Die Heilige Schrift ist Gottes Wort. Wie es auf die Tage der Kirchenjahre verteilt wird, ist hingegen Menschenwerk. Dass man dabei seitens der Kirche Sorgfalt hat walten lassen, zeigt der 5. Sonntag in der Osterzeit. Denn in den beiden Lesungen geht es zuerst um das Amt in der Kirche, um ihre Struktur. In der Apostelgeschichte wird von der Bestellung der Diakone berichtet, der untersten Stufe des Weihesakraments. Der Petrusbrief handelt sodann vom Priestertum. Dabei steht das allgemeine, das „königliche Priestertum“ der Gläubigen, im Vordergrund. Das ganze Volk Gottes hat priesterlichen Charakter. Denn alle sind dazu berufen, sich Gott hinzugeben, sich aufzuopfern. Und das Opfer gehört zum Wesen des Priestertums. Das allgemeine Priestertum ist die eine Form der Teilhabe am Priestertum Christi. Das Amtspriestertum stellt die zweite Form dar, indem es im Namen sowie in der Person Christi die Gläubigen lehrt, leitet und heiligt.
Das Evangelium weitet den Blick über die Themen von Struktur und Wirksamkeit hinaus. Denn es handelt vom „Haus des Vaters“, in dem es viele Wohnungen gibt. Hier begegnet die notwendige Ergänzung zu den Lesungen. Denn alle Struktur der Kirche hat nur einen Sinn, wenn sie hilft, in das Haus des Vaters zu gelangen. Der Weg dorthin ist Jesus Christus, Gott und Mensch, die Brücke, die den Abgrund von Zeit und Ewigkeit überspannt.
Der französische Theologe Henri de Lubac hat nach dem Zweiten Vatikanum vermutet, hinter dem „Positivismus des kirchlichen Selbstbetriebs“ verberge sich wohl im Grunde nur der „Verlust des Glaubens“. Heute dürfte es nicht anders sein. Deshalb ist es umso wichtiger, die Botschaft aufzunehmen, welche die Auswahl der Lesungen beinhaltet: Amtliches und Strukturelles haben nur vor dem Hintergrund des „Hauses des Vaters“ eine Bedeutung.
Das Amtspriestertum besitzt dabei in einem zweifachen Sinn Dienstcharakter. Es ist kein Selbstzweck, sondern dient den Gläubigen, schon in dieser Welt als eine „königliche Priesterschaft“ zu wirken. Aber bereits in der Kirche, die auf ihrem Weg durch die Zeit ist, besteht das Amtspriestertum nicht bloß dazu, das Funktionieren eines hierarchisch strukturierten Betriebs zu regeln. Sondern es geht darum, die geistliche Sendung der Laien zu ermöglichen. Das Amtspriestertum ist deshalb in einem zweiten Sinn ein Dienst, weil es das Leben Jesu Christi in seinem Wort und Sakrament vermittelt. Es schenkt schon in dieser Zeit die Gemeinschaft mit dem, der die Brücke in das Haus des Vaters ist. Man darf sich also durch den bisweilen grassierenden Positivismus des kirchlichen Selbstbetriebs nicht den Blick auf das Wesentliche nehmen lassen.
Apostelgeschichte 6,1–7
1 Petrus 2, 4–9
Johannes 14, 1–12
Zu den Lesungen des 5. Sonntages der
Osterzeit 2026 (Lesejahr A)
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