Interview

„Auf dem Weg der Jüngerschaft kann man immer wachsen“

Pia Sommer, Leiterin der Hauptabteilung Jugend, Berufung, Evangelisierung“ hat gute Erfahrungen mit dem Crashkurs „Jüngerschaftsschule Shine“ gemacht.
Eichstätt feiert 1100-Jahres-Jubiläum
Foto: Armin Weigel (dpa) | Die Kirche und Christus im Blick: Jeder Getaufte sei dazu berufen, als Jünger Jesu in seine Nachfolge zu treten, sagt Pia Sommer, Leiterin der Hauptabteilung "Jugend, Berufung, Evangelisierung" in Eichstätt.

Ein halbes Jahr Input, um im Glauben zu wachsen und zu reifen. Was der Crash-Kurs zur gelebten Jüngerschaft beinhaltet und was es dafür braucht, erzählt Pia Sommer, Leiterin der Hauptabteilung "Jugend, Berufung, Evangelisierung“ im Bistum Eichstätt im Interview.

Welches Echo findet das Angebot der Jüngerschaftsschule im Bistum Eichstätt, wer lässt sich von dem Konzept ansprechen?

Uns war es im Bereich der Evangelisierung im Bistum Eichstätt wichtig, ein Format zu finden, bei dem Interessierte die Möglichkeit erhalten, den Glauben zu entdecken und darin zu wachsen, ihre persönliche Beziehung zu Gott zu vertiefen, sich durch die Gemeinschaft, den Austausch und das Gebet mit anderen bereichern und stärken zu lassen. Unser Anliegen war es also, Hilfen für den konkreten Alltag als Christ zu geben, in dem Gott als Kraftquelle und Mittelpunkt des eigenen Lebens entdeckt wird. Auch wenn das natürlich ein lebenslanger Wachstums- und Reifungsprozess ist, haben wir uns mit unserem Crashkurs Jüngerschaftsschule Shine als ersten Schritt für ein relativ kurzes Angebot entschieden: Die Kursdauer erstreckt sich über ein halbes Jahr und beinhaltet vier Wochenende (Freitag-bis Samstagabend) und einen Aussendungstag. Thematisiert werden die praktisch relevanten Themen, beispielsweise was es eben heißt, geliebtes Kind Gottes zu sein, was Jüngerschaft bedeutet, wie man Kraft schöpfen kann aus den Sakramenten und der Heiligen Schrift etc. Neben den Treffen hatten wir Materialien ausgegeben für die selbstständige Beschäftigung mit den Themen in der Zeit zwischen den Treffen. Zudem wurde jeder Teilnehmer von einem Mentor während des Kurszeitraumes persönlich begleitet.

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Wir haben unseren ersten Kurs Shine mit jungen Leuten bis ca. 40 Jahren erst vor gut einem Jahr, im Januar 2021, trotz Corona digital gestartet, und verfügen deshalb noch nicht über große Erfahrungswerte. Die Teilnehmer waren dabei ganz bunt gemischt: Von der Studentin über den Ingenieur zur Familienmutter. Es waren Personen dabei, die neu auf der Suche nach dem Glauben waren, aber auch solche, die ihren Glauben schon lange aktiv leben. Gerade diese Unterschiedlichkeit war ein großer Reichtum für den Austausch. Die Rückmeldungen, die wir erhalten haben, zeigen, dass angesichts der Themen, die behandelt wurden, jeder reich beschenkt worden ist, denn auf dem Weg der Jüngerschaft kann man immer wachsen. Voraussetzung ist aber ein offenes Herz für den Ruf des Herrn, der jeden Einzelnen näher an sich ziehen will.

Hat Shine Auswirkungen auf die Ausstrahlung der Teilnehmer und wenn ja welche?

Soweit ich aus den Rückmeldungen der Teilnehmer weiß, hat sich bei den meisten doch so manches geändert, angefangen bei der Selbstannahme und der Reflexion über sich bis zum Stellenwert des Glaubens im persönlichen Leben und der Bereitschaft, im Umfeld über den Glauben und die Erfahrungen mit Gott zu sprechen oder sich im kirchlichen Bereich zu engagieren. Einige haben die Sakramente wieder neu für sich entdeckt oder einen Zugang zum persönlichen Gebet mit Gott gefunden. Es gab in der Tat auch Rückmeldungen, in denen Teilnehmer von anderen angesprochen worden sind, weil die Änderung des Lebens positiv sichtbar geworden ist.

Fragen Verantwortliche aus anderen Bistümern nach Ihren Erfahrungen?

Natürlich stehen wir mit anderen Bistümern in Kontakt und tauschen uns über unsere Erfahrungen aus, auch über Jüngerschaftsschulen. Das ist ein sehr schönes und fruchtbares Miteinander im Bewusstsein, dass wir alle gemeinsam im Weinberg des Herrn arbeiten. Das Bistum Eichstätt ist ja nicht die erste und einzige Diözese, die einen solchen Jüngerschaftskurs anbietet. Wir haben uns bei der Konzipierung durchaus von anderen Kursen inspirieren lassen und daraus unser eigenes Format entwickelt, das auf unsere Situation und die Erfordernisse in der Diözese Eichstätt angepasst ist. Gerne teilen wir unser Konzept und unsere Erfahrungen dann auch den anderen mit.

Sind neue Netzwerke der Verkündigung entstanden und wenn ja welche?

Der Kurstreffen wurden von den Teilnehmern als eine Oase und Kraftquelle empfunden, weil man im gemeinsamen Gebet, den Inputs und den Austausch bestärkt wurde, den Alltag als Christ in Freude und mit Ausdauer zu meistern. Viele der Teilnehmer wollen die Treffen und die Bestärkung im Glauben in der Gemeinschaft nicht mehr missen und so haben wir mit Shine-on ein regelmäßiges Folgeangebot entwickelt, das allen jungen Interessierten offensteht. Alle zwei Monate treffen wir uns für einen Shine-on-Tag, der jeweils unter einem Thema steht. Shine-on ist nicht nur für die ehemaligen Teilnehmer gedacht, sondern auch für Personen, die vielleicht nur reinschnuppern wollen oder die ein kürzeres und unverbindliches Angebot suchen.

Neben hauptamtlichen Personen unterstützen uns Ehrenamtliche, die sich mit brennenden Herzen engagieren und Freude daran haben, ihren Glauben weiterzutragen. Wenn sich so ein Jüngerschaftskurs allerdings langfristig etablieren soll, brauchen wir einen noch größeren Pool von Mitarbeitern, die sich bei der Durchführung beteiligen und Aufgaben im Team übernehmen. Idealerweise wären das eben die, die so einen Kurs bereits durchlaufen haben und hierfür bereit und geeignet sind. Das wäre unser Traum. Da stehen wir allerdings noch recht am Anfang.

Können Sie sich eine Ausweitung des Konzeptes auf Gemeindeebene vorstellen?

Ja, auf jeden Fall. Jeder Getaufte ist ja dazu berufen, als Jünger Jesu in seine Nachfolge zu treten. In diesem Sinn ist dann eine Art Jüngerschaftsschule - also Hilfestellungen, wie so etwas praktisch aussehen kann - in der Pfarrei absolut wünschenswert. Das Konzept müsste eben an die Gegebenheiten vor Ort angepasst werden. Ob und wie sich das dann tatsächlich verwirklichen lässt, ist von der jeweiligen Pfarrei abhängig, etwa ob es vor Ort (ehrenamtliche) Personen gibt, die bereit sind, Impulsvorträge zu halten, über ihr Glaubensleben zu sprechen, Zeugnis zu geben und sich über das praktische Christsein auszutauschen oder auch andere Dienste zu übernehmen. Ich glaube, dass solche regelmäßigen Treffen in kleinen Gruppen, bei denen Jesus Christus im Mittelpunkt steht, man aber auch eine Gemeinschaft hat, die stützt und trägt, gerade für die Pfarrei sehr fruchtbar wären und zu einer Erneuerung des Pfarreilebens beitragen könnten.

 

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