „… und die Gemeinschaft der Heiligen“. Gerade Heilige, Märtyrer und Apostel geben authentisches Zeugnis von unserem christlichen Glauben. Ich bin der Meinung, dass wir als Christen auch heute aufgerufen sind, diesem Beispiel zu folgen.

Deswegen freue ich mich über Bischöfe, die treu zu ihrer Berufung stehen und mutig das Wort Gottes verkünden, ob man es hören will oder nicht.
Ich freue mich über alle Priester, die selbstlos ihren Gemeinden dienen und den Gläubigen helfen, die Glaubenswahrheiten besser zu verstehen.
Ich bin dankbar, dass ich Teil dieser Kirche sein darf und durch den Empfang der Sakramente Stärkung auf meinem Lebensweg erfahren darf.
Ich hoffe und bete, dass wir auch in den Verwirrungen unserer Zeit den von Generation zu Generation überlieferten Glauben neu beleben und festigen können und immer das bleiben, wozu wir berufen sind: Zum Volk Gottes!

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Barbara Stühlmeyer Bischöfe Krisenzeiten Mutter Jesu Maria Schönstatt-Bewegung Deutschland e.V.

Weitere Artikel

Statt Strafe für Kirchenschändung: Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte spricht radikaler Feministin Schadenersatz zu - Eloïse Bouton hatte die Abtreibung Jesu Christi vor einem Altar ...
07.11.2022, 19 Uhr
Thomas Philipp Reiter
Den Glauben heute entdecken: Peter Düren legt eine alltagstaugliche Einführung in die Lehre der Kirche vor.
16.10.2022, 05 Uhr
Margarete Strauss

Kirche

Der hohe Wert von Wahrheit und Freiheit – Nächste Folge der losen Serie über die „Köpfe des Konzils“: Bischof Karol Wojtylas Akzentsetzung beim Zweiten Vatikanum.
29.11.2022, 19 Uhr
Christoph Münch
Papst Franziskus erinnert die Bischöfe an ihre Pflicht, für die Lehre einzustehen. Das zeigt: Seine „Basta-Kommunikation“ wirkt.
29.11.2022, 11 Uhr
Regina Einig
Ein Fazit, das der Görlitzer Bischof Ipolt aus den Gesprächen in Rom zieht ist, dass man auf dem Synodalen Weg nicht weiter machen kann wie bisher.
28.11.2022, 18 Uhr
Dorothea Schmidt