Der Fischerring ist das Symbol des Petrusdienstes des Bischofs von Rom; nach dem Tod eines Papstes wird er mit einem Silberhammer zertrümmert. Dieser symbolische Akt hatte bis ins 19. Jahrhundert hinein auch praktische Bedeutung: Der Ring wurde über viele Jahrhunderte als Siegelstempel verwendet, der – in Wachs oder Siegellack gedrückt – die Authentizität eines päpstlichen Dokuments bezeugte.
Im Mittelalter war dies gängige Praxis nicht nur beim Papst, sondern bei allen Bischöfen. Bischöfliche Siegelstempel wurden daher nach dem Tod der Amtsinhaber zerstört und sind für die Nachwelt nicht erhalten. Entsprechend sensationell war es, als 2021 in Nordwestmecklenburg zwischen Lübeck und Wismar ein zerschlagener Siegelstempel gefunden wurde, der einen thronenden Bischof zeigt. Untersuchungen förderten zwei Urkunden im Landeshauptarchiv Schwerin zutage, die das passende Siegel tragen: das des Ratzeburger Bischofs Ludolf I., der in der Kirche als Heiliger verehrt wird. Sein Gedenktag ist der 29. März.
Eine überraschende Wahl
Ludolf wurde um 1200 in Sachsen geboren. Er trat in Magdeburg bei den Prämonstratensern ein, die seit 1154 – als Heinrich der Löwe den Propst des Magdeburger Marienstifts als ersten Bischof von Ratzeburg eingesetzt hatte – das Domkapitel des Bistums nördlich der Elbe stellten. Auch Ludolf kam nach Ratzeburg; 1230 wird er zum ersten Mal unter den nordelbischen Domkapitularen erwähnt.
Als der Bischof von Ratzeburg 1236 starb, sollte ihm der Vorsteher des Kapitels namens Wigger nachfolgen, aber an seiner Stelle wurde überraschend Ludolf gewählt: ein Hinweis darauf, dass dieser eine starke Persönlichkeit mit großem Einfluss beim Erzbischof Gerhard von Bremen gewesen sein muss.
Ludolfs Reisen und eine tragische Wende
Von Ludolf sind einige Amtsurkunden erhalten, etwa die Gründungsbestätigung des mecklenburgischen Benediktinerinnenklosters Rehna aus dem Jahr 1237. Eine längere Reise führte ihn nach Mainz, wo Ludolf an der Provinzialsynode unter Vorsitz König Konrads IV. und des Erzbischofs Siegfried III. von Eppstein teilnahm, und anschließend nach Frankfurt, wo er am 24. August 1239 den Kaiserdom St. Bartholomäus, die Wahl- und Krönungskirche der deutsch-römischen Kaiser, nach einer Renovierung weihte. Danach begab Ludolf sich ins unterfränkische Kleinwallstadt zur Weihe eines Vorgängerbaus der heutigen Kirche St. Peter und Paul.
Die letzten beiden Urkunden, die von Ludolf überliefert sind, stammen aus den Jahren 1240 und 1247. In Uelzen und Ratzeburg ausgestellt, bezeugen sie, dass er zu diesem Zeitpunkt wieder im Norden war.
Danach nahm Ludolfs Leben eine tragische Wende. Da er als Bischof von Ratzeburg nicht nur geistliches Oberhaupt, sondern auch Territorialherr war, geriet er in Streit mit Herzog Albrecht von Sachsen, der die Oberhoheit über den Bischof und den Abtritt einiger Gebiete forderte.
Die „Sage vom Heiligen Bischof Ludolf“
Was dann geschah, ist in der im 19. Jahrhundert niedergeschriebenen „Sage vom Heiligen Bischof Ludolf“ überliefert, wo es sehr anschaulich heißt: „Als Herzog Albrecht immer dringender ward, wollte Ludolf lieber das Äußerste ertragen als in die Zerstörung seiner Kirche willigen. Daher wurde er, als er von Wenigen begleitet ausgereist war, sein Amt zu verwalten, von Erich vom Walde, einem lübeckischen Ritter, gefangen genommen, verspottet, hart behandelt, ins Gefängnis geworfen, in Wälder geführt und, an Händen und Füßen gebunden, den Stichen der Mücken preisgegeben, und da er alles geduldig ertrug, ward er den Juden in Hitzacker verpfändet; dann in die Wälder zurückgebracht und endlich befreit. Er ging nicht nach Ratzeburg zurück, denn er wusste, dass der Herzog ihm dies alles bereitet hatte, sondern nach Wismar.“
In Wismar fand der gequälte Bischof Zuflucht im Franziskanerkloster, wo er am 29. März 1250 starb. Ludolf ist als „Bischof und Märtyrer“ in das Martyrologium Romanum eingegangen. Die Überlieferung berichtet: „Weil er die Freiheit der Kirche verteidigte, wurde er auf Befehl des Herzogs Albert in einen schmutzigen Kerker geworfen. Davon war er körperlich so erschöpft, dass er unmittelbar nach seiner Freilassung starb.“ Von Ludolf existiert keine Grabstätte. Seine Schädelreliquie (siehe Abbildung) kam auf Umwegen in das Prämonstratenserkloster Hamborn bei Duisburg, wo sie seit 1970 aufbewahrt wird.
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